Medizin: Frauen wollen mehr

Foto: Sanjay Deva/Fotolia.com
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Ganzheitliche Medizin ist weiblich: nicht nur, dass sie mehrheitlich von Frauen in Anspruch genommen wird, auch die Anbieterinnen komplementärer Leistungen sind großteils Frauen. Entwickelt wurden die Methoden aber meist von Männern.

Von Martin Schriebl-Rümmele

 

Sebastian Kneipp, Paracelsus, Rudolf Steiner, Samuel Hahnemann, Wilhelm Heinrich Schüßler – sieht man einmal von Hildegard von Bingen ab, wurde die Komplementärmedizin in Europa überwiegend von Männern entwickelt und geprägt. Nicht anders war es in Asien, wo etwa in tibetischen und chinesischen Klöstern überhaupt nur Männer studieren durften. Zwar gab es auch vereinzelt Frauenklöster, doch studieren war den Frauen dort untersagt. Das Wort für „Frau“ im Tibetischen heißt übersetzt so viel wie „die niedrige Geburt“.

„Die Klassiker der tibetischen Medizin wurden ausnahmslos von Männern geschrieben. Auch die Überarbeitungen stammen von Männern. Frauen waren zum Studium nicht zugelassen“, sagt Florian Ploberger, Allgemeinmediziner in Wien und Spezialist für TCM und Traditionelle Tibetische Medizin. Allerdings, so erzählt er, waren jene, die sich für das Thema Gesundheit interessiert und sich damit beschäftigt hätten, von der Geistesqualität stark mit weiblichen Qualitäten ausgestattet. Nicht wesentlich anders war es in Europa, wo Frauen bis 1900 gar nicht für das Medizinstudium zugelassen waren, schildert die Gendermedizinerin Alexandra Kautzky-Willer.

Ganz anders ist es heute: Die Ganzheitsmedizin ist weiblich - auch in Asien. Ploberger: „Der Anteil der Studentinnen liegt wie bei uns über 50 Prozent.“ Etwa drei Viertel aller Mitglieder der Österreichischen Gesellschaft für homöopathische Medizin sind weiblich, schätzt deren Präsident, Erfried Pichler. In der Wirtschaftskammer, wo sich Energetiker und Lebens- und Sozialberater melden müssen und mehr als 20.000 ganzheitlich tätige Anbieter registriert sind, sind etwa zwei Drittel Frauen, schätzt deren Fachgruppenobmann Andreas Herz.

 

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