Tapen: Eselsbrücke für müde Muskeln

Foto: Photoxpress.com
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Das Kinesio-Tape erinnert den Muskel an den richtigen Bewegungsablauf. Es hilft Sportlern und lindert auch verschiedene Beschwerden.

Wir wollen nicht sagen, dass die Italiener den Einzug ins Finale der Fußball-EM 2012 drei blauen Streifen auf Mario Balotellis Rücken schulden - Tatsache aber ist, dass der Torschütze Kinesio-Tapes trug, als er Deutschland ins Jammertal schoss. Die bunten Klebebänder, in den 70ern vom Japaner Kenzo Kase entwickelt, gibt es nicht nur für Fußballer. „Tennisellbogen, Knöchel, instabile Schultern oder Schmerzen in der Lendenwirbelsäule“, zählen Maria Kormann und Barbara Gödl-Purrer, Physiotherapeutinnen und Lehrende der Fachhochschule Joanneum, die Einsatzgebiete auf. Auch bei Regelbeschwerden kann das Tape helfen.

 

Wie es funktioniert? Die Hauptwirkung erfolgt über die Haut, die Hautrezeptoren werden über den Zug des Tapes aktiviert. So verbessern sich Durchblutung und Lymphfluss, aber das Klebeband dient auch als Erinnerungs-Tape. „Durch das Tape wird der Muskel daran erinnert, was er tun muss“, sagt Kormann. So können Haltungsschäden ausgeglichen werden, da das Tape ans aufrechte Sitzen erinnert. Die Studienlage rund um das Kinesio-Taping ist bescheiden und nicht immer positiv, aus der Praxis wissen die Therapeutinnen aber, dass die meisten Patienten gut darauf ansprechen. Es gibt sogar eine Tape-Anlage, die bei Tinnitus helfen kann. „Nicht heilen, aber Verspannungen lösen und so Symptome mildern“, sagt Kormann. Wichtig ist, dass man sich von Profis tapen lässt, die eine spezielle Ausbildung und ein Zertifikat haben. Die Wirkung, von der viele Anwender immer wieder berichten, ist aber wissenschaftlich nicht erwiesen.

Zwei Tape-Arten gibt es: Das klassische Tape besteht aus unelastischen 20 bis 50 Millimeter breiten, klebenden Binden. „Sie sind wie Textilklebeband, nur mit einem hautverträglichen Kleber“, erklärt der Sportarzt Ingo Tusk. Die bunten, sogenannten Kinesio-Tapes sind dagegen längs-beziehungsweise querelastisch und 40 bis 200 Millimeter breit. Das klassische Taping dient laut Tusk dazu, Gelenke zu fixieren oder angerissene Bänder zu stabilisieren, ohne die Beweglichkeit allzu stark einzuschränken.

 

Man unterscheidet vier Anwendungsbereiche: Das präventive Taping ist eine „reine Schutzmaßnahme“. Das prophylaktische Taping dagegen soll bei schon vorhandenen Verschleißerscheinungen die Verletzungsgefahr senken. Der schnelleren Heilung dient das therapeutische Taping. Das rehabilitative Taping soll helfen, eine erneute Verletzung derselben Stelle zu vermeiden.

 

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