Die Sinne schärfen

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Die Medizin verkommt zunehmend zur technischen Absicherungsmedizin. Umgekehrt erlernen Jungärzte immer seltener den persönlichen Austausch mit Patienten. Warum aber soll es Ärzten anders gehen, als den meisten Menschen? Computer, Mobiltelefonie, Internet, Werbung, Fernsehen und vor allem Stress im Privat- und Berufsleben lenken ab und trüben unsere Sinne. Ein Dossier, wie wir die Wahrnehmung verbessern können.

Martin Rümmele

 

Anfang März tagten 20.000 Radiologen aus ganz Europa in Wien. Und sie gaben sich durchaus selbstkritisch: „Ein Drittel der Untersuchungen ist klinisch nicht gerechtfertigt oder nicht nützlich“, sagte der Präsident der Europäischen Gesellschaft für Radiologie, Guy Frija. Die Einsparung unnötiger Untersuchungen würde die vorhandenen Radiologie-Kapazitäten für sinnvolle Scans erhöhen, Kosten im Gesundheitssystem senken und nicht zuletzt auch den Patienten unsinnige Strahlenbelastungen ersparen. Gründe für die „überflüssige“ Bebilderung ortet der Chefradiologe viele: die Verlockung der „schönen Bilder“ aus dem Inneren des Körpers etwa, aber auch „ökonomische Triebkräfte“ – etwa weil mehr Bilder auch zu mehr Einnahmen und damit zur leichteren Finanzierung der teuren Geräte führen und nicht zuletzt die „Absicherungsmedizin“.

 

Der Ganzheitsmediziner und Buchautor Ruediger Dahlke sieht hier auch ein generelles Problem: „Mein Großvater, auch ein Arzt, ging noch davon aus, dass der ärztliche Blick das entscheidende diagnostische Verfahren sei“, erläutert Dahlke. „Damals ließ man noch gezielt Laborbefunde erheben, um eine Diagnose abzusichern. Heute macht der Labor-Computer sicherheitshalber einmal alles und die Diagnose soll sich aus den Daten ergeben.“ Dadurch würden dann Werte zur Norm „therapiert“ und nicht selten laufe alles auf Nebenschauplätze hinaus...

 

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