Verbrennen statt essen?

Die Debatte über den angeblichen Biotreibstoff Bioethanol und die auch für Österreich geplante Beimischung zu herkömmlichen Benzin (Treibstoff „E10“) schlägt angesichts der steigenden Nahrungsmittelpreise hohe Wellen. Klimawandel, Nahrungsmittel-Spekulationen und nicht zuletzt die lukrativere Verwendung von Getreide für Treibstoff statt als Lebensmittel trieben die Lebensmittelpreise derzeit nach oben. Was steckt hinter der Debatte?

Die verheerende Dürre vor allem in den USA lässt derzeit die Lebensmittelpreise explodieren. Die Vereinten Nationen warnen bereits vor einer neuen Hungerkrise. Doch an Warenterminbörsen wird gerade jetzt in Agrar-Rohstoffe investiert, um von den steigenden Preisen zu profitieren. „Da durch die Ernteausfälle die Preise ohnehin steigen, muss jede zusätzliche Verteuerung durch Spekulationen verhindert werden“, kritisiert die deutsche Verbraucherorganisation „foodwatch“ und fordert: „Die Deutsche Bank, als eine der größten Investmentbanken der Welt, muss mit gutem Beispiel vorangehen und aus den unmoralischen Geschäften aussteigen.“ „foodwatch“ hat deshalb eine Unterschriftenaktion gegen die Bank gestartet: www.foodwatch.de/aktion-deutschebank

 

Doch das ist nicht das einzige Problem mit Lebensmittelpreisen: Greenpeace ruft etwa Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) dringend dazu auf, die geplante Erhöhung der Bioethanol-Beimischungsquote (auf 10 Prozent) auf Eis zu legen. „Die geplante Erhöhung ist rücksichtslos, ignoriert die negativen Folgen und muss gestoppt werden", sagt Greenpeace-Sprecher Jurrien Westerhof. Das Problem sei, dass die negativen Konsequenzen viel zu wenig berücksichtigt werden. Die weltweite Agrarlandfläche ist rückläufig. Wird durch Biosprit die Nachfrage nach Rohstoffen erhöht, dann führte das unter anderem dazu, dass Wälder gerodet werden, um Platz für beispielsweise Zuckerrohr- oder Palmölplantagen zu machen.

 

Die ursprüngliche Idee hinter der Biosprit-Produktion war, die Agrarpreise auf einem fairen Niveau zu halten und Bauern ein angemessenes Einkommen zu bieten. Dazu sollten die Überschüsse vom Markt genommen und zu Sprit verarbeitet werden. Greenpeace-Sprecher Westerhof bemängelt jedoch die Umsetzung: „Es braucht dringend eine grundlegende Änderung der Biosprit-Politik. Derzeit muss eine fixe Quote erfüllt werden - egal ob es Überschüsse oder Knappheit gibt. Stattdessen müssten die Quoten am Rohstoff-Angebot angepasst werden."

 

Weiterhin ruft Greenpeace dazu auf, zuerst beim Sprit-Bedarf der Autos anzusetzen. „Ein 3-Liter-Auto ist schon längst möglich, aber es gibt sie kaum auf den Straßen. Erst wenn unsere Autos deutlich sparsamer werden und der Treibstoffbedarf zurückgeht, kann man über höhere Biosprit-Anteile nachdenken.“ In Deutschland fordert auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) einen E10-Stopp. In Deutschland werde jährlich aus etwa 1,5 Millionen Tonnen Getreide Ethanol hergestellt. Zusätzlich importiere Deutschland rund die Hälfte des eingesetzten Ethanols aus dem Ausland. Insofern entlastet tatsächlich ein E10-Verbot den Getreidemarkt. Ähnlich in den USA, wo die aktuelle Dürre die Lebensmittelpreise explodieren lässt: Allein in den USA landen 40 Prozent der Maisproduktion im Tank.

 

Die Vorräte an Getreide sind laut Weltgetreiderat in den vergangenen Jahren drastisch geschmolzen, von 175 Millionen Tonnen 2010 auf aktuell nur noch etwa 100 Millionen Tonnen. Weltweit aber werden inzwischen 150 Millionen Tonnen Getreide jährlich zu Ethanol verarbeitet. Gäbe es also die Ethanolerzeugung nicht, wären die Getreidelager sehr gut gefüllt und es gäbe keine Knappheit.

 

Interessante Infos dazu auch unter

http://derstandard.at/1343744997829/Ethanol-fahren-statt-essen

 

Österreichs Banken steigen aus Agrar-Spekulationen aus:

http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/1279646/Banken-kappen-Agrarspekulationen?_vl_backlink=/home/index.do

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Resch Sonja (Sonntag, 26 August 2012 16:28)

    Welch Hirn- und Herzloses Vorgehen,LEBENS-mittel
    für Sprit zu missbrauchen-seihen wir doch froh wenn wir alle(?)genug zu beissen haben -es gibt genügend andere umweltgerechtere Möglichkeiten mobil zu bleiben nur die Wirtschaft spiel da nicht mit,weil so manche gute!Idee zu wenig Cash bringt -dann schon lieber gegen jede (ethische) Vernunft -damit die "Bilanz" für ein paar wenige Absahner stimmt -pfui!
    Weg vom ewigen mehr haben wollen und müssen wäre gesund für uns alle!