Vorsorge beginnt mitten im Leben

Die Tageszeitungen pfeifen es schon von den Dächern: Die Österreicher sind Vorsorgemuffel, die gut gemeinten Angebote wären ein Flop. Ursächlich wohl nicht zuletzt: Das Reparatur-Interesse der Ärzte.

Wer bringt sein Auto schon gerne in die Werkstatt, wenn es noch problemlos läuft? Schließlich hat der Mechaniker ernsthaftes Interesse daran, möglichst viele zu behebende Schäden am – an sich noch brav schnurrenden – Fahrzeug zu finden. Ähnlich ist es bei uns Ärzten. Denn womit verdienen wir unser Geld? Doch nicht damit, dass die Menschen lange gesund sind – auch wenn wir das gerne behaupten.

 

Der Verdacht, dass gesunde Personen und somit auch zukünftige Patienten so lange unter die Lupe genommen werden, bis sie letztendlich doch nicht mehr so gesund sind, lässt viele Menschen diesem Angebot fernbleiben. Schließlich muss man nur genau genug mit einem gefinkelten Gerät auf irgendeine Körperstelle hinleuchten, um das eine oder andere zu entfernende Futzerl zu finden.

 

So müssen wir uns von jeglichem Verdacht der Befangenheit befreien, um an die vorsorgemuffelnden Patienten zu kommen. Eine unabhängige Begutachtungsstelle ohne Reparatur-Interesse einzurichten, wäre daher durchaus sinnvoll. Wenn ÖAMTC und ARBÖ unsere Autos weitgehend objektiv betrachten, so müsste ähnliches auch in der Medizin funktionieren.

 

In erster Linie sollte es daher nicht den Ärzten überlassen werden, darüber zu entscheiden, ob jemand zu behandeln ist oder nicht. Dies wäre ein zu großer Interessenskonflikt. Das Vertrauen der Bevölkerung können wir erst dann wieder gewinnen, wenn wir nicht uns selbst unsere Patienten zuweisen, sondern Vertrauenspersonen damit beauftragen, die tagtäglich mit unseren Patienten zu tun haben. Hinsichtlich Cholesterin-Abusus eines Patienten können etwa geschulte Bäcker und Konditoren einiges zur Aufklärung beitragen. Ein entsprechend ausgebildeter Oberkellner darf einen Gast sogar anschnauzen, er möge sich mit diesem unangenehmen Husten gefälligst in ärztliche Behandlung begeben. Der so Gescholtene wird artig und ohne Umwege medizinische Hilfe aufsuchen.

 

Die Menschen kennen einander oft weitaus besser, als wir Ärzte: Fußpfleger, Bademeister oder Prostituierte wissen um medizinische Details, die unsereins nicht gleich offenbart werden. Über psychische Auffälligkeiten können Polizisten, Lehrer (beziehungsweise Schüler) oder auch Billa-Verkäufer bereits in vorklinischen Stadien berichten.

 

Kurz gesagt: Vorsorge beginnt nicht in der Ordination, sondern mitten im Leben. Hier müssen wir Kompetenzen abgeben. Dafür dürfen wir in Zukunft aber auch mitentscheiden, ob eine Zylinderkopfdichtung wirklich schon ausgetauscht werden muss.

 

 

Mehr Lacher unter www.peter-teutscher.at

Tipp: Ronny Tekal-Teutscher und Norbert Peter sind derzeit wieder mit ihrem Kabarettprogramm  „Nachtdienst“ in Österreich auf Tournee.

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