Qigong: stärkende Übungen für die Männerwelt

Qigong bedeutet soviel wie die Arbeit beziehungsweise das Training (Gong) mit der Lebenskraft (Qi). Es ist der Sammelbegriff für unzählige chinesische Methoden, die sich im weitesten Sinn damit beschäftigen, die Lebenskraft zu kultivieren. Für die lebensweise-Leser hat der Qigong-Lehrer Niki Deistler einige praktische Übungen zusammengestellt.

Eine bekannte und effiziente Methode des Qigong ist Zhan Zhuang – die stehende Säule. Dabei werden unterschiedliche Posen für einige Minuten, bis über eine Stunde lang gehalten um den Qifluss zu aktivieren, oder auch um sich in Ruhe zu sammeln und das Qi zu nähren. Zhan Zhuang ist eine extrem effiziente Methode, Körper, Energie und Geist zu kultivieren. Am besten wir beginnen mit wenigen Minuten und steigern die Dauer der Übung mit der Zeit allmählich. Grundsätzlich gilt: regelmäßig ein wenig ist wichtiger als ab und zu viel. Dabei gibt es unterschiedliche Methoden:

Wai Gong – äußere Übung:

Bestimmte Körperregionen werden für eine Weile angespannt. Das erzeugt einen „Qi Stau“ im angespannten Bereich. Wenn man dann am Ende der Übung die Anspannung loslässt, kann das Übermaß an Qi über die Meridiane nach innen in die Organe fließen und nähren. Diese Methode wirkt sehr anregend und kann kurzfristig viel Energie bereitstellen.

Nei Gong – innere Übung:

Die notwendige Körperspannung wird auf ein Minimum reduziert, die Haltearbeit der Muskulatur an die tief liegenden, ausdauernden Muskelschichten abgegeben. Die Hauptkonzentration liegt im unteren Dantian, welches als Qispeicher fungiert. Von dort kann das Qi allmählich nach außen dringen und den ganzen Körper langfristig nähren.

 

1. Vorbereitung

Wir stehen in der Grundstellung. Die Füße drücken fest am Boden, der Scheitel drückt gegen den Himmel. Die Arme sind an der Seite und üben einen ganz leichten Druck an die Oberschenkel aus. Die Zunge ist am Gaumen, hinter den Schneidezähnen. Der Nacken berührt leicht den Kragen (als ob man einen Stehkragen hätte). Der Blick ist auf die Nasenspitze gerichtet, aber ohne zu schielen. Das Yi (Vorstellungskraft, Intention) ist im (unteren) Dantien („Biobatterie“ im Unterbauch, tief in den Gedärmen). Der Atem geht lang und tief und ganz unhörbar durch die Nase. Wir stehen 3,6,9 oder 12 Atemzüge lang.

 

2. Nei Gong Methode - Den Ball halten

Im schulterbreiten Parallelstand halten wir die Hände vor der Brust. Wir achten darauf, dass Knöchel, Knie und Hüften leicht gebeugt sind. Die Lendenwirbelsäule ist geöffnet, (das Gegenteil vom Hohlkreuz) Brust und Schultern entspannt, die Achseln sind leicht geöffnet, als ob wir ein rohes Ei damit halten wollten. Wir stellen uns vor, zwischen den Armen einen Sack mit Wasser zu halten, ebenso einen zwischen den Knien. Ein Teil unserer Aufmerksamkeit ruht tief im Bauch, im unteren Dantian, gleichzeitig versuchen wir, Spannungen im Körper immer mehr zu minimieren und die Haltung immer wieder neu auszurichten.

• Wir lösen den Körper von unten nach oben: Fußsohlen und Knöchel – Oberschenkel – Hüftmuskulatur – Brust – Schultern und Nacken

• Innere Aufrichtung: Knöchel – Knie und Hüften sind leicht gebeugt, Kreuzbein hängt, Steißbein leicht nach vorne rotiert, Schulterblätter gesunken, der Nacken leicht gestretcht –, der Kopf balanciert.

• Danach lassen wir den Körper von oben nach unten in Wellen „schmelzen“, sodass sich die Gelenke einander annähern und der ganze Körper in sich dichter „verwoben“ wird.

 

3. Wai Gong Methode - Den Berg schieben und den Tigerschwanz ziehen

Diese Übung ist hervorragend geeignet uns rasch zu energetisieren, das Kua (dieser Bereich umfasst die Hüften, die Leisten und alle umgebenden funktionellen Strukturen wie Muskeln, Sehnen und Bänder) zu öffnen, die Wirbelsäule zu mobilisieren und den Schultergürtel zu trainieren.

Wir steigen mit dem linken Fuß in den „großen Bergsteigerschritt“ (Deng Shan Bu). Das heißt, beide Füße befinden sich parallel verschoben auf einer Linie. Beide Füße sind von der Mitte aus gesehen ca. 45° nach rechts gedreht. Das Hauptgewicht ruht im vorderen Fuß. Der hintere Fuß drückt mit etwas Kraft nach vorne. Dann drehen wir die Hüften so weit wir können nach links. Die Arme nehmen eine ähnliche Haltung ein, als ob wir einen Bogen spannen wollten. Die linke Faust geht hinaus, als ob sie einen Berg schieben würde, der rechte Unterarm zieht in Schulterhöhe zurück, als ob er die Bogensehne (bzw. den Tiger am Schwanz) ziehen möchte. Beide Arme verwenden Kraft! Die Finger der rechten Faust zeigen vom Körper weg. Der Schultergürtel kann noch etwas weiter als die Hüften drehen, sodass die Wirbelsäule spiralig rotiert wird. Der Blick folgt der „Zielrichtung“. Wir achten besonders darauf, das Steißbein und die hintere Hüfte nach unten zu drücken. Im hinteren Kua ist ein starker Stretch spürbar. Das Yi ist gleichzeitig im Dantian und der ziehenden, sowie der drückenden Hand.

 

 

Ausbildungstipp: Am 18. Oktober startet die nächste Qigong-Ausbildung im Verein Shambhala. Eine optimale Gelegenheit für alle, die gerne intensiv in einer konstanten Gruppe unter professioneller Leitung praktizieren möchten. Aber auch für jene, die gerne das Diplom des Qigong-Kursleiters erlangen möchten. www.shambhala.at/fileadmin/user_upload/ausbildungen/Qigong_AB_0912_Web.pdf.

 

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