Grippe und Impfen: Nicht jede Panik ist angebracht

Die Influenza-Saison ist zu Ende. Im Vergleich zu vergangenen Jahren war sie harmlos. Dabei ging heuer das im Vorjahr noch gefürchtete „Schweinegrippe-Virus“ um. Bleibt die Frage, wie sinnvoll Grippe-Impfungen sind.

Die Influenza-Saison ist laut Virologen beendet, fiel im Vergleich zu vergangenen Jahren recht harmlos aus. Was aber nicht an der Schutzimpfung liegen kann, denn die Durchimpfungsrate in Österreich liegt bei nur 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Ist die oft durch Medien verbreitete Panik also überzogen?

 

Eine Schutzimpfung sollte nicht nur vor dem Erkranken schützen, sondern in letzter Konsequenz auch die so genannte Übersterblichkeit reduzieren - die Zahl an zusätzlich durch die Influenza verursachten Todesfällen. Wie hoch diese ist, „lässt sich für Österreich nicht sagen, weil entsprechende Studien nicht durchgeführt werden“, konstatiert die Virologin Therese Popow-Kraupp, Leiterin des österreichischen Influenza-Centers der WHO. Dennoch wurde und wird von einigen Medizinern und Pharmafirmen jährlich vor bis zu 6000 Grippetoten gewarnt. Hinterfragt wurde diese Zahl nicht. Dabei hätte es sich gelohnt.

 

Denn die offiziellen Zahlen sowohl aus der Schweiz als auch aus Deutschland – erhoben vom Gesundheitsinstitut beziehungsweise Robert-Koch-Institut - weisen jeweils maximal 0,01 Prozent der Bevölkerung aus, die an der Infektionskrankheit sterben. Würden in Österreich aber 6000 Menschen sterben, wären dies 0,07 Prozent.

 

Haben Österreicher tatsächlich eine derart schwache Grundkonstitution, dass sie gleich siebenmal häufiger von der Influenza dahingerafft werden als ihre unmittelbaren Nachbarn? „Nein“, versichert Popow-Kraupp: „Die österreichischen Zahlen sind Spekulation und teils reine Panikmache. Ich glaube, dass auch wir nicht über einen Wert von 0,01 Prozent kommen.“ Das wären dann rund 800 Todesfälle pro Jahr. Damit lassen sich aber erstens schlecht Schlagzeilen schreiben, und zweitens lässt sich der Absatz an Grippemittel und Arzneien gegen Influenza-Symptome kaum steigern. Dabei ist dieses Segment für die Arzneimittelbranche äußerst lukrativ. Insgesamt dürften für Arzneien gegen Erkältungen und Influenza hierzulande jährlich mehr als 200 Millionen Euro ausgegeben werden, schätzen Marktbeobachter. Impfhonorare für Ärzte nicht eingerechnet.

 

Unabhängig davon stellt sich aber die Frage, ob eine Impfung, zu der kommendes Jahr wieder aufgerufen wird, sinnvoll ist. Und diese Frage betrifft nicht nur die Grippe: Mit jährlich insgesamt mehr als drei Millionen injizierter Impfdosen in Österreich stellt sich unweigerlich die Frage, ob das menschliche Immunsystem mit solchen Herausforderunger überhaupt fertig wird. „Aber sicher doch“, erklärt die Immunologin Beatrix Grubeck-Loebenstein, Direktorin des Instituts für Biomedizinische Alternsforschung der Akademie der Wissenschaften und Leiterin der dortigen Abteilung für Immunologie sowie Mitglied des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates in Österreich: „Das Immunsystem ist durchaus in der Lage, mit einer ganzen Reihe von Infektionen umzugehen. Und da Impfungen wie ganz leichte Infektionen sind, brauchen sich gesunde Menschen keine Gedanken machen.“

 

Zudem: Impfungen werden besser. Seit mehreren Jahren werden Konservierungsmittel, die Quecksilber enthalten, aus der Produktion entfernt. Problematische Stabilisatoren, Formaldehyd oder Antibiotika zunehmend vermieden, unhygienische Anzüchtungen der Keime auf Mäusehirnen oder Hühnerembryos durch moderne Technologien ersetzt. Dies erhöhe laut der Immunologin die Sicherheit. Freilich, betont Grubeck-Loebenstein, könnten unerwünschte Nebenwirkungen oder gar fatale Impfschäden „niemals ganz ausgeschlossen werden“.

 

 

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