Hinsehen, Annehmen, Loslassen

Fotocredit: Fotolia.de
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Wer schlägt sich nicht mit Gefühlen oder Gedanken herum, die er lieber nicht hätte? Oft führen emotionaler Leidensdruck oder negative Überzeugungen in eine psychotherapeutische Praxis, häufig mit dem Wunsch, den Leidensdruck abzubauen. Aber wie funktionieren Loslassen und geistiges, respektive emotionales Entschlacken?

Psychotherapeutische Techniken reichen von einer umfangreichen Selbstanalyse, wie sie in der klassischen Psychoanalyse angestrebt wird, bis zu Körperpsychotherapien, bei denen der Fokus nicht auf dem Geist oder auf den Emotionen, sondern im Spüren und Wahrnehmen liegt. Und besonders in Therapien, die den Körper miteinbeziehen, ist das Entladen oder Loslassen oft Teil einer längeren Reise.

„Gedanken haben die Tendenz, sich auszubreiten, das ist Teil ihres Wesens“, erklärt die Wiener Körperpsychotherapeutin Klaudia Gehmacher. „Das Körpersystem hingegen hat den Drang, Harmonie und Gleichgewicht herzustellen. Der Körper hat eine stabilisierende und regulierende Tendenz, was für den Heilungsprozess sehr hilfreich sein kann, gerade wenn sich emotionale Probleme körperlich niederschlagen.“

Klaudia Gehmacher warnt jedoch auch davor, den Fokus zu sehr auf das Thema Loslassen zu legen. Eine Körperpsychotherapie kann dabei unterstützen, eine falsche Körperhaltung, destruktive Glaubenssätze oder unangenehme Emotionen zu verändern, aber der Drang zum Loslassen kann auch eine kontraproduktive Wirkung haben.

„Menschen sprechen oft davon, dass sie etwas loslassen möchten, obwohl sie es eigentlich loswerden möchten. Und das ist etwas ganz anderes. Ich kann Persönlichkeitsanteile, die mir unangenehm sind, oder Erlebnisse, die Teil meiner Biografie sind, nicht verschwinden lassen, denn sie gehören zu mir. Wenn man das versucht, kann es zu einer Spaltung und damit Selbstverletzung kommen. Eine recht gängige Form der Spaltung in unserer Kultur ist übrigens die Verachtung, und diese richtet sich nicht selten gegen den Körper: als Stellvertreter für etwas anderes, zum Beispiel die eigene Verletzlichkeit oder Unvollkommenheit. Bei näherer Betrachtung ist das Loslassen oder das Entladen - wie auch immer verschiedene Ansätze es bezeichnen, in einen umfassenderen Zyklus eingebettet.

Gerda Boyesen, welche die biodynamische Therapiemethode maßgeblich beeinflusste, sprach vom vasomotorischen Zyklus als Ausdruck der natürlichen...

 

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