Der lebensweise-Expertentipp zum Thema Prostatakrebs

Foto: privat
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Es ist wohl jene Erkrankung, die Männer am meisten fürchten: Prostatakrebs betrifft die eigene Sexualität und damit die Männlichkeit selbst. Die Erkrankung ist noch dazu die häufigste Krebserkrankung bei Männern, was uns nicht zuletzt durch die Medien immer wieder vorgerechnet wird. Diese Botschaft erzeugt Angst.

Die oft geschürte Panik bedarf ein paar Richtigstellungen: im Jahr 2010 erkrankten österreichweit 4.488 Männer an Prostatakrebs – das sind 66,2 Fälle pro 100.000 Männer. „Die Zunahme der Krebsneuerkrankungen ist zwischen 1983 bis 2010 fast ausschließlich auf die steigende Zahl an Erkrankungen der Prostata zurückzuführen“, schreibt die Statistik Austria. Also doch dramatisch? Im Vergleich zum Jahr 2000 ist die Neuerkrankungsrate im Jahr 2010 um 32%, die Sterberate um 33% zurückgegangen. Grund sind Vorsorgeuntersuchungen.

Die wiederum sind wichtig, doch wie beim Brustkrebs bei Frauen können sie falsch durchgeführt zu mehr Verunsicherung führen, als sie helfen. Jeder Mann hat Prostatakrebszellen in sich. 20% der 20jährigen haben sie, 50% der 50jährigen und 100% der 100jährigen. Die Fragen sind, ob der Krebs Metastasen bildet. Und was wir dann tun können.

Derzeitiger Goldstandard ist eine radikale Prostataresektion. Kurz: Die Drüse wird operativ entfernt. Doch das garantiert keine Heilung. Die Wahrscheinlichkeit, dass es innerhalb von fünf Jahren erneut zu Metastasen kommt, liegt laut neuesten Studien bei 50%. Vergleicht man das mit der Wahrscheinlichkeit, dass ein Prostatakrebs – der gewöhnlich sehr langsam wächst - wirklich metastasiert, müsste es längst eine Debatte darüber geben, ob es nicht Alternativen zur radikalen Entfernung gibt bzw. danach geforscht werden. Denn die Entfernung hat massive Nebenwirkungen – jeder Mann ist danach impotent, viele sind inkontinent. Doch Sex ist wichtig, keinen Sex mehr haben zu können belastet psychisch enorm, und psychischer Stress ist keine Hilfe bei einer schweren Erkrankung. Zum Vergleich: das Risiko durch eine Strahlentherapie impotent zu werden, liegt „nur“ bei 30%. Neue innovative Präventions- und Therapiemaßnahmen sind also gefordert.

Die Integrative Onkologie kann hier eine entscheidende Rolle spielen. Welche Bedeutung hat unsere geistig-seelische Verfassung, unsere Überzeugung gesund werden zu können und zu wollen bei der Heilung? Aber auch die Dimensionen der Pflanzenheilkunde, der Erfahrungsheilkunde und der unzähligen Methoden der Naturheilkunde müssen genannt werden. Grundlagenforschung kann längst belegen, dass Heilung weit mehr bedeutet, als chemische Mittel zu verabreichen oder mit Strahlen Krebszellen zu beschießen. Aber noch viel zu wenige der Erkenntnisse finden den Weg in den klinischen Alltag.

Wo ist die umfassende seelische Betreuung von Tumorpatienten, die mit dem Schock der Diagnose fertig werden müssen? Wer berücksichtigt, dass viele Chemotherapeutika zu bestimmten Zeiten in 24h besser wirken oder unter Beachtung des entzündlichen Tumor-Mikromilieus besser oder schlechter wirken? Wo wird die Hyperthermie zur Verbesserung der Wirksamkeit von Chemo- und Strahlentherapie eingesetzt? Wer klärt betroffene Patienten über die enorme positive Wirkung von Sport auf? Wer bespricht und analysiert mit den Patienten ihre Familie, Beruf und persönliche Lebenslust- oder Unlust-Situation, um (unbewusste) Heilhindernisse aufzudecken? Wer verschreibt Massagen oder Akupunktur, um Schmerzen zu lindern, die Lebenskraft zu stärken? Wer stimuliert das Immunsystem mit dendritischen Zellen? Mit Misteltherapie? Wer leitet Patienten an zu Meditation oder Qigong? —

Dr. Ralf Kleef beschäftigt sich mit seinem Institut „Dr. Kleef – Hyperthermie“ in Wien seit 1998 mit der Forschung, Entwicklung und Anwendung erweiterter Krebstherapien. Er ist Mitglied im lebensweise-Fachbeirat.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Detlef Seiler (Sonntag, 21 Juli 2013 12:10)

    Als Betroffener beschäftige ich mich seit langem mit Prostatakrebs. Ich habe noch nie derart viele Falschinformationen zu diesem Thema gelesen wie in diesem Artikel!
    Verantwortungsloses Geschreibsel!