...und Tee trinken

Mühsame Ernte der reifen Teeblätter: Auf den meisten Teeplantagen zählt noch Handarbeit, Erntemaschinen sind kaum im Einsatz. Foto:www.photoXpress.com/Bayu Harsa
Mühsame Ernte der reifen Teeblätter: Auf den meisten Teeplantagen zählt noch Handarbeit, Erntemaschinen sind kaum im Einsatz. Foto:www.photoXpress.com/Bayu Harsa

Tee ist nach Wasser das am meisten konsumierte Getränk der Welt. Angeblich vor mehr als 5000 Jahren entdeckt, gewinnt die Wissenschaft heute mehr und mehr Erkenntnisse darüber, wofür oder wogegen das herbe Gesundheitsgetränk nützt. Spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Tee aber auch zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Doch während im modernen Teehandel Schnelligkeit zählt, kennt die japanische Teezeremonie keinen Zeitdruck, dafür aber umso mehr Ruhe und Meditation.

Von Claudia Feiertag

Kein Getränk außer Wasser wird so häufig genossen wie Tee - acht Milliarden Tassen sollen es weltweit jedes Jahr sein. „Zurecht“, erklärt Irene Kührer, Fachärztin für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie am Wiener AKH sowie Mitglied im lebensweise-Fachbeirat, „Mineralwasser gibt es bei uns nicht mehr, überall im Spital stehen dampfende Kannen mit Tee. Das Getränk hat eine erwiesenermaßen gesundheitsfördernde Wirkung.“ Dies sei auch der Grund, warum Tee immer mehr als Therapeutikum Einzug in den klinischen Alltag finde: „Wir haben  ausgezeichnete Ergebnisse erzielt beim Einsatz von Tee während der Chemotherapie von Krebskranken“, schildert die Ärztin. Die Polypenole im Tee reduzierten die toxische Wirkung der Chemotherapie auf den Darm. Wobei es hier egal sei, ob grüner oder schwarzer Tee zum Einsatz komme.

            „Wir verwenden Grüntee zusätzlich zur Stimulierung des Immunsystems, und zwar fast immer“, ergänzt Gynäkologe Leo Auerbach, Leiter der Komplementärmedizinischen Ambulanz am Wiener AKH und ebenfalls lebensweise-Fachbeirat. „Daneben setzen wir auch Johanniskraut-Tee als Antidepressivum ein. Das darf allerdings während einer Chemo nicht gegeben werden. Und auch mit Ginsengtee haben wir zur Steigerung der Energie unserer Patientinnen und Patienten schon gute Erfahrungen gemacht.“ Das Wiener AKH sei laut Auerbach übrigens noch das einzige Spital in Österreich, in dem der Tee gezielt als Therapeutikum eingesetzt werde. Dabei steckt enormes Potenzial in dem Heißgetränk.

            Eine Langzeitstudie niederländischer Wissenschaftler mit 37.514 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kommt etwa zum Ergebnis, dass bei Menschen, die über sechs Tassen grünen oder schwarzen Tees pro Tag konsumierten, im Vergleich zu Menschen, die nur eine Tasse am Tag oder weniger trinken, das generelle Risiko für Herzkrankheiten um 36 Prozent reduziert ist. Noch geringer ist bei Vieltrinkern die Wahrscheinlichkeit einer tödlichen Herzerkrankung: Dieses Risiko ist sogar um 45 Prozent niedriger. Es sind die Inhaltsstoffe aus der Teepflanze, die hier der Gesundheit zuträglich sind.

            Vor allem die sekundären Pflanzenstoffe, wie Polyphenole und das Flavonoid Epigallocatechin-Gallat (EGCG), wirken antioxidativ und können freie Radikale unschädlich machen. Eine aktuelle Studie der McGill Universität in Montreal, gefördert vom kanadischen Bio- und Fairtrade-Tee-Händler A. Holliday & Company, stellt fest, dass EGCG auch den Ausbruch von Alzheimer- und Demenz-Erkrankungen verzögern oder teilweise sogar verhindern kann. Der regelmäßige Genuss von Grüntee-Produkten könnte vor schädlichen Wirkungen von oxidativem Stress schützen und altersbedingte Gedächtnisschwächen verzögern oder verhindern helfen. Bisherige Studien konnten zudem nachweisen, dass EGCG auch positive Auswirkungen bei Diabetes und manchen Krebserkrankungen hat. EGCG kann die Bildung entzündlicher Teilchen in Verbindung mit Gelenkrheumatismus verringern, den Metabolismus ankurbeln, Fett verbrennen und die Aktivität spezieller menschlicher Enzyme, die für den Abbau giftiger Substanzen zuständig sind, ankurbeln.


Schutz gegen einige Krebsarten

Japanische Forscher wiederum konnten nachweisen, dass EGCG das Wachstum von Lungenkrebszellen hemmt. Dieser Effekt wird bereits beim täglichen Konsum von zwei bis drei Tassen grünen Tees erreicht. Selbst gegen Hautkrebs, behaupten Wissenschafter, stelle Tee eine Prävention dar. Nicht bestätigt hat sich jedoch die Hoffnung, dass Grüntee einen gewissen Schutz gegen Brustkrebs bietet, wie japanische Forscher erst vor wenigen Wochen herausgefunden haben. Dafür aber können absterbende Hautzellen durch Tee-Inhaltsstoffe repariert werden. Und US-Forscher fanden zudem heraus, dass diese Verjüngungskur bei Wunden, Schuppenflechte und Falten helfen könnte. Die Polyphenole vor allem im schwarzen, aber auch im grünen Tee hemmen zusätzlich die Bildung der Bakterien, die Mundgeruch verursachen. Schwarzer Tee erzielt hierbei eine bessere Wirkung. Er hemmt auch das Wachstum von Plaquebakterien und verhindert so Zahnfleischerkrankungen und Karies. Weitere Einsatzgebiete von Tee: Prävention gegen Gastritis, Parkinson und grauen Star. Und wenn sich beim Menschen bestätigt, was japanische Forscher bei Mäusen herausfanden, müssen sogar bald die Dopingtests bei den Olympischen Spielen umgestellt werden: Die Tiere wurden zehn Wochen lang mit einem Extrakt aus grünem Tee gefüttert. Im Anschluss waren sie um bis zu 25 Prozent leistungsfähiger als vorher. Die Wissenschafter vermuten, dass sich bei längerer regelmäßiger Anwendung der Stoffwechsel der Tiere so verändert, dass sie mehr Fett und weniger Kohlenhydrate verbrennen.

            Was die moderne evidenzbasierte Medizin heute mit Studien zum Tee in messbare und rekonstruierbare Daten und Fakten gießt, haben die Altvorderen schon früh erahnt und verspürt. Wo und wann genau erstmals Tee getrunken wurde, ist nicht belegt. Entsprechend ranken sich Legenden um die Entstehung des Aufgussgetränkes.

            In China erzählt man sich, vor mehr als 5000 Jahren habe der Wind ein paar Blätter in das kochende Wasser von Kaiser Shen Nung geweht. Angelockt vom herrlichen Duft und der goldgelben Farbe, die das Wasser bald annahm, kostete Shen Nung von dem Getränk und fühlte sich gestärkt und erfrischt. Wie auch immer der Tee als Getränk entdeckt worden sein mag, gesichert ist, dass buddhistische Mönche um 550 nach Christus den Tee von China nach Japan brachten.

            Um 900 nach Christus kam die erste Kunde vom Tee durch arabische Seidenhändler, die von einer Steuer auf eine Pflanze, aus der man ein anregendes Getränk braue, berichteten. Auch Marco Polo erwähnte 1285 in einem Reisebericht diese Teesteuer. Aber erst Mitte des 16. Jahrhunderts beschrieb der Italiener Giovanni Battista Ramusio erstmals in Europa Anbau, Zubereitung und Wirkung. Und durch christliche Missionare und Seeleute kam der erste grüne Tee aus China nach Europa. Hierzulande waren aber eher teeähnliche Getränke (überbrühte Heilkräuter sind keine echten Tees – siehe Panoramaseite 26-27), etwa in der keltischen Tradition sowie in der Klosterheilkunde bekannt. Doch neben dem Aspekt als Heil- und Genussmittel erlangte Tee auch bald immense wirtschaftliche Bedeutung. Diese begann hierzulande damit, dass die holländische Ostindien-Kompanie Tee 1610 erstmals nach Europa einführte. Ein paar Jahre später etablierten sich auch Karawanen auf dem Landweg, die von China aus den Tee nach Sibirien und bis an die Wolga brachten. In Europa wurden vor allem die Engländer zu einer Nation der Teetrinker, die diese Tradition auch in ihren Kolonien einführten.

            Historische Bedeutung erlangt Tee dabei vor allem durch die Boston Tea Party am 16. Dezember 1773, die schließlich zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Kolonialmacht führen sollte: Diese hatte zahlreiche Waren, darunter Tee, mit massiven Steuern belegt und der britischen East India Company das alleinige Recht auf die Einfuhr von Tee nach Amerika gewährt. Aus Protest enterten als Ureinwohner verkleidete Amerikaner im Hafen von Boston drei Teeschiffe der Company und warfen die 342 Teekisten über Bord.


Ostfriesen trinken weltweit den meisten Tee

Um das de facto bestehende Monopol des Teeproduzenten China zu brechen, begannen die Briten Mitte des 19. Jahrhunderts nach anderen Anbaugebieten zu suchen - erste Plantagen in Indien und auf Ceylon entstanden. Heute produzieren rund 30 Länder in Asien, Afrika und Südamerika Tee. Weltgrößter Teeproduzent im Vorjahr war China mit 1,31 Millionen Tonnen, gefolgt von Indien mit rund 978.999 Tonnen. Insgesamt wurden im Jahr 2009 rund 3,86 Millionen Tonnen Tee erzeugt, aber fast 60 Prozent davon blieben in den Erzeugerländern. Mehr als 14 Prozent der weltweiten Teeernte gehen in die Russische Föderation. Dahinter liegt mit 12 Prozent Großbritannien. Beim Pro-Kopf-Verbrauch dagegen liegt Irland vorne: Jeder Ire gießt sich jährlich durchschnittlich 2,96 Kilogramm Tee auf, jeder Brite 2,51 Kilo. Gäbe es eine offizielle Statistik, die Regionen berücksichtigte, lägen aber die Ostfriesen vorn: Sie verbrauchen 3,5 Kilo Tee. In Österreich jedoch werden bescheidene 250 Gramm Grün- und Schwarztee pro Kopf und Jahr aufgebrüht.

 


Die Autorin: Claudia Feiertag schrieb viele Jahre lang für Kurier und Die Furche, wo sie als Ressortleiterin für Wirtschaft und Wirtschaftsethik verantwortlich war. Heute arbeitet die Juristin am Landesgericht Feldkirch.

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Kommentare: 1
  • #1

    Cassandra (Mittwoch, 30 März 2011 11:41)

    früher war ich voll auf kaffee und nrg drinks. mein fitness trinaer empfahl mir grüntee. zum brühen zuwenig zeit recherchierte ich und fand d.e.r. drink. ich möchte den allen empfehlen,die leistung bringen müssen, sich etwas gutes tun, gegen freie radikale vorbeugen usw... einfach in die nächste apo oder über http://www.pillenflitzer.at/product_info.php?products_id=3691513 zu ordern.