"Bin ich traurig, dann bewege ich nichts!"

Schokolade ist sein Leben – und daraus ergeben sich täglich neue Herausforderungen. Josef Zotter über fairen Handel mit Kakao, seinen essbaren Tiergarten und warum Unternehmer auch gegen Konsuminteressen produzieren sollen.

lebensweise: Was ist ein essbarer Tiergarten?

Zotter: Wir bauen in der Steiermark einen Tiergarten mit alten, seltenen und gefährdeten Nutztierrassen. Diese Tiere leben artgerecht, verspeisen nur Gras, Heu und Getreide – und am Ende ihres Lebens kommen sie auf den Speiseplan für unsere Kantine. Auch für unsere Besucher wird es eine Auswahl von Gerichten geben. Über dem Eingang wird ein Schild angebracht, auf dem stehen wird: Kein Tier kommt hier lebend raus.

 

lebensweise: Was bezwecken Sie damit?

Zotter: Lebensmittel sind wichtig. Sie werden aber nicht mehr wertgeschätzt. Wir wollen mit unserem essbaren Tiergarten mehr Bewusstsein für den Wert von Fleisch, von Lebensmitteln überhaupt, wecken. Es ist doch einfach lächerlich: Im Supermarkt zählt nur der Preis, aber das Tier, das im Streichelzoo gehätschelt wird, darf man nicht verspeisen. Unseren Tieren geht es gut, sie leben etwa vier Jahre lang, die Jungtiere bleiben bei den Müttern solange sie wollen und sie können sich frei bewegen.

 

lebensweise: Sie sind europaweit der einzige Schokoladeproduzent, der zu hundert Prozent biologisch produziert und ausschließlich fair gehandelte Rohstoffe verwendet – warum ist Ihnen das so wichtig?

Zotter: Wie kann das unwichtig sein? Es ist doch selbstverständlich, mit Mitmenschen fair umzugehen. Und wir wollen doch alle, dass die Welt in 1000 Jahren noch funktioniert. Sie sollten lieber andere Firmen, die nicht fair und nicht ökologisch produzieren fragen, warum sie das tun! Ich will niemanden missionieren. Natürlich, ein bisschen provozieren ist nie schlecht, deswegen machen wir auch den essbaren Tiergarten. Aber es geht um mehr: Biologisch und fair gehandelte Produkte sind gut für die Produzenten, für die Erde und letztlich für die Konsumenten. Unsere Schokolade schmeckt, weil sie fair und bio produziert ist. Wir müssen von dieser Konsumgeilheit weg kommen. Geld macht nicht glücklich. Aber wenn Sie bewusst Schokolade genießen, für die kein Kind arbeiten musste, für die kein Regenwald gerodet wurde und die lecker schmeckt, das kann dann schon ein Glücksmoment sein.

 

lebensweise: Kakaobohnen sind zum Spekulationsobjekt geworden – wie stehen Sie zu diesem Thema?

Zotter: Es ist mir wurst. Ich kann mich nicht um alles kümmern. Nein, natürlich macht es mich ärgerlich und traurig, was da passiert. Aber wenn ich nur noch traurig bin, kann ich nichts bewegen. Wir versuchen, ein Vorbild zu sein – mehr geht nicht. Spekulation wird es wohl immer geben – vielleicht kommen Spekulanten ja irgendwann dahinter, dass man Geld nicht essen kann.

 

lebensweise: Was können Konsumenten gegen Kinderarbeit und umweltschädliche Produktion tun?

Zotter: Ich habe früher geglaubt, der Konsument entscheidet, was passiert. Heute sage ich, nicht der Konsument entscheidet, sondern das Unternehmen hat die Verantwortung, faire Produkte herzustellen und zu verkaufen. Unser Wirtschaftssystem und unsere Werte müssen sich ändern.

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