Medizin ist einfach geil

Während der mühsam über die Jahrzehnte hochgezüchtete Renten-Fanklub in den Ordinationen seinen persönlichen Hausarzt bejubelt, ist eine solche Begeisterung bei der jungen Patientengeneration nicht so einfach zu entfachen.

 

Nach dem Prinzip einer Dienstleistung werden in der Praxis Krankenstandsmeldungen, Reiseimpfungen und Tabletten konsumiert. Der Nimbus des Onkel Doktors, der Zauber des Gesprächs, die Verzückung beim hostienähnlichen Empfang eines Medikaments – damit kann die Jugend wenig anfangen. Die Jungen, von manchen Seiten auch als „Generation Wurscht“ verschrien, hören sich zwar geduldig unsere Ermahnungen an, denken jedoch nicht im Entferntesten daran, Konsequenzen aus dem Gesagten zu ziehen.

Dies ist einerseits sympathisch, denn eine nicht auf Autoritäten hörende Generation hat durchaus etwas für sich. Es stellt sich jedoch die Frage, wie man unsere wertvollen medizinischen Hinweise dennoch in die Köpfe der Kids bringt und die Compliance steigert. Dazu müssen wir mit der Zeit gehen und deren Lieblingsspielzeuge zu Hilfe ziehen: Broschüren haben ausgedient, ohne App läuft nichts mehr. Und einem geilen Ratschlag auf einem Smartphone schenkt man mehr Beachtung als einem langweiligen Mediziner.

Ein guter Arzt geht mit der Zeit, hat einen Facebook-Account, seine Patienten sind Friends und Fans. Statusberichte wie „Ich pople gerade mit einem Messer an einem eingewachsenen Zehennagel herum“ können von den Usern mit dem Like-Button kommentiert werden. Wichtige Informationen, die im direkten Gespräch nicht gut rüberkommen, kann man auch twittern und erntet damit gleich eine Reihe von Sympathiepunkten. Online-Rollenspiele bergen die Chance, die Kids direkt in ihrer „World of Warcraft“ auszusuchen und als ärztlicher Avatar, etwa in Form eines Druiden, über die Schädlichkeit von vorehelichem Nikotinabusus aufzuklären. Statt ins Diät-Lager schickt man die Jugend in ein Nuke-Frequency-Open-Air-Camp, in dem sie sich ausschließlich von Red-Bull-Light ernähren dürfen.

 

Aber Vorsicht: Erwachsene, die sich allzu sehr als Berufsjugendliche gebärden, waren bereits unserer Generation verdächtig. Und ein Trojanisches Pferd, das sich wie ein hipper DJ gibt, in seinem Inneren jedoch nur gesundheitliche Besserwisserei zu bieten hat, fliegt recht rasch auf. Nicht umsonst heißt es: Traue keinem Onkel Doktor über 30.

 

 

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