Gedanken und Ideen der lebensweise-Experten

Expertinnen und Experten verschiedener ganzheitsmedizinischer Bereiche unterstützen als Fachbeiräte die lebensweise-Redaktion. Hier treten sie vor den Vorhang und stellen ihre Gedanken vor. Diesmal schreiben der Ganzheitsmediziner und Psychotherapeut Ruediger Dahlke und die Philosophin Sathya Bernhard über Rhythmen, Rituale und die Kraft des Betens.

 

Dr. Sathya Alessandra Bernhard bin Saif

 

Beten: Singen, danken, schreiben und versenken.

 

 

Das Gebet ist eine rituelle nonverbale oder verbale Zuwendung an ein transzendentales Wesen. Gebete schützen, fördern und unterstützen verschiedenste Anlässe im Leben, besonders die geistige Entwicklung. Beten bedeutet Bitten und Schutz, es ist Bitten und Danken in einem. Es ist ein Dialog mit Vertrauensbildung, da das Gebet daran erinnert, dass wir von einer höheren geistigen Macht gefördert werden. Beten fördert meiner Meinung nach, die innere Geisteshaltung und unterstützt damit meine eigene charismatische Entwicklung.

 

Wichtig ist mir, dass es einen Unterschied gibt zwischen Beten und Wünschen – ein besonders netter Gedanke ist hierzu: „Wie bringst du Gott zum lachen? – Erzähle ihm von deinen Plänen!“ Beten stärkt die innere Verbindung, es hilft dabei, vom Herzen her hin hören zu können. Besonders schön sind für mich die folgenden Sätze: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf Erden.“ Und „Erhelle unsere Augen durch das Licht deiner Führung. Erquicke unsere Ohren mit dem Wohlklang Deines Wortes.“ Beten kann man auch in Form eines Mantras, in einer rezidativen Form, um dabei zu lernen, denken zu können. Dabei kommt man in eine religiöse Versenkung, eine rückbezügliche Verbindung. Yoga, Mantras singen, Schreiben und Danken – all dies stellt im Alltag eine Verehrung des Göttlichen dar, es erinnert uns an die Kraft, die uns leitet und uns führt.

 

 

 

Aussöhnung und Vergebung

 

 

 

Wirkungsvoll ist, das Beten in das Ritual des Ho' oponopono einzubauen. Dies ist ein Verfahren der alten Hawaiier zur Aussöhnung und Vergebung. Bei diesem Ritual dankt man den Ahnen, es hilft dabei, sich selbst zu verzeihen, sich die Chance zu geben, neu anzufangen und sich selbst zu lieben. Beten ist die Ansammlung der Kräfte aus dem Ursprung. Und es ist absolut konfessionslos. Beim Falten der Hände zum Gebet bündelt man gleichsam auch die Kräfte der sieben Planeten, man wird dabei Teil des Planetariums, Teil des Ganzen.

 

Wichtig ist, dass das Gebet nicht nur in der christlichen Mythologie wichtig ist, sondern in vielerlei Traditionen – es ist die Anrufung aller Wesenheiten, die sich positiv um die Menschheit bemühen, wie Naturgeistwesen.

 

Beten verändert auch die Toleranz, es gibt Menschen, die erst im Angesicht schwerer Erkrankungen darum bitten, gesund zu werden. Der Mensch hat eine Tagesliturgie, einen Ritus, gleichsam wie ein Stundengebet. Am Morgen beinhaltet das Gebet die Bitte um Schutz, am Abend den Dank für den Tag. Man kann auch im Alltag einen eigenen Segen rezitieren, um gesegnet zu sein, gesund leben zu dürfen. Diese Form der Gebetspraxis macht vertrauensvoll, man lernt dabei, zu lieben und zu formulieren, was man braucht. Dieser Ritus bringt aus dem Alltagstrott und ist eine Geste der Hingabe, um sich auf das Wesentliche, das Göttliche zu konzentrieren. Für mich bedeutet Beten Suchen und gleichzeitig Finden. —

 

 

 

Dr. Ruediger Dahlke

 

Rhythmus: Das Schwingen um die Mitte.

 

 

 

Alles Leben ist Rhythmus formulierte Rudolf Steiner, und alles gibt ihm Recht. Mittels Rhythmus gelang es ihm, Pflanzentinkturen zu stabilisieren, wovon bis heute die anthroposophische Pharmakologie zehrt. Dass Rhythmus für Leben spricht, weiß inzwischen auch die Schulmedizin, denn sobald der Herzrhythmus in unveränderlichen Takt übergeht, droht der Tod. Die Messung der Herzfrequenz-Variabilität beruht darauf. Insofern haben unsere Maschinen einschließlich Herzschrittmacher immer nur Takt zu bieten, wohingegen Leben Rhythmus braucht. Letztlich lieben wir den Rhythmus auch, er kann uns nicht nur beim Tanzen in Fluss bringen, sondern auch sonst unserem Leben den richtigen Schwung geben. Dass er seinen Rhythmus gefunden habe, sagt der Sportreporter von einem Tennisspieler, der gut ins Spiel gekommen ist und dem vieles gelingt. Ist das nicht der Fall, ist er nicht in seinem Rhythmus, sondern im Widerstand. Das kann ihn den Sieg kosten. Das gilt aber natürlich auch für Golfer, die um ihren Schwung ringen und eigentlich für alle Sportler und letztlich Menschen in allen Lebenslagen.

 

Rhythmus ist Schwingen um eine Mitte. Diese Mitte ist das Ziel aller Medizin, die genau wie die Meditation diesen Anspruch noch im Wort trägt. Auch im Heil-mitte-l schwingt er mit, früher noch deutlicher, als es Re-medium (lat. zurück zur Mitte) hieß, wie heute noch im angelsächsischen „remedy“, etwa in Rescue-remedy, der Bachblüten-Mischung für Notfälle.

 

 

Wie aber kommen wir in unseren Rhythmus? Wir können es dadurch erreichen, indem wir einfach etwas anfangen und hoffen, dass wir hineinfinden. Ein Reiter mag aufsteigen und losreiten und darauf vertrauen, dass er schon einen gemeinsamen Rhythmus mit dem Pferd findet. Ähnlich beim Tanzen, einfach loslegen und hoffen, dass sich der gemeinsame Rhythmus ergibt. Wir könnten aber auch auf Rituale setzen, um es uns von Anfang an zu leichtern. Primitive, die wir lieber archaisch nennen sollten, weil sie etwa im Hinblick auf Übergangsrituale des Lebens weniger primitiv sind als wir, können uns das lehren. Fast alle Trommler und Tänzer, nutzen sie Rhythmen, um sich in ein gemeinsames Feld zu begeben. So finden sie zusammen und können ihre Kraft und Energie erhöhen. Ein weiterer wichtiger Faktor, der Rituale fördert, ist Achtsamkeit. Wer sich bewusst vor dem Essen die Hände in Unschuld wäscht, hat ungleich mehr davon, als wenn es nur leere Gewohnheit ist.

 

Wo es gar nicht klappt mit dem Rhythmus im Leben sind Rituale entscheidende Hilfen. So können einfache Lebensrituale wie gemeinsames Essen etwa Drogenabhängigen helfen, wieder in einen gesünderen Lebens-Rhythmus zu finden.

 

Wo es überhaupt nicht gelingen will, wäre eine Widerstandsanalyse zielführend und die Frage, womit bin ich so im Widerstand, dass ich meinen Rhythmus nicht finde? „Das Buch der Widerstände“ leistet dabei Hilfestellung für die Widerstände mit der äußeren Welt. "Krankheit als Symbol" für die Widerstände innen, die sich als Krankheitssymptome manifestieren. —

 

 

 

Web-Link und Literatur zum Thema

 

von Ruediger Dahlke:

www.dahlke.at

www.taman-ga.at

www.mymedworld.cc

 

 

 

„Krankheit als Symbol“ (Bertelsmann)

„Das Buch der Widerstände“ (Goldmann Arkana)

„Lebenskrisen als Entwicklungschancen“ (Goldmann)

 

 

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