Träumer und Zappler

Foto: Claudia Feiertag
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Hochintelligent aber unaufmerksam, oder in der Schule unterfordert? Oder umgekehrt überfordert vom wachsenden Leistungsdruck? Viele Kinder und Jugendliche leiden angeblich an Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Und bekommen Psychopharmaka. Die Kritik wächst.

Von Ina Schriebl

 

Wir Erwachsenen nehmen unsere Jugendlichen nicht mehr richtig wahr, und sie leiden an Lebensstilerkrankungen, chronischen Erkrankungen und psychosozialen Problemen“, sagt Primarius Klaus Vavrik, Präsident der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit. Bei Kindern und Jugendlichen wird häufig eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) diagnostiziert. Die Antwort darauf: Psychopharmaka wie Ritalin und Nachahmer-Medikamente(Generika wie Concerta, Medikinet und Strattera) werden in Österreich immer öfter verordnet. Allein in Wien hat sich die Zahl der Verordnungen seit 2003 laut Gebietskrankenkasse auf nahezu 7800 verdreifacht – vorwiegend bei Kindern und Jugendlichen. Was Reinhold Kerbl, Primar der Abteilung für Kinder- und Jugendliche am LKH Leoben/Eisenerz und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) daran am meisten stört: Der Griff in die Pillenlade erfolge rasch und unreflektiert: „ADHS wird heute oft viel zu schnell diagnostiziert und schnell medikamentös behandelt. Ich bin überzeugt, dass ich als Jugendlicher unter heutigen Voraussetzungen auch Ritalin bekommen hätte.“ Ihm war in der Schule oft langweilig, deswegen sei er entsprechend unruhig gewesen, meint er. Andere würden sagen: hochintelligent aber unaufmerksam. Oder schlicht unterfordert.

Vavrik belegt Kerbls Einschätzung mit Zahlen: Etwa 60 Prozent der Verordnungen werden von Nicht-Fachärzten verschrieben. „Ritalin sehe ich als Betrug am Kind. Es gibt nur ...

 

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