„Nicht Glauben sondern Wissen(schaft)“

Die Polarisierung zwischen klassischer Medizinindustrie und Komplementärmedizin geht leider offenbar weiter. Ein neues Buch „Die Homöopathie-Lüge – So gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen“ beschreibt Homöopathie als „Aberglaube“. Die Autoren ignorieren allerdings eine Vielzahl an doppelblinden und placebokontrollierten Studien. In Wien findet nun eine Tagung der drei medizinischen Fachgesellschaften Ärztegesellschaft für Klassische Homöopathie (ÄKH), Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM) und StudentInnen Initiative Homöopathie (SIH) statt, die die  wissenschaftliche Studienlage zeigt.

Genießt Homöopathie bei Patientinnen und Patienten hohes Ansehen, stehen sich unter Ärzten zwei Lager oft unversöhnlich gegenüber. Deshalb ist es das Ziel des Symposiums, differenzierte Antworten auf brennende Fragen zu liefern: Kann Homöopathie den Kriterien der evidenzbasierten Medizin standhalten? Ist homöopathische Behandlung auf lange Sicht billiger als schulmedizinische? Wie können Homöopathen in der Praxis Ihren Beitrag zur Wissenschaft leisten? Anerkannte und internationale Experten stellen die aktuelle Studienlage vor und diskutieren über den Wirkmechanismus der Homöopathie auch in einer abschließenden Podiumsdiskussion mit den Experten Dr. med. Klaus von Ammon (Universität Bern), Ing. Dr. med. Friedrich Dellmour (ÖGHM), Univ. Prof. Dr. med. Michael Frass (AKH Wien), Univ. Prof. Dr. med. Klaus Linde (TU München) und Dr. med. Michael Teut (Universitätskrankenhaus Charité Berlin) in Vorträgen, Workshops und einer abschließenden Podiumsdiskussion geklärt werden. Die drei medizinischen Fachgesellschaften Ärztegesellschaft für Klassische Homöopathie (ÄKH), Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM) und StudentInnen Initiative Homöopathie (SIH) veranstalten das „Symposium zur wissenschaftlichen Forschung in der Homöopathie“ im Hörsaalzentrum des AKH Wien vom 16.-17. November 2012

 

„Die Homöopathie-Lüge – So gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen“ lautet der Titel des aktuellen Buches von Christian Weymayr und Nicole Heißmann. Die Stern-Redakteurin und der promovierte Biologe wagen sich damit in ein Fachgebiet, das sie nicht ausreichend recherchiert haben, kritisiert Ing. Dr. med. Friedrich Dellmour von der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin. Anders sei es nicht zu erklären, warum die in polarisierendem Stil vorgebrachten Vorwürfe weitgehend falsch sind. „Die altbekannten Behauptungen, die Homöopathie sei Placebowirkung, die Wirksamkeit sei nicht bewiesen und die Homöopathie sei Glaube, Aberglaube und Voodoo zeugen von der völligen Unkenntnis der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur. Die Autoren ignorieren eine große Anzahl hochwertiger Studien, die an Menschen und Versuchstieren doppelblind und placebokontrolliert durchgeführt wurden.“

 

In den internationalen Datenbanken sind bisher 705 Studien am Menschen, 302 Studien aus der Veterinärmedizin und 1.750 experimentelle Studien erfasst worden. Bisher wurden außerdem sechs umfangreiche Übersichtsarbeiten durchgeführt, die positive Ergebnisse für die Homöopathie ergaben. Darunter befindet sich auch die 2005 publizierte Lancet-Studie (Shang et al.), die nach Korrektur der darin enthaltenen statistischen Mängel ebenfalls klare Belege für die Wirkung der Homöopathie lieferte. Damit übereinstimmend belegen auch die experimentellen Arbeiten an Mäusen, Ratten, Kaulquappen, Pflanzen, Zellen und Enzymen die Wirkungen der Homöopathie.

Der gesamte Stand der Homöopathieforschung wurde 2004 von Michael Emmans Dean in Buchform zusammengefasst (1). Die Ergebnisse dieser Arbeit decken sich mit der 2006 ebenfalls in Buchform veröffentlichten, bisher umfangreichsten wissenschaftlichen Untersuchung der zur Wirksamkeit und Sicherheit der Homöopathie, die von der Schweizer Regierung in Auftrag gegeben wurde (2). Die strengen Kriterien eines „Health Technology Assessments“ (HTA) haben dabei ein positives Ergebnis für die Homöopathie gezeigt: „Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es ausreichend Belege für die präklinische (experimentelle) Wirkung und klinische Wirksamkeit der Homöopathie gibt und dass sie absolut und insbesondere im Vergleich zu konventionellen Therapien eine sichere und kostengünstige Intervention darstellt.“

 

Fazit der Fachgesellschaften in Österreich: „Die beiden Autoren Weymayr und Heißmann kennen das medizinische Fachgebiet der ärztlichen Homöopathie offensichtlich nicht und können die vorhandenen Daten nicht beurteilen. Mit ihren Fehlinterpretationen führen sie die LeserInnen in die Irre. Die Behauptung, die Homöopathie sei ohne jeden wissenschaftlichen Beweis, ist schlicht falsch.“

 

Literatur

(1) Dean ME: The Trials of Homeopathy. Origins, Structure and Development.

KVC 2004. Hrsg. Karl und Veronica Carstens-Stiftung.

(2) Bornhöft G, Matthiessen PF (Hrsg.): Homöopathie in der Krankenversorgung. Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Ein HTA-Bericht zur Homöopathie im Rahmen des Programmes Evaluation Komplementärmedizin in der Schweiz. VAS Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt 2006.

Bornhöft G, Matthiessen GF (eds.), Homeopathy in Healthcare. Effectiveness, Appropriateness, Safety, Costs. Springer, Berlin 2011.

 

Symposium

Symposium zur wissenschaftlichen Forschung in der Homöopathie:

„Nicht Glauben sondern Wissen(schaft)“

AKH Wien, Hörsaalzentrum Ebene 7. 1080 Wien

Fr., 16.11., 16 - 19:30 Uhr, Sa., 17.11., 9 - 18 Uhr

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Berekhet (Donnerstag, 22 November 2012 10:51)

    Die Autoren des Buches währen gut beraten auch mal in anderen Ländern wie Indien ihre Nasen reinzustecken, in Indien gehört die Homöpathie zu den meistbenutzten Mitteln. Aber ich denke dass hier mal wieder unsere lieben Pharmalobbysten, die Laboratorien dahinterstecken! Die Homöopathie braucht nichts mehr zu beweisen, sie hat es schon millionenfach rund um den Globus getan.

  • #2

    Thomas von Rogy (Dienstag, 04 Dezember 2012 09:29)

    wie Homöopathie wirkt läßt sich nicht beweisen, sehr wohl aber daß diese super wirkt. Der neueste Clou ist aber die elektronische Homöopathie, da können sich Ärzte + Ärztekammer + Apotheken ihren verfassungswidrigen Vorbehalt in den A***** schmieren. Dasselbe gilt auch für die Schüssler-Salze, von denen es bis zu 85 gibt, nur heftig bestritten wird dies noch.