Wunsch mit Nebenwirkungen

Künstliche Befruchtung: Durch medizinische Technik sind dem Alter kaum noch Grenzen gesetzt. Ob es dem Körper gut tut, ist eine andere Frage. Foto:juggle33/Photoxpress.com
Künstliche Befruchtung: Durch medizinische Technik sind dem Alter kaum noch Grenzen gesetzt. Ob es dem Körper gut tut, ist eine andere Frage. Foto:juggle33/Photoxpress.com

 

Eltern sein ist schwer. Eltern zu werden mitunter eine Qual. Wie ganzheitliche Methoden schulmedizinische Kinderwunsch-Behandlungen unterstützen können und welche Nebenwirkungen diese haben.

Von Nicole Makarewicz

Um der Natur auf die Sprünge zu helfen, nehmen immer mehr Paare medizinische Hilfe in Anspruch. Doch Kinderwunschbehandlungen sind nicht nebenwirkungsfrei. Die Hormonstimulation führt zur gleichzeitigen Reifung mehrerer Eibläschen, was zu Spannungsgefühlen im Unterbauch führen kann. Durch die erhöhten Hormonspiegel kann es zu verstärkter Wasserbindung im Gewebe und zu einer damit verbundenen Gewichtszunahme kommen. Unerwünschte Effekte der hormonellen Therapie können zudem Hitzewallungen, Übelkeit, Schwindel oder Abgeschlagenheit sein.

 

Aufgrund erhöhter Hormonspiegel kann es im Zuge einer Fertilitätsbehandlung zur Entwicklung einer Thrombose (Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel) kommen. Vorbeugend wirken leichte körperliche Aktivität und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Während einer Invitrofertilisation (IVF) oder Intracytoplsamatischen Spermieninjektion (ICSI) sind die Eierstöcke vergrößert. In dieser Phase sollten körperliche Belastungen, Drehbewegungen, abrupte Bewegungsstopps und Erschütterungen vermieden werden. Auch nach der Eizellentnahme können Unterbauchbeschwerden auftreten. Da die Follikelpunktion ein operativer Eingriff ist, besteht das geringe Risiko von Blutungen, Organverletzungen, Infektionen und narkosebedingten Nebenwirkungen. Vereinzelt (weltweit etwa einmal pro Jahr) kam es zu Todesfällen in Folge der Punktion, wenn ein großes Gefäß perforiert wurde. Das größte Risiko für Mutter und Kinder sind jedoch Mehrlingsschwangerschaften. Verantwortungsvolle Ärzte übertragen deshalb pro Versuch maximal zwei Embryonen, bei jungen Frauen nur einen. „Das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften bei künstlicher Befruchtung liegt – je nach Alter der Patientin – bei etwa 25 Prozent, während es bei natürlicher Empfängnis nur bei einem von 80 Paaren zu einer Zwillingsschwangerschaft kommt“, erklärt Andrea Weghofer, Gründerin des Wiener IMI Zentrums für Kinderwunschmedizin. Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass Hormonstimulation zu einem verfrühten Eintritt der Wechseljahre führt oder ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs zur Folge hätte.

 

Nicht zu unterschätzen ist jedoch der psychische Stress. Barbara durchlebte fünf erfolglose ICSI-Versuche in eineinhalb Jahren. Sie nahm fast 20 Kilogramm zu – vor allem stress- und frustbedingt, wie sie erzählt: „Ich denke, ich bin damals in eine Art Depression gefallen. Bei jedem Versuch hoffte ich, es würde klappen, bei jedem Scheitern bin ich innerlich zusammengefallen. Ich habe meinen Körper gehasst, weil er nicht funktionierte.“ Sie litt unter extremen Stimmungsschwankungen. „Jedes Mal am ersten Tag der Regel war ich am Boden zerstört, und das Rechnen fing an, wann wir wieder einen Versuch starten konnten“, berichtet auch Johanna, bei der fünf ICSI-Behandlungen ergebnislos blieben. Eine Insemination, vier IVF-Versuche und ein Kryo-Versuch lautet auch die erfolglose Bilanz von Christina. „Meine Brüste waren überempfindlich und mein ganzer Körper schien auf Hypersensibilität eingestellt. Ich glaube aber, das lag daran, dass ich permanent nach möglichen Anzeichen einer Schwangerschaft Ausschau hielt.“ Hilfe suchte Christina bei einer Osteopathin.

 

„In der Literatur wird Entspannungstechniken und diätetischen Nahrungsergänzungsmitteln (Mikronährstofftherapie) ein gutes Zeugnis für die Fruchtbarkeitsunterstützung ausgestellt. Die Datenlage zur Akupunktur ist nicht eindeutig. Von der zusätzlichen Einnahme von pflanzlichen Hormonpräparaten während einer Kinderwunschbehandlung rate ich ab, da diese den Hormonhaushalt verändern können“, meint Weghofer.

 

Begleitende Maßnahmen helfen gut

Irene Berglund, Craniosacral-Therapeutin mit einer Ausbildung in Fruchtbarkeitsbehandlung nach Birgit Zart, betreut Paare mit Kinderwunsch – auch begleitend zur assistierten Befruchtung. Sie empfiehlt die craniosacrale Methode als begleitende Maßnahme zur Fertilitätsbehandlung. Neben der Reduzierung seelischer Belastungen unterstützt die Gewebeentspannung die Wiederherstellung der Funktion der Organe im Beckenbereich, was die Chancen einer assistierten Befruchtung erhöhen soll.

 

Als größtes Problem sieht Berglund die Entkoppelung des Aktes der Empfängnis. „Ein Kind zu empfangen ist ebenso ein körperlicher Akt wie ein komplexer seelischer Prozess. Unerfüllter Kinderwunsch erzeugt Stress, führt zu ungewollter Kinderlosigkeit, erzeugt körperliche wie seelische Verspannungen. Fertilitätsbehandlungen potenzieren den Druck, indem – je nach Behandlungsschema – die Frau in einen künstlichen Wechsel versetzt wird, bevor sie mit hochpotenten Hormongaben zu einer Superovulation stimuliert wird. Ein Kontrollverlust über die eigenen Reaktionen und Empfindungen manifestiert sich.“

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