Kampf gegen das Bienensterben

Bienenzüchter und Umweltschützer schlagen Alarm: Für eine begrenzte Zeit darf auf deutschen Äckern wieder das Bienengift Clothianidin ausgebracht werden. Das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat bis Mitte Juli eine Ausnahmegenehmigung erteilt. In Österreich gibt es eine Studie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, die Zusammenhänge bestätigt. Ein Verbot wird diskutiert.

Europaweit läuft derzeit eine große Unterschriftenkampagne des Netzwerkes Avaaz.org, die bei der Jahreshauptversammlung des deutschen Chemiekonzerns Bayer für öffentlichen Druck sorgen soll, die Produktion von bestimmten Pestiziden zu stoppen. Der Hintergrund: Neonicotinoide mit den Wirkstoffen Thiamethoxam, Clothianidin oder Imidacloprid sollen den Drahtwurm beseitigen, der Maiswurzeln zerfrisst. Für eine begrenzte Zeit darf auf deutschen Äckern wieder das für Bienen hochgefährliche Pflanzenschutzmittel Clothianidin verwendet werden. Imker und Naturschützer protestieren - und sehen auch den deutschen Pharmakonzern Bayer als Hersteller in der Pflicht. Sie werfen dem Konzern vor, sich stark dafür einzusetzen, die Gifte auf dem Markt zu lassen.

 

Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) hat das Bienensterben der Jahre 2009 bis 2011 wissenschaftlich untersucht. Konkret ging es um die Behandlung von Mais-Saatgut mit hochwirksamen Insektiziden, sogenannten Neonicotinoiden. „2011 enthielten 70 Prozent der von den Imkern eingesandten Proben toter Bienen aus der Steiermark Clothianidin, während Imidacloprid in 30 Prozent der burgenländischen und 22 Prozent der oberösterreichischen Proben nachgewiesen werden konnte. Das Argument der Pharma-Lobby, die vor allem bei konservativen EU-Politikern immer noch auf Gehör stößt, diese Insektizide hätten keine negativen Folgen für die Bienen, ist damit auch wissenschaftlich entkräftet“, sagt SPÖ-Europaabgeordnete Karin, Mitglied im zuständigen Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments. Sie fordert nun von der EU-Kommission konkrete Aktionspläne.

 

Auch die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 verweist auf die so genannte MELISSA-Studie der AGES und zitiert aus der Presseaussendung der AGES vom 3. April 2012: „Es gibt einen unbestrittenen Zusammenhang zwischen Bienenverlusten und insektizidgebeiztem Saatgut." Vermutet wurde das von den Imkern schon lange.

 

Nach der Kritik aus Österreich prüft übrigens der EU-Ombudsmann, ob die Kommission genug gegen die höhere Bienen-Sterblichkeit unternimmt. Die österreichische Volksanwaltschaft hatte sich beschwert, dass es die Kommission verabsäumt habe, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. Die Behörde hat eine Reihe von Neonicotinoiden zugelassen. Die Verordnung sieht eine Überprüfungsmöglichkeit für die Zulassung vor, wenn neue Erkenntnisse Grund zur Annahme geben, dass sie die Zulassungs-Kriterien nicht länger erfüllen, weil sie z. B. Gesundheitsschäden bei Tieren auslösen. In Österreich verhandeln alle Parlamentsparteien derzeit über einen gemeinsamen Antrag, der vom Totalverbot mit Einzelausnahmen bis hin zur Abgeltung von wirtschaftlichen Schäden, die entweder den Imkern beziehungsweise den Maisbauern entstehen, reichen kann.

 

Die lebensweise hat bereits in der ersten Ausgabe über das Thema Honig und die gesundheitlichen WIrkungen berichtet. Mehr unter: Honig - Gesundheit schmeckt süß

 

Hier auch noch ein Link zu einem Artikel der Süddeutschen Zeitung zum Thema.

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sonja (Dienstag, 12 Februar 2013 19:18)

    Ich unterstütze die fleissigen kleinen,süßen Brummer gern mit meiner Stimme-ich verachte die skrupellose Agrarindustrie die nur auf ihren eigenen Profit aus ist und sich einen Dreck um die Auswirkungen auf uns alle schert!!!.Die armen Tiere können sich nicht wehren-tun wir etwas.jede Stimme zählt!!

  • #2

    marie (Freitag, 15 März 2013 19:07)

    hab grad auf orf2 in konkret gehört, dass es heute abstimmung in brüssel gab und die österr. politiker für den weiteren einsatz der neonikotinoide-pestizide gestimmt haben ... ich hab aufgehört mich zu fragen was in diesen hohlbirnen vorgeht ... naja im september sind wahlen und da werden sie hoffentich die rechnung präsentiert bekommen...