Vier Fachleute, vier Behandlungsstrategien bei Wetterfühligkeit...

Ganzheitliche Methoden haben in ihren Zugängen zu Krankheiten unterschiedliche Ansätze. Für Patienten ist es oft nicht leicht, sich zu orientieren. Die lebensweise stellt deshalb verschiedene Therapiekonzepte vor – und nicht selten finden sich überraschende Berührungspunkte.

Ayurveda.

Der Vorteil der Vedischen Medizin ist nicht nur ihre Ganzheitlichkeit, sondern auch ihre Einfachheit. Ayurveda (übersetzt: Die Wissenschaft vom Leben) ist das älteste Gesundheitssystem und wird als die „Mutter der Heilkunde“ bezeichnet.

Die unendliche Vielfalt der verschiedenen Ausdrucksformen des Lebens werden im Ayurveda (der im Westen bekannteste Teil der Vedischen Medizin) auf drei dynamische Grundprinzipien – die Doshas – zurückgeführt: Vata – Bewegung, Pitta – Umwandlung und Kapha – Stabilität. Das gesamte materielle und geistig-feinstoffliche Universum ist ein Spiel dieser drei Doshas. Abgesehen von den Grundqualitäten jedes Menschen, ist auch jeder Rhythmus und Zyklus in der Natur Vata-, Pitta- oder Kapha-dominant.

Die kalte, raue und windige Jahreszeit des Spät-Herbstes und Winters, wird vom kalten, leichten, rauen und wechselhaften „Windprinzip“ – Vata – dominiert. Menschen mit einer „Vata-Konstitution“ werden die Übergangszeit mit Wind und kühleren Temperaturen als unangenehm empfinden. Symptome wie Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, oder Kreislaufbeschwerden können in dieser Zeit häufiger auftreten.

Die Ayurveda Medizin empfiehlt daher in der kalten Jahreszeit darauf zu achten, dass Vata durch Ernährung und Tagesroutine nicht zusätzlich angeregt, sondern besänftigt wird. Das erreicht man u.a. durch einen regelmäßigen Tagesablauf, warme Speisen und warme Getränke, Ölmassagen und Vata-beruhigende Gewürze und Nahrungsmittelzusätze. Auch ayurvedische Entschlackungskuren sind in dieser Zeit sinnvoll.

Nachdem diese Jahreszeit dazu verleiten kann, das zunehmende Vata in zusätzliche „Bewegung“ umzusetzen, ist es wichtig, auf die Besinnlichkeit und die Ruhe besonderen Wert zu legen (früh schlafen gehen, Meditation).

Genauso wie im Übergang Sommer/Herbst Probleme für Menschen mit Pitta-Konstitution und im Übergang Herbst/Winter Probleme für Menschen mit Vata-Konstitution auftreten können, kann es zu Kapha- und Vata-Symptomen im Übergang Winter/Frühjahr, Kapha-Symptomen (Frühjahr/Sommer) und Pitta-Symptomen (Sommer/Herbst) kommen. Dieselben Probleme können auch bei Wetterwechsel auftreten, z.B. Kapha-/Ama-Probleme bei Wärmeeinbruch (Föhn), Vata-Probleme bei kühl-windigen, oder Kapha-Probleme bei feucht-kühlen Wetterphasen.

 

Dr. Lothar Krenner ist Arzt für Allgemeinmedizin, Vortragender für Ayurveda an der Medizinischen Universität Wien und Präsident der Österreichischen Ärzte-Gesellschaft für Ayurvedische Medizin - Maharishi Vedische Medizin. www.ayurveda.at

 

Anthroposophie.

Jo-Jo-Wetter – Föhn, Hitzewellen, wechselnde Luftfeuchtigkeit, Gewitter, Luftdruckschwankungen – dies macht wetterfühligen Menschen zu schaffen. Schmerzen jeglicher Art – Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Narbenschmerzen usw. – und Stimmungsschwankungen können durch Wetterkapriolen verstärkt werden. Schmerzsyndrome haben zum Teil eine Abhängigkeit von Außenwelteinflüssen wie zum Beispiel Wetterfühligkeit. Häufig mangelt es den betroffenen Menschen an einer wärmenden, schützenden Hülle. Dadurch werden sie aus dem Gleichgewicht geworfen und „Körper, Geist und Seele“ haben Kommunikationsschwierigkeiten.

Die Folge sind schwer lokalisierbare Schmerzen von ziehender und krampfender Qualität, welche durch eine Störung der peripheren Zirkulation mit folgender lokaler Azidose („Übersäuerung“), Stauung und Schwellungsneigung einhergehen.

Wetterfühlige Menschen sind wunderbare Wetterfrösche. Wandelnde Wetterpropheten können dies positiv nutzen und mit ausreichend Schlaf, Bewegung in der Natur und basischer Ernährung die gröbsten Auswirkungen des Jo-Jo-Wetters vermeiden.

Unterstützend kann ein Heilmittel aus einem Moorextrakt, Rosskastanie und Acker-Schachtelhalm eingesetzt werden. Dieses Heilmittel bildet eine wundervolle Kombination, welche auflösend, entquellend und entschlackend wirkt. Dies bildet ebenso die Grundlage für eine wärmende, schützende Hülle, welche die Abschirmung von seelischen und atmosphärischen Belastungen gewährleistet.

 

Dr. Tanja Hohenwarter ist Allgemeinmedizinerin in Feldkirchen u. spezialisiert auf Anthroposophische Medizin, spezielle Schmerztherapie u. manuelle Medizin.

 

Akupunktur und TCM.

Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin und der Akupunktur kann man Wetterfühligkeit zumindest eindämmen. Es gibt hier ganz eigene spezielle Akupunkturpunkte. Interessant ist, dass von Wetteränderungen und Umschwüngen vor allem ein organischer Funktions- und Problemkreis betroffen ist und sich einerseits Schmerzen in den Gelenken und rheumatische Beschwerden bei Wetterumschwüngen, oder davor, häufen und auch Migräne und Kopfschmerzen zunehmen.

Aus Sicht der Traditionellen chinesischen Medizin betreffen alle diese Symptome den Bereich der Leber und Galle. Genau diese Organbereiche sind heute aber bereits durch den Alltagsstress, den zunehmenden beruflichen Druck - Stichwort Burnout - stark betroffen und belastet. Es ist deshalb auch zu erwarten, dass Wetterfühligkeit insgesamt in der Bevölkerung zunehmen wird. Alles, was uns aufregt und stresst, schwächt auch die Organe Leber und Galle und das sind wiederum genau jene Bereiche, die eigentlich stark sein müssen, um uns gegen Wetterwechsel und Wetterfühligkeit zu schützen.

Allerdings sollte man noch etwas bedenken, wenn man von Wetterfühligkeit betroffen ist und sich entsprechende Symptome zeigen: Das ist immer auch ein Zeichen dafür, dass eben grundsätzlich etwas im Organismus nicht stimmt beziehungsweise geschwächt ist. Es ist ein Zeichen, dass etwas im Körper schummert, wenn man etwa mit Migräne, rheumatischen Beschwerden oder sehr starker Antriebslosigkeit auf Wetterumschwünge reagiert.

Ein bisschen Müdigkeit ist normal, das macht nichts, aber wenn es mehr ist, sollte man den Symptomen nachgehen. Ein gesunder, starker Körper sollte eigentlich Wetterumschwünge locker wegstecken können.

 

Dr. Leopold Dorfer ist Akupunkturarzt in Graz und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für kontrollierte Akupunktur und TCM.

 

Homöopathie.

Wetterfühligkeit oder Meteoropathie bedeutet eine Überempfindlichkeit gegenüber Witterungserscheinungen wie Luftdruckschwankungen, Föhn, Hitzewellen, Wetterwechsel wie Kaltwettereinbrüche oder Gewitter.

Wetterfühligkeit gilt jedoch nicht als Krankheit, sondern bedeutet eine verminderte Fähigkeit, mit den natürlichen Wetterveränderungen fertig zu werden. Es besteht dabei eine erniedrigte Reizschwelle des vegetativen Nervensystems. Fast jeder dritte Mensch in Österreich ist davon betroffen und reagiert vom homöopathischen Standpunkt aus gesehen jeweils mit ganz individuellen Beschwerden darauf.

Wenn im Herbst die Tage noch warm, die Nächte aber kühl bis kalt werden, ist die Zeit für Dulcamara (Bittersüß) gekommen: Kinder spielen abends noch bloßfüßig im Gras und klagen schon in der Nacht über Schmerzen beim Harnlassen. Findet ein plötzlicher Wetterwechsel mit großem Temperaturabfall statt, weht dazu ein kalter Wind, kann man bei entsprechender Empfindlichkeit an einer Mittelohrentzündung erkranken. Auch ein steifer Nacken oder heftige Schulterschmerzen mit dem Hintergrund der schnellen Abkühlung lassen sich mit Dulcamara (D 12 2x/Tag 5 Globuli) gut beheben.

 

Bryonia (Zaunrübe) ist ebenfalls eine Arznei bei Wetterwechsel von warm nach kalt. „Ich bin ein Sturschädel“, erklärt mir ein 10jähriger Bub im Dezember. „Die Mama möchte, dass ich den Anorak anziehe, wenn ich mit dem Bus nach Hause fahre – das will ich aber nicht!“ Der Husten ist trocken, schmerzhaft, es sticht bei jeder Hustenattacke. Das sind die typischen Bryonia Hustensymptome, auch eine grantige Stimmung wie im Beispiel des Jungen, spricht für diese Arznei. Bryonia hilft ebenso bei Wirbelsäulen- und Gelenksbeschwerden, die sich bei jeder Bewegung verschlechtern.

Sind Sie an der Haltestelle in den Regen gekommen und leiden seither unter einer Nackenverspannung, einem Hexenschuss mit ziehenden, reißenden Schmerzen oder unter schweren Beinen mit einem Taubheitsgefühl ist Rhus toxicodendron (Giftsumach) die richtige Arznei: (D 12 2x/Tag 5 Globuli). Rhus tox. ist immer dann angebracht, wenn die fortgesetzte Bewegung bessert – das heißt, dass Sie in der Früh schwer, unter Schmerzen und Stöhnen aufstehen. Sobald Sie jedoch auf der Toilette waren, Zähne geputzt haben, bessern sich die Schmerzen.

Mercurius solubilis, Quecksilber reagiert fein auf jeden Wetterwechsel. Patienten, die diese Arznei benötigen, fühlen sich am besten bei gemäßigten Temperaturen, sie reagieren wie Dulcamara besonders stark beim Wechsel von warm nach kalt.

Von der Wetterfühligkeit zu unterscheiden ist die Wetterempfindlichkeit, die sich durch Verschlimmerung bestehender Krankheiten, örtlicher Beschwerden und Schmerzen äußert.

 

Dr. Gloria Kozel ist Allgemeinmedizinerin und Homöopathin in Graz sowie Fachbeirätin der „Initiative Homöopathie hilft“.

 

 

 

 

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