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14

Aug

2013

Rettet den Genuss: Auswege aus der Glutamat-Falle, von Elisabeth Fischer

Gedanken und Ideen der lebensweise-Experten

 

 Expertinnen und Experten verschiedener ganzheitsmedizinischer Bereiche unterstützen als Fachbeiräte die lebensweise-Redaktion. Hier treten sie vor den Vorhang und stellen ihre Gedanken vor. Diesmal schreiben die Ernährungsspezialistin Elisabeth Fischer und die Trager-Therapeutin Hedi Stieg-Breuss über Genuss für Körper und Geist.

Sie haben unsere Mundhöhlen erobert, bestimmen, was uns schmeckt, sie sind dafür verantwortlich, wenn Kinder statt Joghurt mit frischen Erdbeeren lieber Joghurt mit Aromastoffen aus der Retorte essen, sie stecken dahinter, wenn ein Koch, der jahrelang mit Convenienceprodukten hantiert hat, beim Verkosten eines „nur“ mit Kräutern und Gewürzen gut abgeschmeckten Gerichts aus taufrischem Gemüse ein enttäuschtes „das schmeckt so leer“ von sich gibt: industriell hergestellte Lebensmittel.

Mit dem Siegeszug der industriell hergestellten Lebensmittel von der Salatsoße bis zum Dessert hat auch eine Armada der E-Nummern unsere empfindlichen Geschmacksknospen besetzt, angeführt vom allgegenwärtigen Glutamat (E 621 bis E 625), das mit dem begehrten Umami-Geschmack sämtliche zarten, natürlichen Aromanuancen übertölpelt. Mit von der Partie aus dem Labor sind immer ausgeklügeltere Aromastoffe. Was nicht auf den bunten Verpackungen der Fix- und Fertig-Gerichte zu lesen ist: „Vorsicht, kann bei häufigem Verzehr zu Gewöhnungseffekten und Übergewicht führen.“ Denn Glutamat lasse die natürliche Sättigungsregulierung zusammenbrechen und es würden immer größere Portionen verschlungen, erklärt der Kieler Professor Michael Hermanussen.

Dazu steht das weiße Pulver, von dem jährlich weltweit zwei Millionen Tonnen hergestellt werden, im Verdacht, die Entstehung von Alzheimer und Parkinson zu begünstigen. Zur Entkräftung dieser Thesen wird gerne angeführt, dass Glutamat auch in natürlichen Lebensmitteln wie Tomaten, Parmesan, Sojasoße, ja sogar in Muttermilch vorkommt und im menschlichen Organismus als Botenstoff benötigt wird.

Was dabei unberücksichtigt bleibt: Industriell hergestellte Lebensmitteln enthalten vielfach höhere Konzentrationen an Glutamat als Naturprodukte. Da der Geschmacksverstärker fast in allen Fertigprodukten enthalten ist, potenziert sich die Menge für Menschen, die sich überwiegend mit Conveniencefood ernähren. In diesem Zusammenhang drängt sich der Vergleich mit Vitamin A auf: In körpergerechten Mengen ist es lebensnotwendig, Überdosierung kann jedoch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen bis zu schwerwiegenden Erkrankungen führen.

Es kann jedoch nicht nur an den Geschmacksverstärkern liegen, dass ein fades, trockenes Fleischlaibchen, zwischen zwei schlappe, süßliche Semmelhälften geklemmt, zur weltweiten Leibspeise avanciert. Den Rest besorgt ein ausgefuchstes Marketing, das ganz nach dem Vorbild angesagter Soaps auch die klebrigsten Nudeln aus Pappkartons gefuttert zum angesagten „Lifestyle“ deklariert. Aber wir sollten nicht nur den bedrohten Geschmackssinn und die dahinsiechende Esskultur beklagen. Es steht mehr auf dem Spiel.

Wenige global agierende Konzerne haben sich die gesamte Kette der Nahrungsmittelproduktion angeeignet, ob Saatgut, Düngemittel, Tierzucht oder Herstellung von Tiefkühlpizza. Folgen sind niedrige Rohstoffpreise, Verarmung der Bauern, Hungerlöhne und menschenverachtende Arbeitsbedingungen (nicht nur) in der südlichen Erdhälfte, Blockade von Klimaschutzmaßnahmen und höheren Standards für Rückstände in Lebensmitteln. Die für uns schmeckbare Spitze des Eisberges ist Brokkoli-Suppe aus dem Päckchen, die dank massivem Einsatz von E-Nummern nur wenige Gramm Gemüse dafür viel billige Zutaten enthält. Alles zusammen ermöglicht aggressive Preispolitik, damit die Verdrängung kleinerer Produzenten.

Was tun? Verzweifeln? Auf keinen Fall, statt dessen aber öfter an David gegen Goliath denken.

Mit jedem Bissen, den wir in den Mund schieben, können wir die Vorherrschaft der Nahrungsmittelmultis anknabbern, qualitäts- und verantwortungsbewusste regionale Produzenten und ökologische Landwirtschaft stärken – das Köstliche daran: Wir werden dadurch besser und genussvoller essen, können also nur gewinnen! Darum öfters auf dem Bauernmarkt einkaufen, was die Jahreszeit bietet, selbst kochen, dabei auch Kinder für dieses lebenserhaltende Vergnügen begeistern, Freunde zum Essen einladen, locker bleiben und wenn es schnell gehen muss, die Bio-Gemüsesuppe verwenden, der Nachbarin ein Stück selbst gebackenen Kuchen vorbeibringen und sich täglich auf gutes Essen freuen. —

 

 

Anders betrachtet: Pause machen und andere Sinne einschalten, von Dr. Hedi Stieg-Breuss

 

Sich selbst zu fühlen ist für viele Menschen oft schwer. Oft gilt der Leitsatz: erst die Arbeit, dann das Spiel. Doch das kann man durchbrechen. In der vom amerikanischen Arzt und Physiotherapeuten Milton Trager entwickelten gleichnamigen Methode der Wahrnehmungs- und Bewegungsschulung geht es genau darum: sich zu erlauben, sich Gutes zu tun. Dabei geht es im Wesentlichen darum, mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Gerade das haben wir in unserer Gesellschaft aber nicht gelernt: nämlich auf den Körper und Geist zu hören.

Am einfachsten geht es damit, Pausen zu machen und einmal andere Sinne einzuschalten. Vor allem, sich die einfache Frage zu stellen, „was möchte mein Körper jetzt?“ Und dann dem Körper lauschen ... „gibt es einen Impuls zu einer Bewegung?“ Damit kann man wunderbar zu sich selbst zurückkehren. Die Antwort entsteht nicht im Kopf, sondern im Körper.

Die therapeutische Arbeit im Trager hat im Wesentlichen zwei Aspekte: Zum einen kann man allein für sich selbst etwas tun, zum anderen wird man bewegt. In letzterem Fall werden vom Therapeuten oder der Therapeutin einfach die Körpergewichte sanft bewegt. Man nimmt dem Klienten die Körpergewichte (Kopf, Beine, Arme) ab und der kann loslassen. Das führt sehr rasch zu einer tiefen Entspannung, schon allein, weil es zu schwer wäre, auf Dauer das eigene Gewicht dagegen zu halten. Es gibt dabei kein definiertes, therapeutisches Ziel, ich folge einfach dem natürlichen Bewegungsausmaß, das der Körper hat. Und stelle mir dabei die Frage: Weicher? Leichter? Weniger? Dadurch fühlt ein Klient, wie er bewegt wird und wenn man bewegt wird, bewegt sich auch etwas in einem. Beim aktiven Teil geht es darum selbst den Körper in einer friedlichen Haltung zu fragen, was er gerade braucht. Der Körper reagiert auf diese Frage immer und es geht darum, dann mit dem zu gehen, was ist. Es geht um eine selbst gemachte, wahrgenommene Haltung dem Leben gegenüber. Man stellt sich die Frage, was leichter wäre und sich gut anfühlt. Den Körper hat man immer bei sich und den Bedürfnissen nachzuspüren ist auch immer möglich. Durch die körperorientierte Begleitung erlebe ich oft sehr rasch die direkte Auswirkung der Arbeit auf den Selbstausdruck der Person. Jemand kommt leicht gebeugt von der Last des Alltags in die Praxis und verlässt sie aufrecht, klar und gefestigt. Authentizität und Dasein werden spür- und erlebbar.

Trager ist eine Methode des so genannten somatischen Lernens. Positive Gefühlserfahrungen werden bewusst aufgenommen und verändern langzeitig unsere Körperwahrnehmung und unser Bewusstsein. Das ist Prävention.

n Beobachtungsstudien wurde die Wirkung von Trager auch auf die Herzvariabilität gemessen. 40 Prozent der Klienten entspannten die periphere Muskulatur, Atmung und das Herz sofort. Sie fallen in einen Zustand von Trance (schlafähnlich bei erhaltenem Bewusstsein). Weitere 40 Prozent der Klienten verbessern erst die periphere Durchblutung und nach der Erwärmung von Extremitäten entspannten sich die Muskeln. Bei 88 Prozent der Klienten sank der Puls, 43 Prozent verbesserten auch die Durchblutung von Brustkorb und Bauch. —

 

 
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