4 Fachleute – 4 Tipps bei Milchunverträglichkeit

Verschiedene Methoden im ganzheitlichen Bereich haben in ihren Zugängen zu Krankheiten ganz unterschiedliche Ansätze. Für Patienten ist es oft nicht leicht, sich zu orientieren. Die lebensweise stellt deshalb verschiedene Methoden nebeneinander – und nicht selten finden sich überraschende Berührungspunkte.

Anthroposophie.

Von Milchunverträglichkeit spricht man, wenn Milch in normalen Mengen nicht vertragen wird - bei sonst gut funktionierender Verdauung. Die Verdauungstätigkeit hat die Aufgabe, „körperfremde“ Nahrung vollständig abzubauen, damit der Organismus diese als körpereigen für den Aufbau nutzen kann. Milch wurde von einem beseelten Lebewesen gebildet und trägt somit diese Kräfte in sich, somit müssen auch diese fremden Lebenskräfte bewältigt werden.

Allergien entstehen dann, wenn der Körper dieses Fremde nicht vollständig abbauen kann. Das Fremdeiweiß wird am falschen Ort verdaut und der Mensch entwickelt eine Überreaktion, was etwa als Durchfall wieder ausgeschieden wird. Therapeutisches Ziel ist es, die Verdauungskräfte so zu stärken, dass Fremdwirkungen von Pflanze und Tier rechtzeitig und vollständig abgebaut werden und nicht unverdaut die Darmwand passieren. Dabei hat die Bauchspeicheldrüse die stärkste abbauende Wirkung, hier setzt auch die anthroposophische Medizin an. Um Milchunverträglichkeiten vorzubeugen, ist es wichtig, frühen Fremdeiweißkontakt und unverträgliche Nahrungsmittel zu meiden und die Abwehrkräfte seiner Verdauung zu stärken. Sechs Monate vollständiges Stillen bietet einen wichtigen Schutz. Danach sollte langsam mit Kuhmilcheiweiß und Weizenklebereiweiß begonnen werden. Homogenisierte Milch oder Pulvermilch sind soweit möglich zu vermeiden und durch Demeter-Vollmilch (bei Säuglingen verdünnt) zu ersetzen.

Falls bereits eine Milchunverträglichkeit mit Durchfallneigung, Blähungen oder Bauchschmerzen besteht, müssen die Abbaukräfte im Organismus gestärkt werden. Der Magen-Darm-Trakt braucht ausreichend lange davon Entlastung, um sich in Ruhe regenerieren zu können. Sehr wirksame Mittel aus der anthroposophischen Medizin sind die Wegwarte, der Löwenzahn, Farnmischungen und die Brennnessel sowie Heileurhythmie und Kunsttherapien. Von Dr. Christine Saahs.

 

 

Homöopathie.

Immer mehr Patienten suchen mich wegen Laktose-, Fruktose- oder Histaminintoleranz in der homöopathischen Praxis auf. Nach Wahl des individuell gewählten, sogenannten chronischen Mittels gegen die Beschwerden gelingt es in den meisten Fällen, die Nahrungsmittelunverträglichkeiten in wenigen Monaten zu bessern oder zu heilen. Dazu ein Fallbericht:

Karoline (Name geändert), Physiotherapeutin, 47 Jahre, kommt Ende März 2009 in meine Praxis – Zuweisungsdiagnose: Laktose-/Histaminintoleranz seit zwei Jahren. Das Spektrum an Speisen, die sie essen kann, ist sehr eingeschränkt. Nach einem Diätfehler – jedenfalls sehr häufig – entstehen bald große juckende Quaddeln am ganzen Körper sowie drückende Bauchschmerzen. Bei regelmäßigem Zyklus leidet die Patientin unter starken Hitzewallungen, dazwischen ist ihr leicht zu kalt. Seit sieben Jahren treten kurz vor und/oder nach der Regel reißende Kopfschmerzen auf. Sie neigt zu Fieberblasen rund um den Mund.

Karoline macht auf mich einen sehr organisierten Eindruck, ein Workaholic. Sie bestätigt meine Wahrnehmung mit der Feststellung, sie musste schon als Kind sehr diszipliniert sein. Die Patientin ist verheiratet, keine Kinder. „Ich bin ein Gesellschaftstyp, bin gern mit Freunden unterwegs, aber auch gern zu Hause“, beschreibt sich die Patientin. „Wenn mich wer kränkt, dann bin ich beleidigt, vergessen dauert eine Weile.“ An Hobbys zählt sie Wandern und Turnen auf.

Arzneiverordnung, Verlauf: auf Natrium muriaticum LM 6, 2x/Woche, reagiert die Patientin nach jeder Einnahme mit der Haut in Richtung Urtikaria, wir reduzieren auf 1x/Woche. Mitte Mai, nach sechs Wochen, sind die Kopfschmerzen rund um die Regel verschwunden, Fieberblasen, Bauchschmerzen und Hitzewallungen seltener geworden – ein Zeichen, dass die Arznei stimmt, da sie ja alle Beschwerden erfassen soll. Die Hautausschläge nach Diätfehlern zeigen sich jetzt nur noch rund um die Brust in Form von juckenden roten Flecken, keine Urtikaria – eine Gabe Natrium muriaticum in M Potenz. Drei Tage später ruft mich die Patientin an: „Alles bestens!“ Wir warten ab, keine Arznei. Weitere vier Tage später treten wieder heftige Kopfschmerzen auf, die allergischen Symptome bleiben gebessert. Ich rate Karoline, wieder mit Nat.mur. LM 6, 1-2x/Woche, zu beginnen. Ende Juni, drei Monate nach der Erstanamnese, teilt mir die Patientin freudig mit, dass sie mit ihrer Familie ohne wesentliche Beschwerden alles mitessen kann! Da Mitte Juli noch gelegentlich rote Flecken auf der Haut auftreten, entschließe ich mich zur Gabe von Nat.mur. LM 8, jeden 2. Tag – Ende Juli kann die Patientin alles essen und das ist so geblieben. Von Dr. Gloria Kozel.

 

 

Spagyrik.

Das Thema Milchunverträglichkeit beschäftigt mich bei meiner Arbeit seit einigen Jahren ganz speziell. Ein Therapieansatz muss hier den Stoffwechsel und dessen Normalisierung ins Zentrum stellen. Alle Produktionsstätten von Enzymen müssen angeregt werden.

Es gilt hier, wie bei vielen Dingen vor allem im Ernährungsbereich, eine 40-Tage-Regel. Wenn man konsequent 40 Tage lang gegen Normwerte verstößt, schaltet der Sollwert um und der Körper glaubt, dass das jetzt richtig ist. Eine Umstellung ist hier also sehr schwer wieder machbar.

Es gibt viele Patienten mit Milchunverträglichkeiten, die übersäuert sind. Therapeutisch wird im Bereich der Spagyrik mit entsprechenden Medikamenten gearbeitet, die die Stoffwechselaktivität anregen und wieder ändern. Spagyrik ist ein sehr altes Heilverfahren, das bereits Paracelsus bekannt war. Spagyrische Essenzen gehören zu den wirksamsten und verträglichsten Arzneimitteln. Sie werden aus Heilpflanzen in einem besonderen Verfahren hergestellt. Sie können sowohl bei akuten als auch bei chronischen Krankheiten eingesetzt werden.

Es gibt in diesem Zusammenhang aber noch eine interessante Entwicklung, die seit einigen Jahren erforscht wird: Menschen mit Milchunverträglichkeit haben weniger Probleme mit Milch, die von Kühen stammt, deren Hörner nicht abgeschnitten worden sind – was derzeit beinahe normal ist in der Landwirtschaft, damit sich die Tiere im Stall nicht verletzen. Die Hörner erfüllen bei Kühen eine Stoffwechselfunktion, die dann eben fehlt. Genau erforscht ist das noch nicht. Demeterbauern lassen aber Kühen ihre Hörner deshalb bewusst. Ich habe Patienten, die mit solcher Milch keine Probleme haben. Von Mag. Bernd Maurer.

 

 

TTM / TCM.

Milch als solche hat in der chinesischen Ernährung eigentlich keine Bedeutung, weil die Chinesen hier eine genetische Intoleranz besitzen. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gelten Milch und Milchprodukte als verschleimende Nahrungsmittel, die Feuchtigkeit binden und kühlend wirken. Bei Schnupfen oder Verschleimungen werden dadurch also Symptome verstärkt. Wenn jemand hingegen unter Trockenheit leidet und beispielsweise eine Hauterkrankung hat, ist es hingegen kein Problem.

Eine Differenzierung zwischen Milchzucker (Laktose) und Milcheiweiß (Kasein) gibt es in der chinesischen Medizin nicht. Ebenso wenig wie eine klassische Ursache für Allergien. In China selbst werden heute natürlich auch Milch und Milchzucker importiert – böse Zungen behaupten vor allem als Abführmittel.

Generell hängt es auch von der Menge der Enzyme ab, ob jemand mehr oder weniger verträgt. Grundsätzlich gilt bei Allergien oder Unverträglichkeiten, solche Produkte eher zu meiden – vor allem, wenn man eine Unverträglichkeit hat. Man kann jedenfalls ohne Probleme auch ohne Milch und Milchprodukte leben. Kalzium ist etwa in genauso großen, wenn nicht sogar größeren Mengen, auch in anderen Lebensmitteln enthalten. Das Kraut etwa, das gerade jetzt im Winter viel verfügbar ist, ist ein klassischer Kalziumlieferant. Ebenso wie Brokkoli, Hafer, Buchweizen, Sesam oder Lauch. Von Dr. Andrea Zauner-Dungl.

 

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