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Dez

2010

Honig - Gesundheit schmeckt so süß

Honig ist ein Wundermittel, das nicht nur bei Erkältungen oder Schlafmangel hilft, sondern auch bei Verdauungsbeschwerden. Foto:www.photoXpress.com/fotographiche.eu Honig ist ein Wundermittel, das nicht nur bei Erkältungen oder Schlafmangel hilft, sondern auch bei Verdauungsbeschwerden. Foto:www.photoXpress.com/fotographiche.eu

Was hinter dem Mythos der so genannten Götterspeise steckt und warum Honig nicht nur ein idealer Süssstoff ist. Eine geschmackliche Reise zu einem äußerst gesundheitsfördernden Naturprodukt.

Von Sigrun Saunderson

Zwischen 77 und 84 Prozent Zucker – das soll gesund sein? Auf den ersten Blick ist der goldgelbe Sirup nicht vergleichbar mit einem gesunden Lebensmittel, von dem man praktisch nicht zu viel essen kann – wie Äpfel zum Beispiel oder Tomatensalat. Doch erstens kommt es auf die Art des Zuckers an. Und zweitens bringt der Honig neben seiner Süsse ein saftiges Bonusprogramm an lebenswichtigen Nährstoffen mit. Was es jedoch mit seiner seit Jahrtausenden proklamierten Heilwirkung auf sich hat, wird erst zaghaft in wissenschaftlichen Studien erforscht.

            Zwar kann man auch sehr gut ohne Honig durchs Leben kommen, doch so ganz ohne Süsse? Zucker macht glücklich. Sobald Zucker im Blut landet, regt er die Insulinausschüttung an. Das Insulin wiederum fördert die Aufnahmefähigkeit des Gehirns für Tryptophan, das hier in Serotonin umgewandelt wird – auch bekannt als das „Glückshormon”. Da allerdings dieser Effekt genauso schnell wieder verschwindet, wie er gekommen ist, lassen wir uns leicht zum Dauer-Naschen verleiten. Außer wir sorgen dafür, dass langsam und stetig Zucker ins Blut gelangt. Mit Honig zum Beispiel.

            Im Gegensatz zum weißen Kristallzucker, der zu fast hundert Prozent aus Saccharose besteht, beinhaltet Honig mehr als zwanzig verschiedene Einfach- und Mehrfachzucker, darunter Fruktose, Glukose und Maltose. Diese gehen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit ins Blut über. Daher hebt Honig sowohl Blutzuckerwerte als auch Insulinspiegel nur leicht, dafür aber über einen längeren Zeitraum hinweg. Das wiederum erhöht das SaÅNttigungsgefühl – im Gegensatz zum Kristallzucker, der extreme Blutzuckerschwankungen auslöst und dadurch einen raschen Wechsel von Energietiefs und Heißhungerattacken verursacht.

            Wem der biochemische Weg vom Blutzucker bis zum Glückshormon zu kompliziert klingt, dem kann die chinesische Fünf-Elemente-Ernährungslehre das Ganze in einem Satz erklären: Süsses baut Lebensenergie auf, entspannt und harmonisiert. In der chinesischen Ernährungslehre zählt Honig dabei ausdrücklich zu den ernährungsphysiologisch wertvollen Nahrungsmitteln. Dies bestätigt wiederum die Laboranalyse: Neben seinem Hauptbestandteil Zucker hat Honig noch an die 180 weitere Inhaltsstoffe. Nämlich Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme, Säuren, Aminosäuren, Aromen und Duftstoffe. Er ist also unter den Süssungsmitteln sozusagen das Vollkornweckerl neben den weißen Semmeln. Aber ist er deshalb auch ein Heilmittel?


Verdauungshilfe und Blutdrucksenker

Alte Kulturen und moderne Naturheilkundler rund um den Globus meinen, ja. Der Prophet Mohammed verordnete den Koran für die geistige und Honig für die körperliche Gesundheit. Ägypter und Germanen sahen im Honig die Quelle der Unsterblichkeit, Kraft und Weisheit. Die antiken Griechen dopten ihre olympischen Athleten mit Honig. Hippokrates, römische Ärzte und später Paracelsus setzten Honig als Fiebersenker, zur Wundheilung und gegen Depressionen ein. Die Traditionelle Chinesische Medizin verwendet den Honig unter anderem zur Unterstützung von Stoffwechsel und Verdauung, zur Entgiftung, gegen Kreislaufstörungen und hohen Blutdruck. Und in unseren Breiten lindert das alte Hausmittel warme Milch mit Honig auch heute noch Erkältungen und hilft beim Einschlafen.

            Wie macht er das, der Honig? Besondere Bedeutung scheinen die pflanzlichen Farbstoffe (Flavonoide) im Honig zu haben. Sie wirken antioxidativ, töten sowohl Pilze als auch Bakterien und Viren und binden freie Radikale, Mitverursacher von Hautalterung, Arteriosklerose, Rheuma und Krebs.

            Am deutlichsten nachgewiesen ist die entzündungshemmende Wirkung von Honig sowohl innerlich – zum Beispiel bei Halsweh – als auch bei äußerlicher Wundbehandlung: Denn im Honig haben Bakterien keine Chance. Mit einem pH-Wert zwischen 3 und 4 bietet er ein so saures Milieu, dass sich Krankheitserreger nicht vermehren können. Als konzentrierte Zuckerlösung wirkt er osmotisch und entzieht den noch vorhandenen Bakterien das lebenswichtige Wasser. Zusätzlich arbeiten im Honig zahlreiche antibakterielle Substanzen wie Wasserstoffperoxyd, Lysozym, Flavonoide und aromatische Säuren zusammen, die sogar die gegen Antibiotika resistenten Krankenhauskeime vernichten können. Grund genug für immer mehr Kliniken in Australien, den USA und Europa, entzündliche Wunden mit dem sogenannten “medizinischen Honig” zu versorgen und damit den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. – Hippokrates lässt grüssen.

            Auch die Verdauung profitiert vom Honig. Erste Studien weisen darauf hin, dass die enthaltenen Oligosaccharide jene Darmbakterien fördern, die für eine gesunde Verdauung nötig sind. Gleichzeitig verhindert Honig das Wachstum von Heliobacter pylori, jenem Bakterium, das Gastritis und Magengeschwüre verursacht. Aufgewärmt genossen reduziert er auch die Azidität der Magensäure um die Hälfte. Dass die chinesische Honig-Galgant-Mischung gegen Magenschmerzen und Darment-zündungen hilft, kann also durchaus durch wissenschaftliche Labortests bestätigt werden.

            Warme Honigmilch fördert den Schlaf. Dafür sorgen die Inhaltsstoffe Magnesium und Vitamin B6. Gemeinsam aufgenommen beruhigen sie Nerven und entspannen Muskeln. Dass Honig das Immunsystem stärkt, ist auch durch eine Studie bewiesen. Die Einnahme von täglich 70 Gramm über zwei Wochen erhöhte in Testpersonen mehrere Blutfaktoren, die für die Immunantwort des Körpers zuständig sind. Gleichzeitig verringert Honig die Konzentration von Immunoglobin E –ein Botenstoff im Blut, der allergische Reaktionen verstärkt. Dies lässt vermuten, dass Honig sogar Heuschnupfen besänftigen kann – was jedoch noch bewiesen werden muss.

            Ganz unbedenklich ist Honig aber auch nicht. Die im ungefilterten Honig enthaltenen Blütenpollen können gerade erst zum Auslöser von Allergien bei Allergikern werden.

            Gesundheitsfördernd und in speziellen Fällen als Arzneimittel einsetzbar – ein Allheilmittel ist Honig trotzdem nicht. Seine Zusammensetzung und damit auch seine Wirkung hängen von Jahreszeit, Herkunft und Verarbeitung ab. Dunkle Honige wie Kastanien- und Waldhonige haben mehr antioxidative Eigenschaften als die hellen Akazien- und Rapshonige. Dafür ist der Rapshonig einheimischer Sieger, wenn es um die Bakterienbekämpfung geht – nur noch übertroffen vom neuseeländischen Manuka-Honig. Honig will auch achtsam behandelt werden. Wird er gefiltert, so gehen die Nährstoffe der herausgefilterten Pollen verloren. Wird er erhitzt oder zu lange dem Licht ausgesetzt, sind auch die meisten Enzyme dahin.

            Die Qualität des Honigs hängt nicht zuletzt von den Arbeitsbedingungen der Bienen ab. Und von ihrem Arbeitsmaterial: Die naturbelassene Blumenwiese liefert unbelasteten Nektar und Pollen. Macht sich die Biene – und wer will sie zurückhalten? - über eine mit dem Antibiotikum Streptomycin gespritzte Obstplantage her, so finden sich Antibiotika-RückstaÅNnde im Honig. Behandelt der Imker seine Bienen dann auch noch mit Tetracyclin, Naphthalin oder Pyrethroiden gegen Milben und Krankheitskeime und treibt er sie bei der Honigernte gar mit dem Insektenabwehrmittel Phenylacetaldehyd aus dem Stock, lassen sich all diese Substanzen auch im Honig nachweisen.

            Eine Sorge vor allem der Bio-Imker ist die Gentechnik. Befinden sich Felder mit transgenem Mais oder Raps in Flugweite des Bienenstocks, enthält der Honig unweigerlich auch Pollen von gentechnisch veränderten Organismen. Diese Chance ist besonders groß, wenn er aus Ländern stammt, deren Anbauflächen zu einem hohen Prozentsatz für gentechnisch veränderte Pflanzen verwendet werden, wie Kanada, die USA oder Südamerika.

            Im heimischen Honig werden solche RückstaÅNnde kaum gefunden. Gentechnisch veränderte Pflanzen dürfen nicht angebaut werden, im Obstbau werden Antibiotika nur in Ausnahmesituationen eingesetzt und die Verwendung von Antibiotika in der Bienenhaltung ist in der gesamten EU verboten. Was nicht heißt, dass das Verbot immer eingehalten wird. Den besten Honig – und gleich einige Insider-Tipps zu seiner Verwendung dazu – gibt es ohnehin direkt beim Imker des Vertrauens.

 


Die Autorin: Sigrun Saunderson ist freie Journalistin und Texterin in Breitenbrunn. Sie schreibt bevorzugt zu medizinischen und populärwissenschaftlichen Themen – und kauft ihren Honig beim “Honigmann” im Ort. www.saunderson.at

 

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Kommentare: 1

  • #1

    Herbert (Montag, 17 Januar 2011 14:02)

    Manuka-Honig, kombiniert mit Manuka-Öl und anderen Ingredenzien ergibt sehr wirksame Hautcremes gegen vielerlei Hautirritationen, wie z.B.: Akne.

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