Zeit der Rituale und Rhythmen

Fotocredit: iStockphoto.com
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Franz von Assisi, Namensgeber des aktuellen Papstes, hat den Ritus der Weihnachts-krippe eingeführt. Mit diesem Ritual wollte er ein Zeichen der Menschwerdung setzen. Ein Essay auf der Suche nach dem weihnachtlichen Rhythmus.

 

 

 

Von Christian W. Bernhard

 

Es war keine schöne Zeit. Und auch keine heilige. Zurückgezogen lebte er, der Franz von Assisi. Nahe dem Städtchen Greccio in Umbrien, nur von wenigen seiner Brüder umgeben, den ersten Franziskanern, diesen Minderbrüdern, wie sie sich selbst nannten, um ihrer Demut Ausdruck zu geben. Den Schwur auf die Armut hatten sie geleistet; dem Bruder Franz waren sie gefolgt und nun lebten sie im Wald, in einer kleinen, dürftig eingerichteten Behausung, ohne Besitz, nur mit den Kleidern, die sie am Leib trugen und dem Versprechen, selbst diese Kleider jederzeit zu verschenken, wenn sie jemandem begegneten, der noch ärmer war als sie selbst.

Die Weihnachtszeit nahte. Und Franziskus sagte seinen Brüdern, dass er in den Wald gehen wolle, das Christuskind in seiner Krippe aufzusuchen. Man schrieb das Jahr 1223. 18 Jahre waren vergangen, seit dem Tag, als Franziskus die Kirche von San Damiano betreten hatte und sein Herz eine solche Süße erfüllt hatte, wie dies sein Weggefährte Celano beschrieb, dass er weder reden noch sich bewegen konnte. Vor dem Bild des Gekreuzigten war Franziskus gestanden und hatte die milde und gütige Stimme des Herrn vernommen: „Franz, siehst du nicht, wie mein Haus verfällt? Gehe und stelle es wieder her!“ Und seit diesem Tag war er, der geborene Giovanni Bernardone, dessen Vater ihm den Spitznamen Francesco ('kleiner Franzose') gegeben hatte, um damit zu sagen, er sei von seiner Mutter, die Französin war, verzärtelt und verwöhnt worden, war dieser Francesco also nur noch jenen Worten gefolgt und hatte das Haus des Herrn wieder errichtet. Zu Beginn erbaute er aus den Ruinen der Kirche von San Damiano ein neues Gotteshaus, und als es fertiggestellt war, reiste er durch Italien und nach Spanien und bis nach Jerusalem um das Haus des Herrn in den Herzen der Menschen wieder zu errichten.

 

Wir aber sind mit Franz an dem Weihnachtstag des Jahres 1223 zugegen, als dieser das erste Mal ein Kind in einer Krippe verehrt, als er aus einer tiefen Liebe und Inspiration heraus, eine lebendig dargestellte Form der Krippeninszenierung darstellen lässt, um darin ein Andenken an Jesus, den Menschensohn, das neu geborene Kind seinen Gefährten als Erinnerung zu schenken.

Deshalb richtet Franz sich mühsam auf, um zur Krippe zu gehen, weil sein Körper, obgleich erst 42 Jahre alt, schwer gezeichnet ist von der Askese, erhebt sich und flüstert seinen Brüdern zu, dass ein wunderbares Geschenk auf sie alle im Wald warte, um das alle das Christuskind verehren würden können. Ohne zu ahnen, wovon er spricht, folgen ihm die Brüder...

 

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