Gute Geschäfte mit der Medizin

Der Disput zwischen Ärzten und Apothekern, wer nun Medikamente vertreiben darf, verstellt die Sicht auf die wahren Gewinner der Liberalisierung: Die Drogeriemärkte basteln eifrig daran, ihre Filialen in medizinische Kompetenzzentren zu verwandeln.

Die Amerikaner tun es. Die Deutschen können es bald tun. Und Österreich hat sich, abgesehen von radioaktiven Steckdosen, bislang noch jedem Trend angeschlossen. Lange kann es nicht mehr dauern, denn die EU drängt darauf, den Medikamentenvertrieb auch hierzulande zu liberalisieren. Die Bevölkerung soll Tabletten demnach nicht nur, wie heute üblich, in Apotheken und am Karlsplatz beziehen können. Und auch wenn sich die Pharmazeuten noch recht siegessicher geben, ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis der freie Wettbewerb das Immunsystem der apothekarischen Hoheitsansprüche infiltriert.

 

Schließlich versteht man in der Bevölkerung den „Apothekerpreis“ nicht als Auszeichnung für eine besonders gelungene Schaufensterdekoration in einer pharmazeutischen Boutique, sondern als Synonym für Hochpreisiges. Die Unzahl an Tabletten, die die Ärzteschaft ihren Patienten tagtäglich verordnet, liegt daher tonnenschwer auf den Haushaltsbudgets und treibt die Inflation noch mehr in die Höhe. Hier könnte sich sogar die OPEC noch einige Anregungen holen.

 

Umso rascher wird sich eine dem goldenen Kalb des Discounts frönende Gesellschaft davon begeistern lassen, ihre Pulverl auch woanders abzuholen. Was heute noch hinter vorgehaltener Maus aus dem Internet bestellt wird, soll bald die Regale der Drogeriemärkte zieren. Ohne lästige Umwege über Arzt oder Apotheker!

 

Bedenken hinsichtlich mangelnder oder inkompetenter Beratung kann man getrost verwerfen, denn kaum eine andere Berufssparte kennt Schmink-, Toiletten-, und Kondomverhalten ihrer Kunden so gut, wie die Damen an den DM-Kassen. Man spricht hier ungezwungen über alle Beschwerden, vom Überbein bis zum Unterleib. Traditionell chinesische Blasentees wandern dabei heute schon ebenso ungezwungen über den Kassenscanner, wie nicht ganz so traditionell chinesische Latex-Spielzeuge. Warum sollten daher nicht gerade diese Fachkräfte gleich mit dem gezielten Griff zum Valium oder zum Morphium zufriedene Kunden schaffen, die gerne wiederkommen? Schließlich bekommt man auch hier die Großpackungen zum kleinen Preis. Die Vorteilskarte ersetzt die E-Card, die Bonuspunkte das Suchtgiftrezept. Bestehen Unklarheiten, etwa vor Abgabe eines Mittels gegen ein Magengeschwür, so kann im angeschlossenen Beauty-Salon mit einer kleinen Magenspiegelung rasch Klarheit geschaffen werden. Vor der Kasse gibt es für den kleinen Hunger auch einzeln verpackte Psychopharmaka.

 

So wird es geschehen. Bis die Ärzte zurück schlagen und eine Rezeptpflicht auch für Klopapier und WC-Reiniger einfordern. Sicher ist sicher.

 

Mehr Lacher unter www.peter-teutscher.at.

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