Bio-Bier: Gesundheit Schluck für Schluck

Immer mehr Brauereiunternehmen produzieren Bio-Bier. Foto:istockphoto.com/thelinke
Immer mehr Brauereiunternehmen produzieren Bio-Bier. Foto:istockphoto.com/thelinke

 

Ist Biobier eigentlich besser oder gesünder als „normales“ Bier? Nicht unbedingt - aber es gibt hervorragende Bio-Biere. Beim Bier gilt nämlich genau dasselbe wie bei allen anderen Bio-Produkten: Die ökologische Produktionsweise ist nur ein Teil dessen, was die Qualität ausmacht.

 

Von Conrad Seidl

Immer wieder werde ich gefragt, was ich denn vom Biobier halte. Es ist eine Frage, die mich ratlos lässt. Kann man denn gegen etwas sein, was „bio“ ist? Kann man nicht. Muss man aber deswegen zwingend dafür sein? Nein, das muss man auch wieder nicht. Wirklich gut ist „bio“ nur dann, wenn es wirklich gut schmeckt. Womit wir auch schon beim nächsten Punkt sind: Wie schmeckt denn eigentlich „bio“?

 

Da hat sich über drei Jahrzehnte ein unseliger Glaube herausgebildet, dass Produkte aus dem ökologischen Landbau besonders „erdig“ schmecken sollen, weil die Konsumenten angeblich irgendwann gelernt haben sollen, dass Bio-Gemüse runzelig, Bio-Obst fleckig und Produkte aus Bio-Getreide eben nach unverarbeitetem Getreide zu schmecken hätten. Dass all das ganz dumme Vorurteile sind, ändert nichts daran, dass diese Vorurteile kaum ausrottbar zu sein scheinen.

 

Und noch schlimmer: Sie werden noch dadurch verstärkt, dass Marketingexperten immer wieder betonen, dass „bio“ eben besonders schmecke. Das kann wahr sein – wenn etwa alte Apfel-, Paradeiser-, Paprika- oder Kartoffelsorten im ökologischen Landbau angebaut werden. Das ist toll – hat aber nur am Rande mit der ökologischen Produktionsweise zu tun, viel mehr aber mit dem Verständnis dafür, dass es eben einen guten Geschmack jenseits des Mainstreams gibt, der nicht nur in der Verarbeitung, sondern auch in der Grundproduktion Einzug gehalten hat.

 

Der ökologische Landbau ist in diesem Zusammenhang wichtig – aber er ist vor allem eine Leistung der Bauern für die Natur und die Umwelt: Mit jedem Stück Bio-Brot, jedem Bio-Würstel und natürlich auch mit jedem Schluck Bio-Bier schont man die Böden und das Grundwasser in der Region, wo die Zutaten gewachsen sind. Man stärkt nebenbei (was in dieser ökologisch-philosophischen Betrachtungsweise ebenfalls sehr wichtig ist) die bäuerliche Landwirtschaft. Aber erst in dritter Linie ist das konkrete Bio-Produkt für die eigene Gesundheit besser als ein konventionell hergestelltes.

 

Schutz vor Herz-Kreislauferkrankungen

Ganz ernsthaft gesprochen: Selbst billige Massenbiere, die in großtechnischer Produktion aus den konventionell angebauten Rohstoffen Getreide und Hopfen hergestellt werden, sind frei von bedenklichen Rückständen – zumindest zu dem Zeitpunkt, wo sie die Brauerei verlassen. Dementsprechend sind Bio-Biere nicht reiner und nicht gesünder. Noch ernsthafter gesagt: Man kann sich mit Bio-Bier nicht gesund saufen. Zwar hat Bier – in geringen Mengen genossen – durchaus positive gesundheitliche Wirkungen: Die Inhaltsstoffe aus der Gerste, dem Hopfen und der Hefe bilden unter anderem so genannte Antioxidantien, die dazu führen, dass Bier die „freien Radikale“ vernichtet, die mitverantwortlich für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind.

 

Bier mindert auch das Schlaganfall-Risiko – und es gibt ernst zu nehmende Studien, die darauf hindeuten, dass das im Hopfen enthaltene Xanthohumol hundertmal stärker krebshemmend wirkt als Grüner Tee und Soja, beides Naturprodukte, denen eine krebshemmende Wirkung zugeschrieben wird. Allerdings ist Xanthohumol nur in relativ bescheidenen Mengen im fertigen Bier enthalten.

 

Und die Ausrede, man müsse jetzt literweise Bier trinken, um Krebs vorzubeugen, gilt nicht – nicht mehr und nicht weniger für Bio-Biere als für konventionelle Biere, sagt Professor Manfred Walzl, Neurologe an der Landesnervenklink in Graz, der sonst voll des Lobes für die gesundheitlichen Wirkungen des Bieres ist: „Es gilt die Faustregel, die durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegt wird: Maßvoller Biergenuss bedeutet einen halben Liter für Frauen und einen Liter pro Tag für Männer. Wichtig dabei ist: über den Tag verteilt und vorzugsweise zum Essen.“

 

Biertrinken ist also in erster Linie eine Frage des Genusses – dass dieser (wie gesagt: in gewissem Maße) gesundheitsfördernd ist, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Aber vor allem kommt es doch auf den Geschmack an. Und dieser kommt bei fast allen Bio-Produkten nicht aus der umweltschonenden Produktionsweise auf dem Feld, im Stall oder im Weingarten. Ich habe das einmal mit dem bekannten deutsch-englischen Weinkritiker Stuart Pigott diskutiert, als wir bei einem Biobier zusammengesessen sind.

 

Er hat mir erzählt, dass im Weinbau auch lange Zeit gegolten hat, dass Bio-Weine anders schmecken sollten - und dass dieser „andere“ Geschmack ganz einfach ein Fehlgeschmack war. Das heißt: Fehlgeschmäcker wurden im schlimmsten Fall als Marketing-Instrument eingesetzt; in einem nicht viel besseren Fall sind sie aufgetreten, weil die Winzer zwar sehr gut an den Prinzipien ökologischen Landbaus orientiert waren, aber leider zu wenig von der Kellertechnik verstanden haben. Heute, sagte Stuart, komme so etwas kaum noch auf den Markt – beziehungsweise finde fehlerhafter Wein eben kaum Käufer, möge er auch noch so streng nach „bio“-Kriterien hergestellt sein.

 

Schaler Müsligeschmack der Siebzigerjahre

Und wie sieht das nun beim Bier aus? Jene Probe, über der wir längere Zeit philosophiert haben, war eindeutig zu wenig gehopft und hatte gleichzeitig einen breiten Malzcharakter. Man hatte den Eindruck, dass sich der Braumeister (oder war es die Marketingabteilung?) gedacht hat, dass die Markterwartung beim Attribut „bio“ irgendwie in der Nähe des Müsligeschmacks der Siebziger-Jahre läge – und daher das Bier besonders getreideartig schmecken sollte. Aber das ist, ähnlich wie beim Wein und anderem, genau das, was dem gepflegten Image der Bioprodukte schadet.

 

Tatsächlich kann man nämlich jeden Bierstil auch mit Rohstoffen vom Bio-Bauern herstellen – wenn diese verfügbar sind. Denn das erscheint als besonderes Problem: Vor allem der Hopfen ist eine aufwändig zu pflegende Kultur, auch bei konventioneller Produktionsweise gilt der alte Spruch „Der Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen.“ In der ökologischen Produktion gibt es zudem Beschränkungen für die Pflanzenschutzmittel; daher kann es einem Hopfenpflanzer passieren, dass er den Bio-Hopfen sorgsam bis in den August gepflegt hat, aber ein plötzlicher Pilz- oder Blattlausbefall die gesamte Mühe und Arbeit mit einem Schlag zunichte macht. Was den Bio-Hopfen besonders teuer macht und wiederum jene Brauer begünstigt, die meinen, dass die Bio-Konsumenten ohnehin nur mild gehopfte getreidig schmeckende Biere mögen. Nimmt man als Brauer dagegen Geld in die Hand, kann man hervorragende stilgetreue Biobiere brauen: Aber da steht dann zu recht nicht die Rohstoffqualität, sondern eben der Geschmack im Vordergrund.

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Kommentare: 1
  • #1

    Jürgen (Freitag, 05 August 2011 13:01)

    Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass Biobier schmecken soll, aber probiert habe ich es natürlich auch nocht nicht. Vielleicht werde ich das mal tun, um mir einen einen Eindruck davon zu machen.