Bertram, die Hildegard-Würze

Diese Frau hatte sehr entschiedene Ansichten: Hildegard von Bingen, Nonne, Klostergründerin, Schriftstellerin und Heilkundige des Mittelalters. Im 12. Jahrhundert beobachtete sie die Natur und den Menschen sehr genau. Sie befasste sich mit seinen Erkrankungen und dem, womit man sie heilen konnte...

Hildegard entwickelte eine Systematik für die Menschen und ihre Konstitutionen. Dann ordnete sie jeder Befindlichkeit eine Arznei zu, die bei Störungen helfen sollte. Kräuter und Pflanzen schienen ganz selbstverständlich als natürliche Apotheke, um den Menschen von seinen Beschwerden zu heilen. Geist, Seele und Körper gehörten im Verständnis der kraftvollen Mystikerin untrennbar zusammen. Kein Wunder, dass Hildegard von Bingen heute wieder modern ist. Ihre Ideen von damals sind noch immer aktuell, wenn sie klug mit den Erkenntnissen unserer Zeit verbunden werden.

 

Bertram (anacyclus pyrethrum) ist ein neutral schmeckendes Kraut, das auch als Universalgewürz bezeichnet wird. Entsprechend vielfältig kann es auch eingesetzt werden. Wer es regelmäßig einnehmen möchte, wie es Hildegard von Bingen bei bestimmten Krankheiten empfiehlt,  kann eine Messerspitze  davon einfach auf einer Scheibe Brot – je nach Belieben mit oder ohne Butter – verteilen.

 

Bertram zählt zur Familie der Asteraceae, der Korbblütler. Was man verzehrt, ist die Wurzel, die neben Pyrethrin auch Zucker enthält. Es wurde früher als Feuerkraut bezeichnet. Bertram stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und dem Kaukasus. Die Pflanze sieht der Kamille ähnlich, wobei die Stängel, abhängig von der Blütezeit, jeder ein gelbes Körbchen  mit weißen Zungenblüten trägt und zunächst am Boden entlang wachsen bevor sie sich emporheben. Bertram wird zumeist in gemahlenem Zustand als Pulver verwendet. Mit ungemahlenem Bertram kann auch Tee gekocht werden. Bertram harmoniert mit Galgant, Ysop, Knoblauch, Petersilie und Beifuß.

 

Hildegard von Bingen hat dafür gesorgt, dass dieses mysteriöse Kraut nicht in Vergessenheit geraten ist. Laut Hildegard von Bingen wirkt Bertram blutreinigend, stärkt den Verstand und hilft gegen Verschleimungen im Kopf-Bereich wie Katarrhen und Schnupfen. Sie empfiehlt, ihn regelmäßig einzunehmen, um Krankheiten vorzubeugen, und setzt ihn auch bei Lungen und Herzleiden ein: „ Man kocht ihn mit Wacholderbeeren, zweimal so viel Wollblume und viermal so viel Bertram in gutem, reinen Wein, lässt dies darauf in einem Topfe und gibt rohen, in Stücke zerschnittenen Alant hinzu, filtriert und nimmt das Getränk zwei oder drei Wochen nüchtern und auch nach der Mahlzeit, bis man gesund ist.“

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0