Gedanken und Ideen der lebensweise-Experten...

Expertinnen und Experten verschiedener ganzheitsmedizinischer Bereiche

unterstützen als Fachbeiräte die lebensweise-Redaktion. Hier treten sie vor

den Vorhang und stellen ihre Gedanken vor. Diesmal schreiben der Ganzheitsmediziner und Psychotherapeut Ruediger Dahlke und der Biologe Adolf Schriebl über die Heilkraft der Moose und wie uns die Umwelt und unser Umfeld beeinflussen.

 

Moose: Uralte Bioindikatoren und Heilmittel.

 

Moose gibt es seit mehr als 320 Millionen Jahren und sie sind wie keine andere Pflanze Indikatoren für Klima- und Umweltentwicklungen, die gleichzeitig auf eine lange Heiltradition zurückblicken können. So sind sie etwa das ganze Jahr über als Bioindikatoren aktiv und zeigen nun, dass kälteliebende Arten verschwinden und wärmeliebende Arten zuwandern. Die Wasserbilanz in Wäldern ist abhängig vom Moosbewuchs, wo das Regenwasser aufgesogen wird und wiederum langsam in den Boden oder Atmosphäre abgegeben wird. Zudem sind Moose Lebensraum für viele Kleinlebewesen. Nicht zuletzt haben auch hier klimatische Änderungen zum Teil gravierende Auswirkungen.

Weltweit gibt es 16.000 bis 20.000 Moosarten, in Österreich etwa 1.100. Sie zeigen Umweltqualität und Wassergüte an, viele leben als Epiphyten und zeigen die Luftgüte an: Durch den Verkehr (Stickoxide) und die Landwirtschaft (Ammoniak) treten etwa vermehrt Stickstoff liebende Arten auf.

 

Auf die Frage, wozu Moose gut sind, gibt es oft nur Achselzucken – viele traditionelle Anwendungen wurden vergessen. „Hypnum“ (Schlafmoos), diente bereits im Altertum als Schlafunterlage – man meinte, darauf gut schlafen zu können. Es wurde als Füllmaterial von Matratzen und Kissen genutzt. „Lebermoos“ (Signaturenlehre), in Wein gesotten, wurde früher in der Volksmedizin als Arznei verwendet. Die Indianer Nordamerikas wendeten zu einer Paste zerkleinerte Moose bei Brandverletzungen an. In China verwendet man Moose in der Volksmedizin (rund 40 Moosarten, etwa gegen Verbrennungen, Ekzeme, Angina und Bronchitis). Bei klinischen Tests hat ein Extrakt von Rhodobryum giganteum (Rosenmoos) eine Erhöhung des Aortendurchflusses bewirkt.

 

 

 

Die antimikrobielle Wirkung von Moosen (Windeln, Mullverband, Binden), von den Maoris entdeckt, beruht auf einer einfachen Beobachtung: Moose wachsen in großen Mengen auf dem Waldboden. Diese Streuschicht ist voll von Bakterien und Pilzen, die Laub und Nadeln abbauen. Hebt man die Moospolster ab, findet man darunter häufig ein Pilzgeflecht – die Moose wehren die Pilze mit Chemie ab. Moose enthalten fungizide und bakterizide Wirkstoffe – und zwar ganze Cocktails.

 

Verschiedene Arten haben immer wieder andere Wirkstoffe (phytochemisch ist erst ein Prozent der Moose untersucht): Flavonoide, Biflavonoide, Terpene und Terpenoide sind typische sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe bei Moosen. Die Maoris haben damit Geschlechtskrankheiten behandelt, indem sie aus Moosen einen wässrigen Brei bereiteten, und hätte es nicht geholfen, hätten sie es nicht gemacht. Für die Wundversorgung wurden noch im 1. Weltkrieg Torfmoose eingesetzt. Terpene und Terpenoide haben bakterizide und fungizide Wirkung. Ureinwohner in Nordamerika trugen Säuglinge in Fellsäckchen, die mit Moosen (meist Torfmoos) ausgestopft waren (Moose diente hier als Windelersatz).

 

Weltweit wurden Moose als Packmaterial (zum Beispiel China) für Porzellan, feuchte Moose als Transportmittel für Pflanzen genutzt. In Schuhen wurden sie für angenehmes Fuß-Klima verwendet. „Moosgärten“ sind lange aus Japan bekannt und gewinnen auch bei uns an Bedeutung. „Moosdächer“, besonders für Flachdächer, finden schon lange Anwendung. Dafür eignen sich trockenresistente Moose aus den Familien der Pottiaceen (Pottmoose) und Grimmiaceen (Kissenmoose).

 

 

 

Düll, R., B. Düll – Wunder (2012): Moose einfach bestimmen. Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim.

 

Frahm, J. P. (2001): Biologie der Moose. Spektrum Verlag.

 

Frahm, J. P. (2006): Moose. Eine Einführung. Weissdorn Verlag.

 

Köckinger, H., M. Suanjak, A. Schriebl, C. Schröck (2008): Die Moose Kärntens. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten.

 

 

 

Mag. Dr. Adolf Schriebl ist Biologe, Lehrer und Moosexperte. Er hat u.a. die Moose in Kärnten und anderen Teilen Österreichs dokumentiert und analysiert.

 

 

 

 

 

Wetter: Wie Umwelt und Umfeld unsere Gesundheit prägen.

 

Natürlich prägen uns unsere Umwelt, das Feld, in dem wir leben, und sogar das Wetter. Menschen aus Ländern mit harten Wetterbedingungen haben offenbar andere und mehr Lernaufgaben, als die in der Karibik, denen ganzjährig die schönsten Früchte gleichsam in den Mund wachsen. In Sonnenländern herrschen das sonnigere Gemüt und eine Sorglosigkeit, die Menschen aus schattigeren Regionen oft fehlt. Das ist auch ein Grund, warum diese in den Ferien die Sonnenländer in einer Art moderner Völkerwanderung suchen und sich in der Sonne braten lassen, wohl getragen von der Hoffnung, diese lichte Lebenskraft in sich speichern und nach Hause mitnehmen zu können. Auf der Ebene von Vitamin D ist das ja auch tatsächlich möglich, wenn auch nur für drei Tage.

 

 

 

Und natürlich ist das Wetter auch kurzfristig stimmungsprägend, heftige Stürme erinnern an die Stürme des Lebens. Unwetter durch atmosphärische Druckunterschiede spiegeln entsprechende Druckunterschiede, die sich zwischen Menschen und vor allem Partnern aufbauen. Auch Jahreszeiten haben erheblichen Einfluss auf Lebensstimmung und Situation. So gibt es Herbst-Winter-Depressionen, wohingegen Sommer-Depressionen unbekannt sind, was wir sogar biochemisch erklären können. In den dunklen Jahreszeiten braucht der Organismus einfach mehr Melatonin, das Hormon der Nacht und dunklen Lebenshälfte. Da dieses aus dem Wohlfühlhormon Serotonin hergestellt wird, sinkt die Stimmung. Als Ausgleich essen Menschen in den dunklen Jahreszeiten mehr Süßigkeiten und vor allem Schokolade, die die Vorstufe von Serotonin, die Aminosäure L-Tryptophan enthalten. Andere schlucken aus diesem Grund Antidepressiva der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer-Klasse. Junge Raver werfen Ecstasy ein, das den Serotoninspiegel schlagartig erhöht. Die gesündeste und intelligenteste Möglichkeit wäre, die Rohkostmischung „Take me – Glücksnahrung“, die in einem morgens nüchtern genommenen Esslöffel den gesamten Tagesbedarf an Serotonin liefert.

 

Auch das Umfeld bestimmt unsere Lebensqualität. Lebensgewohnheiten verschiedener Gegenden unterscheiden sich, wobei auch hier das Wetter hereinspielt. So fällt in Regionen mit Weinbau und überwiegend Weintrinkern eine lockere leichtere Stimmung auf als in jenen mit Bier-Kultur. Im Wein steckt wohl einfach viel mehr Sonne als im Bier.

 

Wie stark das direkte Umfeld wirkt, ist von der Sozialforschung ausführlich belegt. Die Schicht-Undurchlässigkeit in Deutschland ist durch die Pisa-Studie peinlich enthüllt worden. Karrieren vom Tellerwäscher zum Konzernchef, wie für die USA typisch, sind in Deutschland die große Ausnahme. Wer als Kind schon gefragt wird, was er einmal studieren möchte, wird sich mit dem Wechsel an die Uni leicht tun. Wenn die Option, ob er überhaupt studieren möchte, gar nicht existiert, wird er sich leichter tun als ein Kind, in dessen Familie bisher niemand studiert hat. Felder und Umwelt bestimmen in viel größerem Ausmaß als bisher angenommen unser Leben, wie die Wissenschaft der Epigenetik eindrucksvoll belegt.

 

 

 

Dr. Ruediger Dahlke ist Arzt, Psychotherapeut, Buchautor und Ernährungsexperte. www.taman-ga.at; www.peacefood.org; Foto: David Köhler

 

 

 

 

 

 

 

 

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