In Patienten lesen wie in einem Buch

Foto: Fotolia.de
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Für medizinische Erfolge spielt die ärztliche Intuition eine wichtige Rolle, konstatiert der Ganzheitsmediziner Michael Frass. Mit Verständnis, Empathie und (Bauch-)Gefühl könne man in Patienten oft lesen wie in einem Buch, erklärt der Internist und Homöopath im Gespräch mit Andreas Feiertag.

Klinische Leitlinien gelten in der evidenzbasierten Medizin als wichtiges Instrument, um die Versorgungsqualität von Patienten zu verbessern. Zahlreiche Studien weisen allerdings darauf hin, dass es bei der ärztlichen Umsetzung von Leitlinien noch hapert. Und dennoch sprechen viele medizinische Erfolge eine deutliche Sprache. Führen also mehr Faktoren zum Ziel als nur die definierten Standards? Hängt die korrekte Umsetzung von medizinischen Leitlinien möglicherweise nicht vom Wissen über entsprechende Handlungs- und Entscheidungsempfehlungen ab?

 

Eine deutsche Forschergruppe um Ute Karbach von der Medizinischen Fakultät der Universität Köln ging dieser Frage auf den Grund und untersuchte die Umsetzung kardiovaskulärer Leitlinien in der hausärztlichen Praxis. Das Resultat: Nur 40 Prozent der untersuchten Ärztinnen und Ärzte verfügten „definitionsgemäß über eine adäquate Leitlinienkenntnis“. Trotzdem setzten die Mediziner mit und ohne Leitlinienwissen die Empfehlungen in 12 von 16 Indikatoren nahezu gleich um. Vier Indikatoren wurden von Ärzten ohne „adäquate Leitlinienkenntnis“ sogar zu einem höheren Anteil erfüllt.

 

Für die Forscher führen demnach viele Wege nach Rom – neben Leitlinienwissen auch ärztliche Qualifikation, Erfahrung und vor allem: ärztliche Intuition. Diese, gepaart mit Vertrauen, Geduld, Verständnis und Gefühl sind für den Wiener Internisten Michael Frass, Präsident des Dachverbandes Österreichischer Ärzte für Ganzheitsmedizin, auch der Schlüssel zur Empathie.

 

Intuition wird als sechster Sinn bezeichnet. Ist dieser Vergleich zulässig?

Ich denke, dass dieser Vergleich im Sinne von Eingebung, ahnendem Erfassen durchaus zulässig ist. In der Medizin ist jedenfalls eine intuitiv erfasste Kombination aus Wissenschaft und Kunst vorteilhaft.

 

Auf was stützt sich die Intuition? Sie kann sich ja nicht auf die bewusste Wahrnehmung stützen, da sie ja sonst keine Intuition wäre.

Die Intuition ist wohl nicht primär vom Bewusstsein her regulierbar, wohl aber spielt hier sicher ein Erfahrungs- und Wissensfaktor mit, bevor der Intuition freier Lauf gelassen wird; der begleitende Intellekt führt nur noch aus oder prüft bewusst die Ergebnisse, die aus dem Unbewussten kommen...

 

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