"Sehr viele Diäten sind unsinnig"

Nur Ernährungsumstellung führt zum Erfolg, wenn man Gewicht verlieren, gesund bleiben und den Jojo-Effekt vermeiden will: Ganzheitsmedizinerin Sonja Schwinger erklärt Sabine Fisch, wie Hunger- und Sättigungsgefühl wieder erlernt werden können und warum gesunde Ernährung nicht teuer ist.

lebensweise: Warum sind Diäten sinnlos?

Sonja Schwinger: Im eigentlichen Sinn meint man mit Diät eine bestimmte Lebensweise, umgangssprachlich verstehen wir darunter vorgegebene Pläne zur gezielten, verminderten Kalorienzufuhr. Reduktions-Diäten zur Gewichtsabnahme funktionieren nur dann, wenn sie lebenslang eingehalten werden. Das wäre bei vielen der angebotenen Diäten nicht nur schwierig, sondern auch unsinnig und gefährlich. Unsere Essgewohnheiten erlernen wir als Kinder, indem wir sie von unseren Erziehungspersonen übernehmen. Wie wir als Kinder ernährt wurden, welchen Stellenwert die Ernährung hatte und welche Lebensmittel vorrangig auf den Tisch kamen, wird uns auch als Erwachsene unbewusst beeinflussen. Deswegen kann es schwierig sein, eingefahrene Ernährungsgewohnheiten umzustellen. Um gesund abzunehmen und langfristig das Gewicht dabei halten zu können, hilft einzig und allein eine Umstellung der Ernährung, welche auch unbewusst mit einem positiven Gefühl verbunden sein muss.

 

lebensweise: Welche Diäten können gefährlich sein?

Schwinger: Jede einseitige Ernährung schadet langfristig, weil dem Organismus damit Nährstoffe vorenthalten werden, die er braucht. Besonders abzulehnen sind Hormondiäten, bei denen – und leider sind es Ärztinnen und Ärzte, die das tun – Schwangerschaftshormone gespritzt werden und gleichzeitig eine radikale einseitige Eiweißdiät eingehalten werden muss. Aber auch Diäten, in denen ausschließlich auf Kohlenhydrate gesetzt werden, sind schädlich. Nicht zuletzt ist auch die Diskussion um fettfreie Lebensmittel zu führen. Wir brauchen Fette, etwa für die Hormonbildung oder um bestimmte Vitamine für den Organismus nutzbar zu machen. Der Fokus soll dabei auf der Zufuhr gesunder, pflanzlicher Fette und Öle mit hohem Anteil an Omega 3-Fettsäuren liegen. Tierische Fette zu reduzieren ist dagegen sinnvoll.

 

lebensweise: Was bewirken wiederholte Diäten?

Schwinger: Je nach Grundkonstitution und Bewegung benötigt ein Mensch eine bestimmte Anzahl von Kalorien. Führt er weniger zu als er braucht, ist ein Gewichtsverlust die Folge. Unser Organismus ist aber klug: Wenn er laufend weniger Treibstoff erhält als er benötigt, schaltet er in den Sparmodus. Die Folge: Sobald die Diät zu Ende ist und wieder normal gegessen wird, werden Fettdepots angelegt, es wird möglichst viel Energie gespart, um in Notzeiten darauf zurückzugreifen. Und das führt zum bekannten Jojo-Effekt. Wie ich schon sagte: Langfristig erfolgreich ist nur eine Ernährungsumstellung, die einfachste wäre etwa das Dinner-Cancelling.

 

lebensweise: Welche Rolle spielen Hunger und Sättigungsgefühl in diesem Zusammenhang?

Schwinger: Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch einen natürlichen Rhythmus aufweist, der ihm sagt, wann er hungrig und durstig ist. Durch das Überangebot an Lebensmitteln, aber auch durch Stress, die Art der Nahrungsaufnahme und nicht zuletzt durch Nahrungsmittelzusätze, die ein Heißhungergefühl vermitteln, ist dieser natürliche Rhythmus bei vielen Menschen aber in Vergessenheit geraten.

 

lebensweise: Wie kann dieser natürliche Rhythmus wieder erlernt werden?

Schwinger: Wir müssen wieder lernen, mehr in unseren Körper hineinzuhören, achtsamer mit uns umzugehen. Das  ist ein ganz wesentlicher Aspekt. Um den richtigen Rhythmus wieder zu erlernen, empfehle ich beispielsweise die Kur nach Dr. F. X. Mayr. Er war der erste Arzt, der sich die Frage nach der optimalen Gesundheit unseres Verdauungstraktes gestellt hat. Der Darm ist sozusagen unser Wurzelwerk, wenn er gesund ist, kann der Organismus das Maximum an Nährstoffen aus unserer Nahrung verstoffwechseln. Die moderne Mayr-Kur dient dazu, den Darm zu schonen, zu säubern und zu entlasten. Diese Kur ermöglicht es den Anwendern, wieder ein Gefühl für ihren Körper zu bekommen, Hunger, Durst und Sättigungsgefühle wieder zu spüren. Die Gewichtsabnahme ist dabei nur ein Nebeneffekt.

 

lebensweise: Wie kann man dem vielerorts unreflektierten Diätwahn wirksam entgegentreten?

Schwinger: Zum einen durch eine größere Achtsamkeit mit sich selbst. Wenn ich einige Kilos zu viel auf die Waage bringe und damit zufrieden bin, keine gesundheitlichen Schäden davontrage und gut damit leben kann, so brauche ich auch keine Diät. Wichtig ist aber auch der Umgang mit Ernährung. Welche Lebensmittel kaufe ich ein? Welche Lebensmittel sind gesund? Was sollte ich besser vermeiden? Gesunde Ernährung ist ja keine Last, im Gegenteil, sie schmeckt viel besser, als etwa industriell gefertigte Fertignahrung oder gar Junk-Food. Wenn man Wert auf Genuss legt, muss man eigentlich zu hochwertigen Lebensmitteln greifen. Und diese hochwertigen Lebensmittel sind auch nicht teurer als industriell gefertigte Produkte, da ich im Verhältnis einfach weniger davon benötige. Ein gutes Beispiel für gesunde, ausgewogene und schmackhafte Ernährung bietet etwa die asiatische Küche, in der Gemüse, Reis, Fisch und Obst mit viel grünem Tee die Hauptrollen spielen. Diese Küche ist einfach erlernbar, nicht teuer, schmeckt gut, tut dem Körper gut.

 

lebensweise: Was kann jede und jeder tun, um zu einem gesunden Körperbewusstsein zu gelangen?

Schwinger: Wir müssen uns stärker mit uns selbst auseinandersetzen, aber auch mit den Dingen, die wir unserem Körper zuführen. Wenn ich mein Auto betanke, nehme ich auch nicht den billigsten Fusel. Unserem Körper dagegen muten wir oft Lebensmittel zu, die zumindest bedenklich sind. Es hat Sinn, sich zu fragen: Was esse ich gern? Was ist in meiner Nahrung enthalten? Wie wurde das Produkt produziert? Sind Zusatzstoffe enthalten? Wer sich mit diesen Themen beschäftigt, wird Junk-Food irgendwann ganz von selber vermeiden wollen und ganz genussvoll auf eine gesunde Ernährung setzen.

Webtipp: www.ganzheitlichemedizin.at            

 


Zur Person: Dr. med Sonja Schwinger ist Mitglied des Österreichischen Akademischen Institutes für Ernährungsmedizin und leitet eine Praxis mit Schwerpunkt Ernährungs- und ganzheitliche Medizin. Spezialausbildungen in Akupunktur, Kinesiologie,  Homöopahtie, antroposophischer Medizin, ayurvedischer Medizin, Bachblüten-Therapie u.a.

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Kommentare: 1
  • #1

    Helga Burger (Mittwoch, 02 Oktober 2013 12:44)

    Mein Mann und ich essen nicht mehr viel, nicht mehr große Portionen, nichts fertiges, alles frisch zubereitet und Dinkel-vollkornbrot selbst gebacken und immer wieder gut. Wir lieben es. Fast keine Butter, backen tu ich nur mit Butter. Keine Margarine. Rapsöl, Pflanzenöl und unsere Blutwerte sind super. Und zu guter letzt - Bewegung! ganz wichtig. Mein Mann hat seit vorigem Jahr 30 kg abgenommen, viel Gemüse, Obst und mit Ayuvedische Gewürze kochen und backen ist wunderbar und gesund.Und uns geht es super und es geht uns nichts ab. Ich backe auch Kuchen und mache Süßspeisen, aber nur mit guten Zutaten und frisch das ist ganz wichtig.
    Auch berufstätig kann man schon einige einkaufen, vorkochen. Ich habe viele Rote-Rübensalate eingeweckt, Saures, Kompotte und jetzt noch Birnenkompott, sowie meine Oma alles machte und es schmeckt super mit der Menge Zucker die wir wollen. Und nicht mit Aspartam & Co.
    Das Leben lieben sowie es ist, ist unsere Devise.
    Liebe Grüße
    Helga Burger
    www.wals-siezenheim.at