Indianer kennen keinen Schmerz

Foto: MAXFX/photoxpress.com
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Indianer kennen keinen Schmerz! Und Jungen weinen nicht! Mit diesen beiden Grundregeln sind ganze Männergenerationen aufgewachsen. Männer sind sogar bereit, ihre Gesundheit zu opfern, um diesem Rollenbild gerecht zu bleiben.

 

Von Christian W. Bernhard

 

Auf die Frage, ob das Motto „Indianer kennen keinen Schmerz“ noch immer tief im Bewusstsein oder in den Vorurteilen von Männern verankert seien, antwortet Romeo Bissuti, Klinischer- und Gesundheitspsychologe und freier Mitarbeiter der Männerberatung Wien: „Männer haben schon ganz gut gelernt zu unterscheiden, dass es in der privaten Beziehung ein bisschen anders funktioniert als im Berufsleben. Ich glaube, dass hier die Sensibilität und Unterscheidungsfähigkeit der Männer schon sehr gut ist, wie ich überhaupt der Meinung bin, dass die meisten Männer viel besser sind als ihr Ruf.“ Mehrdad Davoudi, Facharzt für Urologie und Andrologie in Wien, sieht es ganz ähnlich: „Privat, in ihren eigenen vier Wänden, sind Männer offener und lassen sich oft schon bei Kleinigkeiten von ihren Mitmenschen pflegen, denn hier dürfen sie ihren Schmerz zulassen.“

In der Zweiteilung von Berufs- und Privatleben liegt, so der Grundton in Fachkreisen, auch der entscheidende Punkt, der den Mythos des Indianers weiter aufrechterhält. „Die aktuelle Wirtschaftskrise verstärkt den Indianer-Effekt“, bestätigt der Internist und Spezialist für Männermedizin Siegfried Meryn: „Viele haben Angst durch eine potenzielle Erkrankung den Job verlieren zu können.“ Der Psychologe Bissuti erweitert dies: „Ich glaube, dass vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Verhältnisse es sich niemand leisten kann, weder Frauen noch Männer, auf schwache Gefühle zu pochen. Wir sind alle gefordert, unter dem neoliberalen Update dem ökonomischen Druck standzuhalten. Und nun von Männern zu verlangen...

 

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