Neue Hoffnung für alte Kulturpflanze

Hanfplantage: Die Pflanze erlebt für verschiedene Anwendungsgebiete eine revolutionäre Renaissance. Foto:Pablo Garcia Izquierdo/PhotoXpress.com
Hanfplantage: Die Pflanze erlebt für verschiedene Anwendungsgebiete eine revolutionäre Renaissance. Foto:Pablo Garcia Izquierdo/PhotoXpress.com

 

Die Maler van Gogh und Rembrandt schufen ihre Werke auf Hanfleinen, die ersten Jeans von Levi-Strauss waren aus Hanf-Textilien und ein Pionier der Automobilindustrie, Henry Ford, entwickelte 1941 ein Hanfmobil, dessen Karosserie, Armaturen, textile Ausstattung und Treibstoff aus Hanf stammten. Heute erlebt die einstige Kulturpflanze eine Renaissance und hält auch Einzug in der Medizin.

Von Christian F. Freisleben-Teutscher

Etwa 2800 Jahre vor unserer Zeitrechnung verfasste der chinesische Kaiser Shen Nung, dem auch die erstmalige Nutzung von Tee als Getränk nachgesagt wird, ein umfassendes Heilkräuterlehrbuch. Erwähnt wird darin Hanf als Mittel gegen Gicht, Rheuma, Verstopfung und Malaria. Diese Kulturpflanze wurde damals schon über 7000 Jahre lang angebaut. Nutzhanf wurde dann weltweit immer häufiger als Rohstoff für Kleidung, Taue und Takelagen für Schiffe sowie für die Herstellung von Papier genutzt.

 

Die Maler van Gogh und Rembrandt schufen ihre Werke auf Hanfleinen, die ersten Jeans von Levi-Strauss waren aus Hanf-Textilien und ein Pionier der Automobilindustrie, Henry Ford, entwickelte 1941 ein „Hanfmobil“, dessen Karosserie, Armaturen, textile Ausstattung und Treibstoff aus Hanf stammten. Hanf zählte zudem lange zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln. Besonders für den Buddhismus und Hinduismus hat Hanf bis heute zudem einen heiligen Status und wird nach wie vor zu spirituellen Riten und heilenden Zwecken eingesetzt.

 

Durch den Siegeszug der Baumwolle, neue Produkte aus der Erdöl- und Kunststoffindustrie sowie den globalen Handel mit Lebensmitteln und pharmazeutischen Produkten verlor der Hanf ab dem 19. Jahrhundert an Bedeutung. „Es gibt zwar Verschwörungstheorien, dass hauptsächlich die Suchtgiftwirkung mit dem Verbot von Hanfanbau in Europa und den USA einherging“, die Ächtung von Hanf als Suchtmittel nach dem Zweiten Weltkrieg war aber aus der Sicht von Christian R. Vogl, Professor am Institut für Ökologischen Landbau der Wiener Universität für Bodenkultur, nur ein Faktor von vielen für dessen immer geringer werdende Bedeutung.

 

Euphorie in den 90er Jahren verflog wieder

Ein Buch, das in den 1990er Jahren erschien („Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf“ von Herer und Bröckers), sowie darauf folgende Initiativen und Veranstaltungen führten zu einem Revival vor allem in Kanada und Europa: Auch in Österreich wurden in den 90er Jahren hunderte Hektar Hanf angebaut und die Hoffnungen auf eine breite Nutzung war sehr groß:

 

„In ganz Europa entstanden Projekte zum Anbau und zur Nutzung von Hanf, es wurde viel über den möglichen Einsatz von Hanf in verschiedensten Feldern geforscht.“ Diese Euphorie hielt laut Vogl aber nicht einmal zehn Jahre an. „Hanf ist im Anbau und in der Verarbeitung eine durchaus anspruchsvolle Pflanze. Sie braucht für gute Erträge beste Böden, reagiert sensibel auf Bodenverdichtungen und stauende Nässe. Weiters zeigen Erfahrungen aus dem Hanfanbau in Österreich aus den 1990erJahren, dass Hanf weder Unkraut unterdrückt, noch resistent gegen Krankheiten und Schädlinge ist und daher seine Position in der Fruchtfolge, insbesondere bei Biobauern, sorgsam zu überlegen ist.“ Die vielen Phantasien für einen nahezu allumfassenden Einsatz von Hanf hielten in den meisten Fällen der Realität und wirtschaftlichen Umsetzbarkeit nicht stand. Doch der Name ist Programm: Aus Hanfthal in Niederösterreich kommen neue spannende Impulse für die Produktion und Verarbeitung von Hanf. Zum Thema Hanfanbau hat Stefan Riegler-Nurscher, Biobauer und Hanfverarbeiter aus St. Leonhard (NÖ), eine andere Sicht: Im Vorjahr wurden bei Kooperationspartnern seines Betriebs über 400 Hektar Hanf angebaut – laut Statistik Austria sind es in Österreich gesamt 600 Hektar: „Wir haben den Hanf am Ende der Fruchtfolge plaziert, da wir einen Schwerpunkt auf die Verwertung des Samens haben. Es gibt dabei keine Probleme, außer es ist extrem nass und kalt.“ Hanf braucht aus Riegler-Nurschers Erfahrung tatsächlich keine Unkrautvernichtungsmittel, da er schnell wächst und den Boden schnell beschattet.

 

„Es geht nicht nur um den Anbau, sondern vor allem um die Technologie, welche für Ernte und Verarbeitung von Hanf nötig ist – darum wird die Nachfrage im Bereich der Textilien aktuell vor allem aus Ländern mit niedrigen Lohn- und auch Umweltstandards gedeckt“, sagt Vogl. Das größte Problem beim Hanf ist für ihn weniger die Realisierbarkeit des regionalen Anbaus als die technisch herausfordernde Verarbeitung vor Ort; und: „Es geht letztlich darum, den Hanf vom Feld wegzubringen, zu verarbeiten und zu verkaufen.“ Eine wichtige offene Frage für die Weiterentwicklung der Nutzung von Hanf ist, wie sich der Trend zu Rohstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen – zum Beispiel für Naturtextilien – weiter entwickelt. „Bislang ist dies leider kaum mehr als ein Randphänomen“, bedauert Vogl.

 

Dorf verschreibt sich ganz dem Hanf

Grundsätzlich gibt Johann Schmidt dem Boku-Experten recht: „Momentan gibt es nur einige wenige Enthusiasten, die sich intensiver mit den Themen Hanfproduktion und -verarbeitung beschäftigen.“ Das könnte sich aber schon bald ändern. Schmidt ist Projektleiter der Dorfgemeinschaft Hanfthal – etwas mehr als 600 Menschen leben und arbeiten hier im nördlichen Weinviertel. Einige von ihnen haben sich ganz dem Hanf als Kultur- und Nutzpflanze verschrieben und stehen in Verbindung zu den weltweit wichtigsten Hanfexperten. 2010 gab es dort im Rahmen eines EU-Projektes ein grenzüberschreitendes Hanf-Treffen.

 

Im Februar startete in Kooperation mit der südmährischen Wirtschaftskammer eine grenzüberschreitende Informations-Initiative über die Kulturpflanze Hanf. In Hanfthal gibt es inzwischen auch ein Hanfentwicklungszentrum, ein Hanfmuseum, einen Hanf-Erlebniswanderweg und Hanfgastwirte.

 

Besonders stolz ist Schmidt aber auf die Ergebnisse der fünfjährigen Forschungs- und Entwicklungsarbeit der „Hanfstrohverwertungs GmbH“: „Entwickelt wurde eine Technik, mit der am Feld selber die Fasern vom Schäben, also dem Holzanteil des Hanfs, getrennt werden kann“, erklärt er. Bislang war dies nur in großen, spezialisierten Verarbeitungsanlagen möglich, von denen viele nach dem Boom in den 1990ern ihre Tore wieder schlossen. Damit, so ist Schmidt felsenfest überzeugt, steht ein Re-Revival der uralten Kulturpflanze unmittelbar ins Haus. Er verweist dazu auch auf spannende Kooperationen mit Unternehmen, die Hanf in unterschiedlichsten Feldern einsetzen. Hanf sei ein zunehmend beliebter Dämmstoff und kommt in Spanplatten zum Einsatz, in Kombination mit Lehm Schall- und Fußbodendämmung sowie als Untergrund zur Verlegung schwimmender Fußböden. Auch im wachsenden Feld der Biokunststoffe, etwa in der Automobilindustrie, wird wieder mit Hanf gearbeitet, zum Beispiel für Türverkleidungen und Pressteile. Mit der neuen Verarbeitungstechnologie sei Hanf zudem auch wieder für die Papierindustrie ein sehr interessanter Rohstoff. Viel Potential sieht Schmidt zudem im Bereich der Naturtextilien, vor allem auch wegen des vergleichsweise hohen Anteils an Wasserverbrauch beim Anbau von Baumwolle.

 

Anbauflächen nehmen wieder zu

Schmidt erwartet sich, dass der Anteil der Hanf–anbauflächen in den Jahren exponentiell ansteigen wird. Er hofft, dass „Hanf wieder die Lobby bekommt, die es verdient.“ Für Riegler-Nurscher nötig ist dabei auch eine Änderung der Förderungspolitik bei Ökodämmstoffen - „in Deutschland zum Beispiel wurde das konsequent gefördert und es gibt bereits einige Firmen, die sich auf Dämmstoffe mit Hanf spezialisiert haben, die wir auch beliefern.“

 

 

Hanf, ein kostbares, gesundes Lebensmittel

 

Ausgesäht wird Hanf hierzulande im April und Mai, geerntet im September. Hanf verbessert und lockert aufgrund seiner tief verzweigten Wurzeln die Böden, unterdrückt durch sein rasches Wachstum Unkraut und ist eine gute Vorfrucht. Hanf benötigt laut Christian R. Vogl, Professor am Institut für Ökologischen Landbau der Wiener Universität für Bodenkultur, für gute Erträge allerdings beste Böden.

 

Hanfsamen sind reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen. 100 g Hanfsamen decken nahezu den Tagesbedarf an Vitamin B1 und B2, Calcium, Magnesium, Kalium und Eisen. Dazu kommt ein ausgewogenes Verhältnis der Omega 3- zu Omega 6-Fettsäuren. Auch für die Ernährung von Vegetariern ist Hanf aufgrund seiner idealen Proteinzusammensetzung eine interessante Alternative zu Sojaprodukten. Inzwischen wird Hanf auch zur Produktion von Getränken eingesetzt, etwa von Hanfmilch, ebenso eine österreichische Innovation.

 

Hanföl enthält nicht nur einen hohen Anteil an Linol- und Linolensäure sondern auch Physoterine, die einen cholesterinsenkenden Effekt haben, weiters Vitamin E, das hier das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs senkt. Hanföl hat zudem schmerzlindernde Eigenschaften, Symptome bei Hauterkrankungen werden ebenso abgeschwächt.

 

Hanföl eignet sich zum Dämpfen und Dünsten oder kann über die fertig gegarten Speisen gegossen werden. Es passt sehr gut in Salatdressings, zu Marinaden, Dips oder in Smoothies. 

 

Hanfblätter können für Tees verwendet werden oder auch zur Herstellung von Bier. Der hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren macht Hanf auch ideal als Rohstoff für Hautpflegeprodukte

 

WebTipps:

www.hanfthal.at

www.hanfwelt.at

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