Das Immunsystem und ich

Dr. Ronny Tekal-Teutscher
Dr. Ronny Tekal-Teutscher

 

Wir hören es regelmäßig in den einschlägigen Werbungen: Über 70% unserer Immunabwehr befindet sich im Darm. Das bedeutet: Bei sieben von zehn Menschen ist das Immunsystem im Arsch.

 

Das Immunsystem ist schon eine zweischneidige Sache. Es schützt uns einerseits vor grässlichen Infektionen, der Vogel-, Schweine-, und Weihnachtsgrippe, andererseits spielt es verrückt, zerstört unsere Gelenke oder verpasst uns eine Allergie, von der selbst die Urenkelgenerationen der Hausstaubmilben noch ihren staunenden Nachkommen berichten werden.

 

Seit sich die sommerlichen Tage in den Süden verabschiedet haben und sich die Herbstdepression an den Frühstückstisch gesetzt hat, um uns zu nerven, dann wird es wieder einmal schwach, unser Immunsystem. Und wenn es mal schwach ist, dann sind wir völlig ungeschützt gegenüber Keimen oder Vorgesetzten. Oder noch schlimmer: Gegenüber den Keimen unserer Vorgesetzten. Und so pilgern die Heerscharen von Menschen mit geschwächtem Immunsystem in die Ordinationen dieses Landes und bitten um eine milde Stärkung. Bereits unsere Großeltern wussten darüber bestens Bescheid und überforderten uns regelmäßig unaufgefordert mit weisen Tipps aus der guten alten Zeit: War Omi mit ihrem heißen Hollunderblütensirup und den warmen Socken noch auf Kuschelkurs, war Opi überzeugt, dass sein Überleben in Russland ausschließlich davon abhängig war, täglich im Eiswasser gebadet zu haben. Da diese Variante bei den Enkerln (und auch bei Omi) nicht auf allzu große Gegenliebe stieß, war Opi meist verärgert und schob das schwache Immunsystem der Jungen auf die Verweichlichung durch warmen Socken.

 

Der bei Kurgästen bis heute gefürchtete Pfarrer Kneipp hatte da auch nicht ganz unähnliche Gedanken. Einfacher und zeitgemäßer ist es heute, statt der körperlichen Stählung einen Zaubertrank in Form eines gezuckerten Joghurts im Wegwerffläschchen zu sich zu nehmen. Oder auf eines von vielen funktionellen Lebensmitteln zurückzugreifen, die ein gestärktes Immunsystem versprechen: Milch, Cola oder Überraschungseier.

 

Jede Bratwurst stärkt, aufgrund der heute zum Glück völlig entschlüsselten Inhaltsstoffe, die Abwehrkräfte. Auch die Zuckerl, die uns Kinder damals noch als „ungesunder Schmarrn“ abspenstig gemacht wurden, sind heute mit wertvollen Vitaminen versetzt. Gesetzlich gibt es hinsichtlich immunologischer Stärkungsmittel kaum Grenzen, man kann höchstens Immun-Recht sein.

 

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