Vier Fachleute, vier Behandlungsstrategien bei Asthma

Verschiedene Methoden im ganzheitlichen Bereich haben in ihren Zugängen zu Krankheiten ganz unterschiedliche Ansätze. Für Patienten ist es oft nicht leicht, sich zu orientieren. Die lebensweise stellt deshalb verschiedene Therapiekonzepte vor – und nicht selten finden sich überraschende Berührungspunkte.

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Traditionelle Europäische Medizin. Die TEM sieht allergisches Asthma verursacht durch äußere Schärfen, die die Lunge beeinflussen und das führt dazu, dass Schleim (Phlegma) entsteht, der nicht abgeführt werden kann. Therapeutisch gibt es sehr viele Varianten und gerade in unseren Breiten haben wir einige Möglichkeiten etwa im Bereich der Kur- und Umweltmedizin. Die Krimler Wasserfälle mit der stark ionisierten Luft wurden etwa schon von Paracelsus bei asthmatischen Leiden empfohlen. Sehr gut ist auch See- oder Meeresluft. Auch da wurden schon früher Menschen auf Kur geschickt. Oder in den Gasteiner Heilstollen, der nicht nur bei rheumatischen Leiden, sondern eben auch bei Asthma hilft.

Pflanzlich ist die Königskerze das erste Mittel der Wahl – als Urtinktur wirkt sie krampflösend und Schleim brechend. Auch Efeu, Haselstrauch, Thymian und Eibisch helfen. Thymian-Öl kann sehr gut bei Kindern verwendet werden, wenn man es auf den Fußreflexzonen ins Lungenfeld massiert. Gute Erfahrungen hat man auch mit Brustwickel, vor allem Kartoffelwickel gemacht, die ebenfalls schleimlösend wirken. Als Akutmittel gerade in der Pollensaison hilft auch Johannisbeere, weil sie gut krampflösend ist.

Im 18. und 19. Jahrhundert hat man bei uns auch Kaffee-Einläufe gemacht, weil man wusste, dass Lunge und Dickdarm zusammengehören. Dieses Wissen gilt also nicht nur in der Traditionellen Chinesischen Medizin, sondern auch in der Traditionellen Europäischen. Deshalb ist es bei allen Behandlungen der Lunge wichtig, den Darm nicht außer Acht zu lassen. Wichtig kann auch das Singen sein – was auf den ersten Blick komisch erscheinen mag. Ich hatte aber einen jungen Patienten, der nach einer Sing- und Atemschule zur Stärkung der Lunge innerhalb eines Jahres sein Asthma überwunden hat. Er singt übrigens jetzt bei den Sängerknaben... (von Dr. Josef Hutter-Klein)

 

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Akupunktur. In der traditionellen chinesischen Medizin versucht man sich dem Thema Asthma über die Symptome Atemnot und Keuchen zu nähern. Nach Erhebung der Symptome, Zungen- und Pulsdiagnostik wird die chinesische Diagnose gestellt. Man unterscheidet verschiedene Formen von Asthma.

Zum einen ist Asthma, das in der Kindheit beginnt und als dessen Ursache häufige Infekte gesehen werden, sehr gut mit der traditionell chinesischen Medizin zu therapieren und es kann schon innerhalb von wenigen Wochen zu einer Besserung kommen.

Asthma, das bei Erwachsenen auftritt, hängt oft mit Ernährungsfehlern, emotionalen Belastungen und Überarbeitung zusammen. Zur Stabilisierung braucht es neben Akupunktur und Kräutern eine Ernährungsumstellung und Änderung der Lebensweise, dementsprechend langwieriger gestaltet sich die Therapie.

Allergisches Asthma, das schon in der Kindheit beginnt und häufig mit Ekzemen der Haut assoziiert ist, kennt die TCM ursprünglich nicht, da dieses Krankheitsbild in China kaum existiert. Es ist naheliegend, dass dieser Form angeborene Schwächen im Bereich der Nieren und Lunge zugrunde liegen. Diese können durch Schwierigkeiten während der Geburt oder durch Belastungen der Mutter in der Schwangerschaft entstehen.

Es soll – so wird immer wieder diskutiert – auch häufiger Probleme bei Kindern geben, die mit Kaiserschnitt zur Welt kommen. Akupunktur und Kräutertherapie kann hier ebenfalls mit Erfolg eingesetzt werden.

In der Therapie wird in zwei Schritten vorgegangen – primär wird versucht, die akuten Beschwerden zu minimieren, und anschließend arbeitet man dann an der Wurzel der Erkrankung. (von Dr. Birgit Richter)

 

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Traditionelle Tibetische Medizin. Im bedeutendsten Werk der Tibetischen Medizin, „rgyud bzhi, ist ein Kapitel, nämlich das achtundvierzigste des dritten Abschnittes, dem Thema Asthma gewidmet. Dieses Kapitel beschreibt eigentlich das tibetische Krankheitsbild „dbugs mi dbe ba, wörtlich übersetzt: „Schwierigkeit beim Atmen.

Als Ursache dieses Krankheitsbildes wird eine Schwäche der Hitze des Verdauungstraktes mit daraus resultierendem Überschuss von „bad kan (Schleim) genannt. Genauer gesagt gibt es laut der tibetischen Tradition aber insgesamt fünf verschiedene Arten von Asthma mit jeweils verschiedenen Ursachen, Symptomen sowie Therapiekonzepten.

Die Ursache jeglichen Leidens (insgesamt soll es 84.000 verschiedene Krankheitsbilder geben) liegt laut Tibetischer Medizin in „ma rig pa, im Deutschen oft mit „Unwissenheit übersetzt. Diese Unwissenheit besteht auf diversen Ebenen. Wir wissen nicht, wer wir sind, wie wir uns zu verhalten haben, welche Umgebung uns gut tut, welche Nahrungsmittel und Medikamente wir einnehmen können und vieles mehr.

Ausgehend von einer präzisen Diagnostik, welche die Analyse des Pulses, die Betrachtung des Urins sowie die Befragung des Patienten beinhaltet, gibt der Arzt nun individuell an den Patienten angepasste Ernährungs- und Verhaltensempfehlungen. Sollten diese nicht effizient genug sein, kommen darüber hinaus sogenannte äußere Therapien wie beispielsweise Moxibustion, Massage und die Goldene-Nadel-Akupunktur zur Anwendung. Am effizientesten werden individuell an die Befindlichkeit des Patienten angepasste tibetische Pillen angesehen. Diese Pillen werden zwei bis drei Mal täglich mit heißem Wasser eingenommen.

An dieser Stelle noch einige allgemeine Empfehlungen: Um laut „rgyud bzhi Atmenschwierigkeiten zu behandeln, ist das äußere Einreiben des Körpers mit Sesamöl sowie diversen Salzen und die Einnahme von Ziegenmilch sowie abgekochtem heißen Wasser anzuraten.   (von Dr. Florian Ploberger)

 

 

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Homöopathie. Sicher die Hälfte meiner Patientinnen und Patienten sind Kinder. Ganz generell sind drei Arten von kindlichem Asthma zu beobachten – es kann sich aus dem Funktionskreis der atopischen Dermatitis (Neurodermitis, Heuschnupfen, Asthma) entwickeln, als allergisches Asthma darstellen oder aus häufigen bronchialen Infekten (obstruktiver Bronchitis) entstehen. Es ist daher immer wichtig abzuklären, was die Ursache ist.

Ich bin therapeutisch oft mit den Vorstufen des Asthmas befasst, denn in meine Praxis kommen häufig Eltern in der Sorge, dass sich bei ihren Kindern Asthma aus oben genannten Gründen entwickeln könnte.

Homöopathisch wird dann versucht, das passende Mittel individuell für das Kind zu finden mit dem Ziel, dass die Erkrankung sich nicht weiterentwickelt, beziehungsweise gar nicht auftritt.

Wenn bei einem Kind mit manifestem Asthma bronchiale eine konventionelle Basistherapie bereits eingeleitet wurde, begleite ich diese Therapie in der Akutphase homöopathisch. Ist bereits die schulmedizinische Akuttherapie beendet, greift die homöopathische Medizin erfahrungsgemäß am besten.

Wenn ich die Gelegenheit habe, Kinder nach mehrfachen obstruktiven Bronchitiden oder wegen Heuschnupfen in homöopathische Behandlung zu nehmen, dann tritt Asthma mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht auf.

Man kann jetzt natürlich nicht sicher sagen, ob sich die Krankheit ohne Homöopathie entwickelt hätte oder nicht, ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass mit homöopathischer Therapie die negative Entwicklung zu Asthma zu verhindern ist.   (von Dr. Gloria Kozel)

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Kommentare: 2
  • #1

    Richard Friedel (Sonntag, 12 Mai 2013 16:08)

    Die Lösung des Asthmarätsels oder Schluss mit der Symptomunterdrückung.

    Einerseits wird Asthma mit Medikamenten im großen Stil und lukrativ behandelt. Anderseits ist die Behandlung nicht kausal - der Medizin ist die Grundursache unbekannt. Die Forschung wird m. E. durch die Zielbeschränkung der Ärzte verunmöglicht, da die Behandlung nicht Atemtherapie sein darf, die in der ärztlichen Routine stört.
    Die Atemtherapie, nämlich Bauchatmung, wird aber doch von manchen Lungenärzten klar befürwortet. Siehe Lungenärzte im Netz Link http://tinyurl.com/bu7dose.
    Im Endergebnis hat man also einen deutlichen Hinwies für die Überlegenheit der Atemtherapie. Interessierte sollen das Thema mit dem Arzt besprechen.
    Als ich ganz achtsam die so oft gegen Asthma empfohlene Bauchatmung übte und der Pollen in der Luft deutlich spürbar war, hatte diese Atemtechnik eine merkliche Wirkung auf Asthmasymptome wie Giemen und Kurzatmigkeit. Sie wurden bei mir abgestellt und die Atemwege freigeschaltet. Es war als ob die. Atemluft „an den Bronchien vorbei nach unten“ gelangte
    Also: zuerst hatte ich die Bauchatmung sauber beherrscht. Richard Friedel

  • #2

    Richard Friedel (Mittwoch, 24 Dezember 2014 18:07)

    Die übliche Asthmabehandlung mit dem Spray führt in eine Sackgasse und heilt nie. Sie kann am ehesten als Verzögerungstaktik gelten, meine ich als Nichtarzt und Exasthmatiker. Also wenn man gegen einen bestimmten Akupunkt (GV26) am Gesicht zwischen Nasenwurzel und Oberlippe eine Minute oder so mit der Fingerkuppe bzw. dem Fingernagel drückt, so wird die Atmung durch Reflex auf das Herz erleichtert. Es ist doch ein Instinkt, die Oberlippe vor einer Anstrengung oder intensivem Rätselraten stramm zu ziehen. Siehe detaillierte Bibliographie bei http://www.med-vetacupuncture.org/english/articles/gv26.htm Video auf englisch bei https://www.youtube.com/watch?v=PiSq-WnMXjs