Nicht alternativ, sondern integrativ

Die Homöopathie ist jene komplementäre Methode, die am engsten mit der Schulmedizin zusammenarbeitet und auch unter Schulmedizinern die meiste Akzeptanz erfährt.

„Homöopathie ist eine ärztliche Methode,“ betont Klaus Connert, Referent für Komplementärmedizin an der Österreichischen Ärztekammer. „Sie wurde von einem Arzt begründet und im Wesentlichen immer von Ärzten getragen.“ Das bedeutet zwar nicht, dass alle Ärzte der Homöopathie vertrauen, erklärt aber den starken Stand dieser Methode im Gesundheitswesen. „Mittlerweile weisen auch Internisten, Gynäkologen und andere Fachärzte Patienten an Homöopathen zu“, erzählt Gloria Kozel, Allgemeinmedizinerin, Homöopathin und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin. „Sie haben Vertrauen in die Methode. Meist durch Erfahrung ihrer Patienten, die auch in homöopathischer Behandlung waren, deren Erfolg auch für Ärzte sichtbar ist.“

 

Über 600 Ärzte besitzen in Österreich das Diplom für Homöopathie der Ärztekammer. Die Ausbildung dafür dauert drei Jahre und kann nur von approbierten Ärzten absolviert werden. Wer sich also in Österreich Homöopath nennt ist gleichzeitig Schulmediziner. Und das ist gut so, meint Gloria Kozel. „Dieses Miteinander von Schulmedizin und Homöopathie ist mir immer sehr wichtig gewesen.“ Eine umfassende medizinische Ausbildung hält sie schon allein deshalb für wichtig, weil dadurch mehr Möglichkeiten der Diagnose offen stehen. „Wenn ich mich mit Homöopathie über eine Lungenentzündung traue, muss ich sehr gut ausgebildet sein. Zusätzlich muss ich für die Diagnose ein Röntgenbild interpretieren können. So kann man nicht so leicht übersehen, welche Grenzen man hat.“ Die meisten Homöopathen arbeiten in eigener Praxis – nur wenige zusätzlich in Spitalsambulanzen. Aber wenn, dann in enger Zusammenarbeit mit den Spitalsärzten.

 

Die Homöopathie beschränkt sich dabei nicht nur auf Behandlung harmloser Unpässlichkeiten. Auch Patienten mit schweren Krankheiten suchen die homöopathische Praxis auf, um Nebenwirkungen der pharmazeutischen Medikamente zu reduzieren oder um von Arzneien loszukommen. „Wenn ein Krebspatient zu mir kommt, begleite ich ihn homöopathisch. Er nimmt aber weiterhin seine verordneten Medikamente“, so Kozel. „Auch die Nebenwirkungen von Antidepressiva lassen sich mit Homöopathie in den Griff bekommen. Ich belasse zunächst alle Medikamente, wie sie verordnet wurden, und gebe eine passende homöopathische Arznei dazu. Wenn diese wirkt, kann man langsam die Psychopharmaka reduzieren. Oft können Arzneien irgendwann ganz durch Homöopathika ersetzt werden. Deshalb ist es auch gut, dass wir alle Ärzte sind. Wir müssen abschätzen können, ob wir es dem Patienten zutrauen, die Pharmaka ganz aufzugeben.“ Funktioniert das immer? „Manchmal geht das auch nicht. Darüber darf man nicht traurig sein. Mein Anspruch ist, die Nebenwirkungen zu nehmen und die Anzahl der Medikamente zu reduzieren.“

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