Hilfreiche Impulse

Die Angebote an Lebensberatungen gleichen einem Labyrinth, in dem Konsumenten oft die Orientierung verlieren. Berufsverbände ringen um Klarheit. Illustration:Fotolia.com
Die Angebote an Lebensberatungen gleichen einem Labyrinth, in dem Konsumenten oft die Orientierung verlieren. Berufsverbände ringen um Klarheit. Illustration:Fotolia.com

 

 

 

Für Coaching, Ernährungs- und Bewegungsberatung gibt es immer mehr Angebote und Berufsbezeichnungen. Ein Labyrinth, in dem Konsumenten oft die Orientierung verlieren, kaum noch beurteilen können, wer Qualität und Expertise bietet. Berufsverbände versuchen Klarheit zu schaffen.

Von Christian F. Freisleben-Teutscher

Mehr als 7.500 Berater bieten in Österreich kompetente Unterstützung in den Feldern Lebens-, Ernährungs- und Sportberatung. Dazu kommt eine Vielzahl selbst ernannter Experten und Coaches. „In Problem- und Entscheidungssituationen zu einer Familienberatungsstelle oder freiberuflichen Lebensberatung zu gehen ist längst kein so ein starkes Tabuthema mehr“, sagt Eva Bitzan, Vorsitzende des Berufsverbands Diplomierter Ehe-, Familien- und LebensberaterInnen Österreichs. Die Themen, mit denen Menschen oder auch Unternehmen und Teams zu einer Familien- oder Lebensberatung gehen, sind sehr vielfältig und reichen von Familienplanung, Partnerschaft, Streit in verschiedenen Beziehungssystemen, Gewalterfahrungen, Verlassensein, sexueller Erfüllung, Erziehungsfragen, Krankheit, Pflege, Tod, Neuorientierung im Leben, Berufswechsel, Teamarbeit, Mobbing, Stress bis zur Weiterentwicklung von Unternehmenskonzepten. „Es geht um alle wesentlichen Lebensfelder und die Zusammenhänge etwa zwischen Belastungen am Arbeitsplatz und Konsequenzen auf das Privatleben oder die Gesundheit“, ergänzt Haris Janisch, Fachgruppensprecher der Lebens- und SozialberaterInnen in der Wirtschaftskammer Wien.

 

Der Begriff Lebensberatung und all seine Abwandlungen in Bezug auf die unterschiedlichsten Beratungsfelder wird nach wie vor gerne, ja inflationär genutzt und manchmal sogar missbraucht. „Seit 1989 ist Lebens- und Sozialberater ein bewilligungspflichtiges Gewerbe und wurde 2002 in ein geschütztes bzw. gebundenes Gewerbe aufgewertet, für das eine genau definierte Aus- und Fortbildung absolviert werden muss“, sagt Janisch. Durch eine Gesetzesreform 2004 erlangte die klassische Lebensberatung durch die Berufsgruppen der sportwissenschaftlichen und ernährungswissenschaftlichen Berater eine Erweiterung. Janisch: „Dieses Trippel tritt seitdem für die Wohlbefindlichkeitsberatung von Menschen in ihrer Ganzheit von Körper, Psyche und sozialen Beziehungen auf.“

 

Ausbildungslehrgänge für Lebensberater werden von verschiedenen Trägervereinen und Akademien angeboten und dauern fünf bis sechs Semester – dazu kommt ein verpflichtendes Berufspraktikum von zwei bis vier Semestern. Weiters nötig sind mindestens 100 Stunden Supervision. Im Gesetz festgehalten ist nach der Ausbildung zudem eine verpflichtende jährliche Fortbildung von mindestens 16 Stunden sowie regelmäßige Supervision.

 

„Trotz dieser eigentlich klaren Rahmenbedingungen strömen immer mehr Trainer auf den Markt, die oft mit obskuren Bezeichnungen arbeiten und für Laien von den wirklichen Experten manchmal sehr schwer unterscheidbar sind“, kritisiert Janisch. Eva Bitzan betrachtet dabei ebenso den stark wachsenden Markt an verschiedensten Ausbildungsinstituten skeptisch: „Absolventen treten teils unmittelbar nach dem Ende ihrer Ausbildung selbst als Anbieter auf, können also nicht wirklich auf eine fundierte Praxis zurückgreifen.“

 

Die Wirtschaftskammer Österreich hat 2007 mit „ImpulsPro“ (www.impulspro.at) ein Gütesiegel für hoch qualifizierte Beratung geschaffen. Dabei geht es um alle Beratungsangebote in den Feldern Lebens-, Ernährungs- und Sportberatung. Voraussetzungen für die Verleihung des kostenlosen Gütesiegels sind der Vorweis der dafür notwendigen Ausbildungen. Die Ausbildung zur psychosozialen Beraterin erfordert mindestens 600 Theorie- und 750 Praxisstunden bei einem durch die Zertifizierungsstelle der WKÖ akkreditierten Anbieter. „Das heißt, dass die dort tätigen Dozentinnen, selbst mindestens fünf Jahre Praxis im Feld der Lebens- und Sozialberatung haben oder eine psychotherapeutische Grundausbildung sowie dass die Bildungsinhalte den gesetzlichen Mindestanforderungen entsprechen“, erklärt Janisch. „Gerade in den Feldern Ernährungs- und Bewegungsberatung gibt es eine schier unbegrenzte Fantasie beim Kreieren immer neuer Berufsbezeichnungen.“ Für Janisch täuscht etwa das gerne genutzte Wort „akademisch“ vor, dass jemand eine universitäre Ausbildung hat. Immer mehr Anbieter würden Teilnehmern vorgaukeln, dass eine Wochenendausbildung ausreiche, um dann als Experte für so zentrale Lebensfelder wie Ernährung und Bewegung tätig zu sein. „Dazu kommt die Verunsicherung der Personen, die nach fundierter Beratung und Unterstützung suchen“, sagt Janisch.

 

So ist die Voraussetzung für ImpulsPro im Feld Ernährungsberatung eine Grundausbildung als Diätologe oder Ernährungswissenschaftler. Für Sport und Bewegung ist es eine sportwissenschaftliche Ausbildung an einer Universität oder ein Diplomabschluss in einer zweijährigen Trainerausbildung an einer Sportakademie des Bundes. Wer bereits in einem der drei Felder tätig ist, kann ebenso um das ImpulsPro-Zertifikat ansuchen, wobei geprüft wird, wo und welche Ausbildung sowie Berufspraxis erworben wurde.

 

Janisch erhofft sich durch das neue Gütesiegel weiters, dass es ratsuchenden Einzelpersonen oder Unternehmen erleichtert wird, klarer zu unterscheiden, welche Leistungen tatsächlich hinter einem zunächst vielversprechend klingenden Begriff stehen. So wurde etwa das Wort Coaching in den vergangenen Jahren im deutschsprachigen Raum nicht nur zu einem Modewort, sondern auch zu einer Mode-Ausbildung. „Viele unzureichende Ausbildungsangebote überfluten den Markt. Es ist aber der gesamte Umfang der Lebens- und Sozialberatung erforderlich, um effizient ‚coachen‘, also betreuen und beraten zu können“, unterstreicht Janisch. ImpulsPro würde insgesamt zu mehr Klarheit beitragen und bei der Auswahl kompetenter Beratungsleistungen unterstützen.

 

Noch genauere Überprüfung der Angebote

Er kündigt an, dass die Wirtschaftskammer künftig noch genauer hinsehen wird, welche Leistungen am Markt sind. So sei etwa Aufstellungsarbeit ein Feld, das sehr gut angenommen und daher auch sehr breit von unterschiedlichsten Berufsgruppen angeboten wird - „es geht hier aber um ein heikles, hochwirksames Werkzeug, das deutlich mehr ist, als etwa irgendwelche Energieströme in neue Bahnen zu leiten. Es braucht dazu die entsprechende Grundausbildung und Selbsterfahrung.“ Öfter als bisher würde hier der Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb tätig werden, der auch die Gewerbeberechtigung entziehen kann. Für die Zukunft fordert Janisch eine konsequente Umsetzung der gesundheitspolitischen Floskeln zu den Themen Vorsorge und Prävention: „Lebensberater sind in ihren drei Tätigkeitsfeldern hoch qualifizierte Experten für die Salutogenese, sie fördern durch ihre Impulse einen gesundheitsfördernden Lebensstil oder unterstützen Gesundungsprozesse!“

 

Es sei nicht einsehbar, warum diese künftig nicht ebenso mit Krankenkassen abrechnen können wie etwa Ärztinnen und Ärzte, „vor allem im Licht der aktuellen Diskussionen des Wegs von der Kranken- zur Gesundheitskasse.“ Das würde laut Janisch auch Steuergelder sparen helfen: „Ziel einer zukünftigen Gesundheitsförderung sollte sein, die drei Berufsgruppen der Lebensberatung in ihrer wichtigsten Aufgabe zu unterstützen, die Bevölkerung zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren.

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