Stevia vor Zulassung

Stevia ist bis zu 300 Mal süßer als herkömmlicher Zucker. Mit der noch heuer geplanten EU-Zulassung bekommen Süßstoffe Konkurrenz.

Stevia rebaudiana, auch Süßkraut, Süßblatt oder Honigkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Stevien in der Familie der Korbblütler. Die Pflanze wird schon seit Jahrhunderten als Süßstoff verwendet, ist aber in der EU einstweilen nur in Frankreich als Lebensmittelzusatz zugelassen. Am 14.April 2010 wurde jedoch von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit eine positive Bewertung der Sicherheit veröffentlicht. War Stevia bisher in Österreich nur als Badezusatz in Bioläden erhältlich, so wird es wohl bis Jahresende als Lebensmittelzusatz in der ganzen EU zugelassen werden. Die Mitgliedsländer haben nämlich kürzlich einen entsprechenden Vorschlag der Eu-Kommission abgesegnet, nun muss noch das Europaparlament zustimmen.

 

Die Pflanze stammt ursprünglich aus Paraguay in Südamerika. Seit Jahrhunderten wird Stevia schon von der indigenen Bevölkerung Brasiliens und Paraguays als Süßstoff und Medizin verwendet. Die Europäer lernten Stevia im 16.Jahrhundert kennen, als die spanischen Konquistadoren darüber berichteten, dass die südamerikanische Bevölkerung die Blätter einer Pflanze benutze, um Kräutertee zu süßen. Wissenschaftlich untersucht wurde die Pflanze erstmals um 1888 durch den aus dem Tessin nach Paraguay ausgewanderten Botaniker Moisés Santiago Bertoni.

 

Ohne Frosteinwirkung ist die Pflanze in Paraguay vier bis sechs Jahre nutzbar. Anderswo müssen Stevia-Kulturen aufgrund der fehlenden Frosthärte jedes Jahr neu angelegt werden. In Anbauversuchen wurden Erträge von 1000 Kilogramm pro Hektar erreicht, aus denen 60 Kilogramm Stevia-Pulver als Süßstoff extrahiert werden konnten.

 

Im Vergleich zum Rübenzucker sind Stevia-Blätter 30 Mal, und der darin enthaltene süßende Stoff, Steviosid, ist in reiner Form sogar 150 bis 300 Mal süßer. Dabei enthält das Blatt nur ein 300stel der Kalorien wie die gleiche Menge an Haushaltszucker. Der Vorteil von Stevia gegenüber dem Süßstoff Aspartam ist, dass er ausreichend temperaturstabil ist und daher auch zum Backen und Kochen verwendet werden kann.

 

Man stellte in den Blättern der Stevia über 100 pflanzliche Wirkstoffe fest. Diese gehören vor allem zu den Gruppen der Terpene und Flavonoide. In Studien konnten blutdrucksenkende, blutzuckersenkende, antimikrobielle und gefäßerweiternde Eigenschaften beobachtet werden. Stevia ist auch für Diabetiker geeignet und erhöht den Blutzuckerspiegel nicht. Sie hat eine plaquehemmende Wirkung und ist darum vorbeugend gegen Karies also zahnfreundlich.

 

Die Mutagenität des Abbauprodukts von Steviosid, Steviol, ist umstritten. In einigen Studien wurden fruchtschädigende und mutagene Wirkungen in Hamstern und Ratten beschrieben, nicht jedoch bei Menschen. Die schädigende Wirkung in den Studien wird auf Überdosierung zurückgeführt.

 

(fei)

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