Belebtes Wasser - die Fakten

Wem das Leitungswasser zu abgestanden schmeckt, wer sich über Rückstände und Korrosionen im Leitungssystem ärgert, der überlegt sich vielleicht, seinem Wasser etwas neue Energie zuzuführen. Zum Beispiel mit einem speziellen Edelstein in der Karaffe, durch Umrühren mit einem Belebungsstift oder gar durch so genanntes Informationswasser, an dem das Leitungswasser nur vorbeifließen muss, um sich wieder an seine ursprüngliche Quellwasserqualität zu erinnern. Gibt es das? Lässt sich Wasser ohne chemische Zusätze verändern? Hat Wasser gar ein Gedächtnis, wie manche behaupten?

Die Urteile der meisten offiziellen Untersuchungen so genannten belebten Wassers meinen, nein. Sie nennen es wirkungslos oder esoterischen, parawissenschaftlichen Unfug. Unter besonders scharfer Beobachtung steht das weltweit erfolgreich vertriebene Grander-Wasser. Das Unternehmen des Tiroler Originals Johann Grander erfreut sich allen Negativmeldungen zum Trotz einer wachsenden Anhängerschaft. Doch auch Grander kann - oder will - nicht erklären, wie seine Technologie funktioniert. Ihm genügt, dass sie funktioniert.

 

Physikalische Messgeräte messen Oberflächenspannung, Leitfähigkeit, Wasserhärte, ph-Wert ... und finden keinen Unterschied zum Leitungswasser. Doch Anwender bemerken einen gewaltigen Unterschied. Dass das belebte oder energetisierte Wasser besser schmecken soll, lässt sich gut durch Einbildung und Wunschdenken erklären. Wie aber erklärt sich die Tatsache, dass Hallenbadbetreiber, Landwirtschafts- und Industriebetriebe begeistert von ganz objektiv messbaren Auswirkungen berichten? Kühlsysteme funktionieren plötzlich ohne den Zusatz von Chemikalien, Schwimmbäder brauchen nur noch Bruchteile der bisherigen Chlormenge, Waschanlagen kommen mit signifikant weniger Waschmittel aus.

 

Hat Wasser vielleicht noch andere Eigenschaften als jene, die wir aus Physik, Chemie und Biologie kennen? Allen Wasserenergetisierern ist gemeinsam, dass sie von einer Informations- oder Schwingungsübertragung sprechen. Diese versprechen, dass von ihren Edelsteinen oder von mit Chakren-Energie aufgeladenen Krügen positive Energien auf das Trinkwasser übertragen werden. Jene investieren auch ein Maß an technischer Entwicklung und sprechen vom „Informationswasser höherer Ordnung”, das das abgestumpfte Leitungswasser wieder beleben soll – ohne, dass die beiden in Berührung kommen. Ähnlich wie ein Magnet ohne Berührung Kraft ausübt. Diese höhere Ordnung des Wassers ließ sich bisher nicht physikalisch nachweisen, sondern höchstens an ihren Auswirkungen auf Tiere, Menschen, Pflanzen und Maschinen beurteilen.

 

Um dieses Rätsel zu lösen, braucht es offensichtlich neue Konzepte. Der Japaner Masaru Emoto wollte nachweisen, dass Wasser Emotionen speichern könne, indem er es unterschiedlichen Musikstücken aussetzte und daraufhin dessen Kristallbildung beurteilte. Ähnliche Versuche finden am Stuttgarter Institut für Luft- und Raumfahrtkonstruktionen statt. Diese Studien kranken jedoch meist an unzureichendem wissenschaftlichen Aufbau und landen in der esoterischen Parawissenschaft – und mit ihnen meist gleich die gesamte Wasserbeleberei.

 

Mehr wissenschaftliche Glaubwürdigkeit erhält Eshel Ben-Jacob vom Institut für Physik und Astronomie an der Universität Tel Aviv. Er erforscht die Intelligenz von Bakterien und ist überzeugt, dass Bakterien als biologisches Messsystem viel genauere Ergebnisse liefern als jedes physikalische Messgerät. Besonders interessant ist seine aktuelle Forschung zur Komplexität des Wassers. Er entdeckte, dass eine Bestrahlung mit Hochfrequenz im Wasser ein Netzwerk von Nanobläschen in spezieller hierarchischer Organisation herstellt. Daraus schließt er, dass es „eine mehrskalige Ordnung von Wasser geben könnte, die von Nanopartikeln erzeugt wird. Wenn sie existiert, kann eine solche Ordnung im natürlichen Wasser signifikante und weitreichende Auswirkungen auf chemische und biologische Prozesse haben”. (saun)

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