Begleiterin zwischen Ost und West

Sathya Bernhard bin Saif studiert seit ihrem achten Lebensjahr mongolisch-buddhistische Psychologie, Philosophie und Medizin. Sie lebt und praktiziert tibetische Medizin in Wien. www.archetype.in Foto: Bernhard bin Saif
Sathya Bernhard bin Saif studiert seit ihrem achten Lebensjahr mongolisch-buddhistische Psychologie, Philosophie und Medizin. Sie lebt und praktiziert tibetische Medizin in Wien. www.archetype.in Foto: Bernhard bin Saif

 

Sathya Alessandra Bernhard bin Saîf sieht sich als Begleiterin, schlägt Brücken zwischen westlicher und östlicher Welt. In ihrem neuen Buch verbindet die Wahlwienerin das Konzept der Archetypen mit jenem der Meridiane.

 

Von Christian F. Freisleben-Teutscher

Wie immer man auch versucht, sich Sathya Alessandra Bernhard bin Saîf zu nähern, meist hat man das Gefühl, jeder Text greift zu kurz. „Je länger man mit ihr redet, umso mehr Facetten tun sich auf„, sagt eine ihrer Schülerinnen. Und das beschränkt sich längst nicht nur auf den medizinischen Bereich. Erst im Juli hat sie in einer Opernproduktion von Mozarts Zauberflöte die Königin der Nacht gesungen. Bernhard bin Saîf ist nämlich auch gelernte Opernsängerin (Koloratursopran) und als solche Mitglied bei der „Philharmonic Doctors Opera„ – einem Projekt, in dem Mediziner aus ganz Europa mitwirken, die auch Musik studiert haben.

 

„Als Achtjährige gab mir meine Großmutter, die Opernsängerin war, Unterricht in Stimmbildung. Ich wollte von ihr aber immer ganz genau wissen, wie die Stimmbänder funktionieren, wie Sprache und Gesang entstehen„, erinnert sich Sathya Alessandra Bernhard bin Saîf. Die heute in Wien lebende und arbeitende Allrounderin wurde 1965 in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator geboren. Ihr Vater war Dirigent und Geiger, ihre Mutter Choreographin, Tänzerin und Psychologin. Ihre aus Indien stammende Großmutter war Ayurveda-Ärztin, ihr Onkel Mönch in einem buddhistischen Kloster. „Ich habe das alles aufgegriffen und Schritt für Schritt auf meine besondere Art umgesetzt.„

 

Als sie 14 Jahre alt war, verbrachte sie drei Monate meditierend in der Höhle des heiligen Berges Arunachala Shiva, denn in der Nähe lebte ihre Großmutter. Von 1984 bis 1992 wurde sie vom Freund ihres Onkels, Tenzin Choedrak in Dharamsala, Indien, unterrichtet. Der Tibeter war Leibarzt des Dalai Lama. Insgesamt 25 Jahre studierte Sathya Bernhard bin Saîf traditionelle tibetische und mongolische Medizin, Psychologie und Philosophie. „Schon mit acht sagte ich meinen Vater: Wenn ich groß bin, muss ich einen Österreicher heiraten, damit ich dort leben und singen kann.„ Das Multitalent setzte das auch um und lebt heute mit ihrem Mann Christian Wolfgang Bernhard ben Saîf in der Nähe von Wien. Die 45-Jährige ist Mutter von sechs Kindern und bereits zweifache Großmutter.

 

Keine Krankheiten, sondern Dissonanzen

 „Ich bin in jeder Hinsicht eine Kosmopolitin, ich habe mich auch intensiv mit der westlichen Medizin und Philosophie sowie den verschiedenen Religionen auseinandergesetzt.„ Sathya Bernhard bin Saîfs Motivation dahinter ist der Versuch, sich dem Menschen als Ganzes anzunähern und die Frage zu beantworten, warum wir überhaupt leben, welchen Platz wir auf der Erde, im Universum haben. „Es ist für Heilungsprozesse sehr wichtig zu erfahren, von wo ein Mensch kommt und wohin er oder sie geht, was aktuelle Lebensthemen oder Aufgabenstellungen sind.„

 

Die gelernte Opernsängerin spricht nicht von Krankheit sondern von „Dissonanzen„, von einem Ungleichgewicht, das sich auf verschiedenen Ebenen zeigt und auch durch Krankheitssymptome zum Ausdruck kommen kann. „Oft ignorieren wir solche Störungen sehr lange oder nehmen sie zu wenig ernst.„ Wichtig ist Sathya Bernhard bin Saîf, durch ihre Begleitung neuen Mut fürs Leben zu vermitteln, Impulse für den Umgang und zur Bewältigung von Dissonanzen zu geben. Sie sieht sich nicht als Ärztin, sondern als jemand, der auf Impulse und Haltungen in anderen Menschen und in sich selbst hört.

 

„Die westliche, schulmedizinische Herangehensweise ist sehr wichtig – vor allem auch die vielfältigen diagnostischen Möglichkeiten„: Sathya Bernhard bin Saîf hält nichts davon, westliche Schulmedizin, traditionelle tibetische oder mongolische Medizin oder andere Formen der so genannten Alternativmedizin gegeneinander auszuspielen oder sie als konkurrierende Richtungen zu sehen. Aus ihrer Sicht wäre es noch viel stärker möglich, weniger auf die Unterschiede zu sehen als viel mehr gemeinsam Hand in Hand zu gehen.

 

„Wichtig ist, Elemente und Ansätze aus diesen Richtungen zu kombinieren, sich gegenseitig zu bereichern und zu inspirieren: So kann etwa die westliche Medizin lernen, mehr den ganzen Menschen zu sehen, seine Beweg- und Hintergründe, seine innere Lebensweise – wobei es sicher jetzt schon Mediziner gibt, die diesen Ansatz im respektvollen und begleitenden Umgang mit verschiedenen Menschen leben.„

 

Ein zentraler Aspekt ist für Sathya Bernhard bin Saîf die Achtsamkeit und Wahrnehmung: „Mir ist es wichtig, immer wieder neu darauf zu achten: Wo stehe ich, wie geht es mir? Wo steht mein Mann gerade, wo meine Kinder und Enkelkinder, was bewegt sie?„ Diese Haltung setzt Sathya Bernhard bin Saîf in der Begleitung von Menschen um, die mit ihren Gesundheitsproblemen und den dahinter liegenden „Dissonanzen„ zu ihr in die - wie sie es nennt - „Werkstatt„ kommen oder an einem ihrer Workshops teilnehmen.

 

Mit ihrem Mann, langjähriger Trainer aus dem Seminar- und Wirtschaftsbereich, hat sie nun ihr Wissen aus Ost und West verbunden und dabei verblüffende Übereinstimmungen entdeckt. Gemeinsam haben sie das Konzept des „Mongolian Wheel of Life„ entwickelt und nun auch in einem Buch zusammengeführt. Erstmals treffen sich das fernöstliche Wissen der zwölf Hauptmeridiane und das westliche Wissen rund um zwölf innere Archetypen in einem so genannten Archetypen-Meridian-System. „Unser Körper spiegelt sehr genau wieder, ob wir uns momentan wohl fühlen oder ob Unstimmigkeiten in uns auftreten. Die Eigenschaften und Möglichkeiten des Lebens sind in unsere Körper wie in ein Buch hineingeschrieben, vom ersten vorgeburtlichen Moment an. Die Buchstaben dieser Schrift sind die Archetypen des Menschen – meine eigenen und die universellen„, umreißt Sathya Bernhard bin Saîf das Konzept.

 

Das Wissen über die Archetypen erleichtert die Diagnostik und Einschätzung von energetischen und somatischen Störungen im Bereich der Meridiane, schreiben die beiden in ihrem Buch. In den Meridianen, den Energiebahnen des Menschen, würden sich die Informationen der Archetypen verdichten. „Wird diese Sprache nicht verstanden, entstehen Unausgeglichenheit und ein Missverhältnis. Durch unsere Arbeit mit den Meridianen kann diese Sprache sehr rasch erkannt und erlernt werden.„ Die Herangehensweise des Mongolian Wheel of Life würde einen Zugang über das westliche Denken ermöglichen, um in das östliche Denken der tibetischen Medizin leichter hineingehen zu können. Die Behandlung eignet sich auch für die Akupunktur oder Selbstbehandlung über Akupressur. Zudem bietet das Buch Grundlagen, wie etwa Puls-, Antlitz-, Zungen- und Augendiagnosen.

 

Neben der Philosophie und ihrer Familie nennt Sathya Bernhard bin Saîf das Singen, die Musik als dritte Säule ihres Lebens. „Jeder und jede kann auf seine oder ihre eigene Weise singen, wir tragen alle unseren Urton in uns. Diesen Ton gilt es wieder zu entdecken„, sagt die Frau, die auch Workshops zu Gesang und Sprechtechnik anbietet. Als Begleiterin setzt sie Musik auch in Heilungsprozessen ein: „Bei inneren  Dissonanzen löst der Ton in der Stimme die Trauer, die Verspannung, die Unklarheit, die Wut. Gefühle werden durch Erkenntnis ohne Worte, nur durch den Klang verwandelt.„

 

Aus Sathya Bernhard bin Saîfs Erfahrung „reagieren Meridiane auf Musik öffnend, beruhigend und stärkend.

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Kommentare: 3
  • #1

    Margot Wohlkönig (Donnerstag, 03 März 2011 09:18)

    Beim Lesen Ihres Artikels ging mir das Herz auf, mein Geist wurde hellwach. Welch eine Vita! Welch eine Frau! Meine Jahrzehnte lange Erfahrung als Frau, Mutter, Therapeutin mit der TCM lässt mich die heilsame Wirkung der Arbeit an den Meridianen bestätigen. In meinem Leben hat mich die Beschäftigung mit den 12 Archetypen genauso fasziniert wie das Studium der TCM - und mir geholfen, Phänomene in Geist und Seele zu erkennen und zu verstehen. Archetypen und Meridiane - diese miteinander zu verknüpfen, das ist für mich neu und eröffnet für mich ein weiteres Tor des Erkennens. Dieses Buch kaufe ich mir zum Einstieg.

    Danke!

    Nachworte: Gratulation zu der übersichtlichen und schön gestalteten Website. Über Ihren Newsletter bin ich auf dieser Seite gelandet.

  • #2

    lebensweise Redaktion (Dienstag, 08 März 2011 08:03)

    Herzlichen Dank für diese Rückmeldung und Ihr Lob! Das spornt uns an weiterzumachen.

    Wir freuen uns natürlich nicht nur über Lob für unsere Website, sondern auch über Leser und Abonnenten des Magazins.

  • #3

    Luci (Montag, 26 September 2011 10:28)

    ... wer glaubt wird selig ...