Die Banane ist nicht dreieckig

Wie Homöopathie auch in Extremfällen eingesetzt werden kann und warum man lieber auf Patienten anstatt auf schreiende Kritiker hören sollte, erklärt Michael Frass.

Ein Interview.

lebensweise: Seit sieben Jahren gibt es am AKH Wien eine homöopathische Ambulanz für Krebspatienten. Wie kann Homöopathie Tumorpatienten unterstützen?

Frass: Bei Krebspatienten geht es zunächst um die Verminderung von Nebenwirkungen der Chemo- oder Strahlentherapie. Das Hauptziel ist aber, die Konstitution zu stärken, dadurch die Lebensqualität zu verbessern. Daneben behandeln wir Zweiterkrankungen möglichst homöopathisch, um den Körper nicht mit zusätzlichen Pharmazeutika zu belasten. Homöopathie lässt sich auch gut einsetzen, um Körperfunktionen wiederherzustellen, die durch Krebserkrankung oder Therapie beeinträchtigt wurden.

 

lebensweise: Bevor Sie an die Onkologie wechselten, haben Sie Intensiv-Patienten homöopathisch begleitet. Wie das?

Frass: Patienten kommen meist mit schweren Organversagen auf die Intensivstation der Inneren Medizin. Aufgabe ist es dann, diese Organfunktionen zeitweilig zu ersetzen oder die Organsysteme zu unterstützen und zu warten, bis der Patient die Funktionen wieder selbst übernimmt. Nach einer ersten sehr intensiven Behandlungsphase ist es um diese Patienten oft relativ ruhig. Maschinen versehen ihren Dienst, Pflegepersonal kümmert sich um die Pflege. Gerade in dieser Phase, wo die Organfunktionen wiedererlangt werden sollen, kann man den Körper sehr gut homöopathisch unterstützen.

 

lebensweise: Welche Studien haben Sie für Ihre Homöopathie-Forschung gemacht?

Frass: Wir haben zum Beispiel untersucht, ob man die massive zähe Schleimbildung bei nikotinabhängigen Patienten mit Lungenkrankheit mit einem homöopathischen Medikament verringern kann. Das zeigte gute Erfolge und lässt sich auch in der Intensivstation sehr gut einsetzen.

 

lebensweise: Laufen weitere Studien?

Frass: In einer kleinen Studie an Patienten mit lebensbedrohlicher Sepsis konnten wir positive Effekte einer homöopathischen Behandlung sehen. Diese müsste man in einer größeren Studie noch verifizieren. Derzeit bereiten wir eine neue Studie mit Krebspatienten vor. Wir wollen herausfinden, ob man mit Homöopathie die Lebensqualität auch bei fortgeschrittenen Tumoren verbessern kann.

 

lebensweise: Was sagen Sie Kritikern?

Frass: Kritiker werfen der Homöopathie oft vor, die konventionelle Medizin verdrängen zu wollen. Darauf kann ich nur antworten: Sie behaupten, die Banane ist dreieckig. Dieser Vorwurf ist vor allem in Österreich völlig unsinnig. Homöopathen sind ausgebildete Ärzte, die ihre Grenzen kennen. Wenn eine Grenze nicht eingehalten wird, ist es immer ein Fehler des Arztes, nicht der Methode. Auch wenn ein Arzt sich entscheidet, trotz guter Erfolgsaussichten keine Komplementärmedizin anzuwenden, kann er dem Patienten schaden. Manche Patienten könnten schon gesund sein, wenn sich ihre Ärzte nicht gegen eine komplementäre Behandlung wehren würden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0