Kleine Erfolge im Artenschutz

In Aquakulturen treten die gleichen Probleme auf wie in der Massentierhaltung. Oft werden zudem Antibiotika eingesetzt, um Krankheiten zu unterdrücken. Foto:www.istockphoto.com/Kameleon007
In Aquakulturen treten die gleichen Probleme auf wie in der Massentierhaltung. Oft werden zudem Antibiotika eingesetzt, um Krankheiten zu unterdrücken. Foto:www.istockphoto.com/Kameleon007

Meere sind überfischt, Aquakulturen zum Teil ökologische Katastrophen. Doch der Fischfang ist eine weltweite Industrie, die sich kaum regulieren lässt. Es gibt aber auch Alternativen.

Laut der Welternährungskomission FAO sind 80 Prozent der Fischbestände in den Weltmeeren überfischt oder werden bis an die Grenzen ausgebeutet. Ein Problem dabei ist auch, dass viele junge Fische mitgefangen werden, die noch nicht gelaicht haben. Außerdem werden Schildkröten, Delfine, Seevögel, Robben und andere Meereslebewesen „mitgefangen“. 1995 legte die FAO Maßnahmen fest, die der Strategie der Überfischung ein Ende bereiten sollten. Eine aktuelle Analyse zeigt allerdings, dass sich keine der 53 mittleren oder großen Fischereinationen völlig an diese Leitlinien hält. Im letzten Moment gelang bei der UN-Artenschutzkonferenz in Nagoya (Japan) Ende Oktober ein historischer Beschluss: In den nächsten zehn Jahren sollen etwa 17 Prozent der Landfläche und 10 Prozent der Meeresfläche unter Schutz gestellt werden. Von den Ozeanen standen bislang nur ein Prozent unter Naturschutz. Im umfangreichen Maßnahmenkatalog geht es auch darum, wie die Meere künftig vor Verschmutzung und Überfischung geschützt werden können.

            Die europäischen Agrarminister haben mit Ende Oktober die neuen Fangquoten in der Ostsee für Hering, Sprotte und Lachs in der Ostsee beschlossen. Allein die Mengen für Hering werden um 30 Prozent auf 15.884 Tonnen reduziert, und es sollen 15 Prozent weniger Lachs gefangen werden. Allerdings dürfen die Fischer um bis zu 15 Prozent mehr Dorsch fangen. Dass es weiter genug Fisch im heimischen Handel gibt liegt daran, dass inzwischen über 60 Prozent der Fische nach Europa importiert werden: Dorade ersetzt Dorsch, Pangasius den Rotbarsch.

            Der Kampf um Fischereirechte und Fangquoten hat einen zutiefst ökonomischen Hintergrund: Es geht um viel Geld. 700 Schiffe fischen weltweit allein für die EU - 200.000 Kilogramm Fisch pro Tag kann eine dieser schwimmenden Fischfabriken fangen. Durch die eingesetzten Techniken, die keinerlei Rücksicht auf Nachhaltigkeit oder Naturschutz nehmen, geht es um ein Fünftel des europäischen Fangs. Irreversibel zerstört werden dabei auch Korallenriffe und Seegraswiesen.

            In den vergangenen Jahren ist ein weltweiter Handel mit Fischereirechten entstanden. Alleine an Marrokko zahlt die Europäische Union 36 Millionen Euro im Jahr. Dafür darf an den Küsten gefischt werden – auch in den fischreichen Gewässern vor Westsahara, obwohl unklar ist, welchem Staat dieses Gebiet zuzurechnen ist. In einer von Experten des Juristischen Dienstes des Europaparlaments erstellten Analyse wird diese Vorgangsweise als illegal bezeichnet, vor allem auch, weil Menschen, die in den betroffenen Regionen leben, nichts von den erzielten Gewinnen haben. Im Gegenteil: Es sind meist korrupte Systeme, wo die Einkünfte in den Taschen einiger weniger verschwinden. Ähnliche Abkommen der EU gibt es mit 15 weiteren Staaten – insgesamt 160 Millionen Euro werden hier jährlich investiert. Aus der Sicht von EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki reichen die nun beschlossenen Maßnahmen jedenfalls bei weitem nicht aus. Sie hofft auf bessere Ergebnisse bei den im November laufenden Verhandlungen um die Fangquoten in der Nordsee. Etwa 400.000 Menschen in Europa leben von der Fischerei – für viele bedeuten die jetzt beschlossenen Maßnahmen, dass sie mit ihren Fangschiffen das letzte Mal den Hafen anlaufen. Damanaki will bis nächstes Jahr eine umfangreiche Reform der Fischstrategie der EU erreichen.


Umweltprobleme mit einigen Aquakulturen

Auch Fischzucht, sogenannte Aquakultur, kann problematisch sein, weil sie Schwierigkeiten mit sich bringt, die aus der Massentierhaltung an Land bekannt sind. Die Tiere haben zu wenig Platz und sind damit anfälliger für Krankheiten. Oft werden große Mengen von Medikamenten eingesetzt, ganz zu schweigen von bedenklichen Zusatzstoffen im Energie- und Mastfutter, welches die natürliche Nahrung ersetzt. Dazu kommt, wie die Umweltberatung betont, eine hohe Umweltbelastung: Eine Lachsfarm mit 1.000 Tonnen Lachs kann etwa so viel Abwasser wie eine Stadt mit 33.500 Einwohnern produzieren. Allerdings gibt es auch Aquakulturen, die sich um nachhaltige Produktionsmethoden bemühen, einige davon werden durch das EU-Projekt SustainAqua gefördert.

            In Österreich gibt es seit 1994 die „ARGE Biofisch“. Auch die Österreichischen Bundesforste informieren auf www.wildfang-naturfisch.at über Möglichkeiten, Fisch mit guten Gewissen zu kaufen. Heimische Süßwasserfische aus Biozuchtbetrieben und Öko-Aquakulturen werden ohne Einsatz von Antibiotika und ohne vorbeugende Medikamentengaben gezüchtet. Die Bestandsdichte ist geringer als in konventionellen Betrieben, der Einsatz von Fischmehl begrenzt, Gentechnik und vorbeugende Medikamentengaben sind verboten.

 


Tipps für den Kauf

Je regionaler die Herkunft, umso besser. Frischfisch im Geschäft lebend oder auf Crash-Eis liegend kaufen. Dieses sollte auch für den Transport nach Hause in einer Kühltasche genutzt sowie im Kühlschrank werden. Frischfisch hält bei plus zwei bis vier Grad Celsius maximal einen Tag. Am besten ist es, ihn am gleichen Tag zuzubereiten. Nicht empfehlenswert sind Fische, die auf Styroportassen unter Folie verkauft werden, denn durch diese Verpackung werden sie nicht ausreichend gekühlt. Bei schlechter Kühlung oder zu langer Lagerung steigt der Histamingehalt – ein Abbauprodukt von Eiweiß – an. Das kann bei empfindlichen Personen Kopfschmerzen, Übelkeit, Benommenheit oder Hautrötungen auslösen und wird beim Kochen nicht zerstört.

            Wichtige Kriterien beim Kauf von Fisch sind: Die Augen sind prall, klar und durchsichtig, die Haut glänzt und die Schuppen liegen fest an, die Kiemen des Fisches sind rot bis hellrot und nicht braun oder weiß. Fischfleisch sollte fest und elastisch sein - ein Fingerdruck darf keine Delle zurücklassen. Starker Fischgeruch ist ein Warnsignal, frischer Fisch stinkt nicht.

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