Nachhaltiger Wintersport

Schneeschuhwandern erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Es ist die wahrscheinlich älteste Wintersportart, die Körper und Seele gut tut. Foto:El Gaucho/Fotolia.com
Schneeschuhwandern erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Es ist die wahrscheinlich älteste Wintersportart, die Körper und Seele gut tut. Foto:El Gaucho/Fotolia.com

 

Sport im Winter muss nicht unbedingt klassischer Wintersport sein. Mit etwas Vorbereitung und guter Ausrüstung gibt es in der kalten Jahreszeit zahlreiche Alternativen. Und zu körperlichem Wohlbefinden und einem aktiven Immunsystem trägt körperliche Aktivität auch unter null Grad bei.

 

Von Martin Link

In Österreich zählen sie zu den Exoten, in Deutschland wird ihre Zahl auf einige Tausend geschätzt, in Russland und Teilen Skandinaviens hingegen ist es eine Art von Volkssport: Eisbaden – eine zugegeben extreme Art, den Winter sportlich zu verbringen. Denn das Baden in Eiswasser ist eine körperliche Herausforderung, an die man sich nur langsam herantasten sollte. Eisbaden ist nichts für einen Sprung ins sprichwörtlich kalte Wasser.

 

Was Eisbaden und anderer Wintersport gemeinsam haben, ist allerdings die Tatsache, dass sich der Mensch daran gewöhnen muss – die äußeren Verhältnisse erfordern es einfach. Wer bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt läuft, der wird schnell feststellen, dass die kalte Luft in den Lungen brennt, dass die Hände kalt bleiben, der Untergrund eisig und rutschig ist.

 

Dennoch kann man sich gegen all diese winterlichen Erschwernisse wappnen und auch am Laufen in tief verschneiter Winterlandschaft Freude und Spaß haben. Wichtig ist allerdings: Der späte Herbst und der Winter an sich sind jedenfalls schlechte Zeitpunkte, um vom Coach-Potato zur Sportskanone zu mutieren. Wer aber möglicherweise bereits im Sommer begonnen hat, seine Freizeit sportlicher zu gestalten, der sollte sich von Schnee und Eis, Winter und Kälte nicht von einer Fortsetzung abhalten lassen. Ob sportliches Eislaufen, winterliches Langlaufen oder Joggen – ein entscheidender Gesundheitstipp betrifft die Atmung. „Atmen Sie immer durch die Nase“, rät die Sportmedizinerin Christiane Roick. Auf diese Weise wird die Luft vorgewärmt und reizt somit die Bronchien weniger. Eine Alternative – oder auch als Schuhlöffel zum Einstieg in moderaten Sport im Winter geeignet – ist Nordic Walking, bei dem der Oberkörper mittrainiert wird und die Gefahr geringer ist als beim Joggen, dass man auf feuchtem oder vereistem Boden stürzt.

 

Langsam beginnen und kontinuierlich steigern

Gerade für Einsteiger und Patienten mit Erkrankungen gelten Vorsichtsmaßnahmen beim Sport im Winter: So sollen Menschen mit Asthma ihre Pläne zuvor mit ihrem Hausarzt besprechen, „weil durch die körperliche Anstrengung in kalter und trockener Winterluft ein Anfall ausgelöst werden kann“, warnt Sportmedizinerin Roick. Am besten gelingt der Start, wenn man langsam beginne und sich dann Schritt für Schritt steigern würde. Ein Gradmesser für das richtige Bewegungstempo ist es, wenn man sich trotzdem noch problemlos unterhalten kann. Um einen optimalen Trianingseffekt zu erzielen, können Freizeitsportler natürlich auch im Winter auf einen Herzfrequenzmesser zurückgreifen.

 

Noch wichtiger als in der warmen Jahreszeit ist es, sich vor dem Laufen (und Langlaufen) entsprechend aufzuwärmen: „Bei Kälte werden die Muskeln schlechter durchblutet“, erläutert die Sportexpertin Christiane Roick. „Das erhöht die Gefahr von Muskelverletzungen.“ Läuft man von zu Hause weg, kann man sich sogar noch in der warmen Wohnung vorbereiten – und auch einige Dehnungsübungen machen.

 

Zwiebel-Methode hält die Kälte fern

Gerade wenn es draußen kalt ist, stellt sich die Frage nach der richtigen Bekleidung. Ähnlich wie es Hochalpinisten tun, empfiehlt sich für winterliche Outdoor-Sportler die Zweibel-Methode. „Ich nehme immer mehrere Bekleidungsschichten, finde aber, dass beispielsweise Baumwolle weniger gut geeignet ist, weil sie den Schweiß speichert und man somit auskühlt“, schildert die Winter-Dauerläuferin Franziska Sommer. Ihre Laufschuhe für den Winter sind mit einer griffigen Sohle ausgestattet. Sommer: „Und wenn

es wirklich sehr kalt ist, dann nehme ich schon einmal eine Sturmhaube.“ Wichtig – das betonen alle Laufexperten – ist auch im Winter, dass der Körper ausreichend Flüssigkeit bekommt, und zwar sowohl vor als auch nach dem Training.

 

Nun ist Laufen bekanntlich nicht jedermanns Sache – und bei unwirtlichen Bedingungen selbst für Lauffreunde mitunter eine Überwindung. Wen es also bei Schnee, Eis oder Regen so gar nicht nach draußen zieht, der muss den Winter dennoch nicht passiv verbringen. Squash, Badminton oder Tennis treiben einem auch in der Halle die Schweißperlen auf die Stirn, Kletterer können ihre Leidenschaft mittlerweile in allen möglichen Schwierigkeitsstufen auch indoor ausleben. Und selbst für Menschen, die körperliche

Einschränkungen haben, gibt es geeignete Sportarten. Medizinerin Roick: „Schwimmen schont die Gelenke und ist daher auch übergewichtigen Menschen zu empfehlen.“

 

Skifahren ist ein absoluter Klassiker unter den vielen Möglichkeiten beim Wintersport. Kein Wunder, Skifahren macht nicht nur Spaß und befreit vom Alltagsstress, sondern es tut auch der Gesundheit gut, insofern man sich an wichtige Grundlagen hält. Wer allerdings nicht auf Skipisten mit tausenden anderen Skifahrern sporteln will und gleichzeitig die Natur schützen möchte, findet auch hier Alternativen.

 

Skibergsteigen oder Skitourengehen erfreut sich in letzter Zeit etwa wachsenden Interesses. Dabei versteht man das Besteigen von Bergen auf Skiern und die Talfahrt abseits präparierter Skipisten in unverspurtem Gelände. Das ist, auch wenn es derzeit boomt, nicht neues. Die ersten Skitouren wurden zum Ende des 19. Jahrhunderts gegangen. Da es noch keine Liftanlagen gab, mussten alle Aufstiege auf Skiern in Form von Skitouren erfolgen. Heute bieten Skitouren in jedem Fall sportliche Betätigung und teilweise atemberaubende Bergerlebnisse.

 

Die größte Gefahr sind Lawinen

Allerdings ist das Ganze auch nicht ganz ohne und birgt Risiken, die man nicht unterschätzen sollte. Der Abgang von Lawinen ist die größte Gefahr für Skitouristen und wird von Urlaubern wie Einheimischen häufig unterschätzt. Bei erhöhter Lawinengefahr (schon ab Stufe 2 „mäßig“ des offiziellen Lawinenlageberichts) sind entsprechende Vorsichtsmaßnahmen (z.B. Sicherheitsabstände, Selbstbeschränkung auf Routen mit entsprechender Hangrichtung und -neigung, etc.) notwendig. Die Mitnahme eines Lawinenverschütteten-Suchgerätes („Lawinenpieps“), einer Lawinenschaufel und einer Lawinensonde (jeweils pro Person) ist bei jeder Skitour Standard. Es gibt weitere Sicherheitsausrüstungen, die noch nicht verbreitet sind und entweder die Auffindung der Verschütteten weiter erleichtern  (Lawinenball, Lawinenairbag).

 

Ausreichende Kenntnisse in Lawinenkunde, die sachgemäße Anwendung von Entscheidungsstrategien und die regelmäßig geübte Verschüttetensuche sind Voraussetzung für Touren im ungesicherten alpinen Winterbergsport. Alpenvereine und gute Tourismusbüros stellen hierfür Broschüren zur Verfügung, auch ausführliche Fachbücher sind erhältlich. Der verantwortungsvolle Tourengeher sollte allerdings sein theoretisches Wissen in einem Kurs mit praktischer Erfahrung kombinieren. Solche Kurse bieten Alpenvereine und Bergschulen oder auch Skiverbände an.

 

Nicht ganz so dramatisch, weil man es auch im leichteren Gelände machen kann, ist Schneeschuhwandern. Die Wintersportart ist wohl die älteste Fortbewegungsart im Schnee und hatte lange überhaupt nichts mit Sport zu tun.

 

Von Jägern und Sammlern übernommen

Das Wandern mit Schneeschuhen, in den schneereichen Gegenden der Erde seit der Steinzeit für Jäger und Sammler die einzig mögliche winterliche Fortbewegung, ist seit Mitte der 1990er eine beliebte Trendsportart als Alternative zum Tourenskilauf geworden. Es bietet sich in erster Linie für Menschen an, die nicht Ski fahren wollen oder können und denen es auf schnelle Abfahrten nicht ankommt. Auch hier hat es Sinn, sich bei alpinen Vereinen zuerst das nötige Fachwissen zu holen oder sich zumindest zu informieren. Führt die Tour in lawinengefährdetes Gelände, sollte grundsätzlich nicht allein gegangen werden. Zudem ist eine komplette Lawinenausrüstung wie beim Skitourengehen zu empfehlen.

 

Eislaufen ist nach wie vor ein Klassiker

Bleibt für den alternativen und ganzheitlichen Wintersport noch ein beliebter Klassiker, der sich auch in den Ballungszentren hervorragend ausüben lässt – das Eislaufen. Vor etwa 800 Jahren glitten in den Niederlanden Boten mit Eisenkufen an Holzschuhen über die zugefrorenen Kanäle und überbrachten auf diese Weise eilige Nachrichten an adelige Empfänger. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Schlittschuhlaufen zunächst zum Vergnügen des Adels und später auch zum Volkssport. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden in Großbritannien die ersten Schlittschuhvereine gegründet. Zwischen 1840 und 1875 wurde in Kanada aus verschiedenen Mannschaftssportarten das auf Schlittschuhen betriebene Eishockey entwickelt.

 

 

Der Autor: Martin Link ist Journalist mit den Schwerpunktthemen Wirtschaft, Gesundheit und Medizin. Er ist Chefredakteur der Steiermark-Redaktion der Zeitung Österreich.

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Kommentare: 1
  • #1

    Go-Vertical ( Bergführer) (Montag, 11 März 2013 13:09)

    Sehr guter Artikel,

    ich kann nur zustimmen das <a href="http://www.go-vertical.at/winter/schneeschuhwandern">Schneeschuhwandern</a> immer beliebter wird und wirklich viel Spaß macht.
    Man unterschätzt die Möglichkeiten die man hat wenn man per pede im Schnee unterwegs ist.
    Die Natur, die faszinierende Landschaft und Abgeschiedenheit belebt.
    Wir empfehlen speziell in nicht bekannten Gebieten einen <a href="http://www.go-vertical.at/" >Bergführer</a> um hier mit Sicherheit mehr Spass zu haben.

    Viel Spaß und Natur
    die <a href="http://www.go-vertical.at/sommer/hochtouren">Bergführer</a> von Go-Vertical