Spermien können riechen

Foto: Photoxpress.com
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Sehen, hören, schmecken – alles langweilig. Zumindest für Hanns Hatt und sein Team von der Ruhr-Universität Bochum. Das, womit diese Forscher leidenschaftlich ihre Tage verbringen, ist die Nase. Und das, was sie alles kann, erzählt Hatt im Gespräch mit Nora Kirchschlager.

Wie funktioniert Riechen?

Der Mensch hat in der Nase etwa 30 Millionen Riechzellen und 350 verschiedene Riechrezeptoren, also Riechzelltypen. Das heißt, wir haben unter den 30 Millionen Riechzellen 350 Spezialzellen, die Düfte sozusagen untereinander aufteilen. Von jedem dieser Spezialtypen also 100.000. Anders formuliert: 100.000 Zellen haben den Vanillerezeptor, 100.000 den Moschusrezeptor und so weiter. Wenn jetzt eine Duftmolekülmischung – Düfte sind ja immer Gemische aus vielen verschiedenen Duftstoffen – diese Riechzellen erreicht, dann müssen sich die einzelnen Duftmoleküle die Zelle suchen, die den richtigen Rezeptor für sie hat. Mit diesem treten sie in Kontakt und lösen einen elektrischen Impuls aus, der an das Gehirn geleitet wird. Und aus der Kombination der Zelltypen, die aktiviert werden von diesen 350, können wir dann erkennen, um welchen Duft es sich handelt.

 

Sie haben in Ihrem Labor herausgefunden, dass nicht nur die Nase riechen kann. Was denn sonst noch alles?

In vielen verschiedenen Körpergeweben, etwa von Herz, Leber, Magen-Darm, Lunge und Haut, bis hin zu den Spermien und dem Gehirn finden wir Riechzellen, wie sie in der Nase vorkommen. Von den Spermien konnten wir zeigen, dass dort die Riechrezeptoren, wenn man sie mit Duftstoffen aus dem Vaginalsekret aktiviert, dazu führen, dass die Spermien ihre Bewegungsrichtung und die Geschwindigkeit verändern. Oder auf Prostatakrebszellen haben wir einen Rezeptor gefunden, wenn man den stimuliert, dann hemmt der die Teilung der Zellen. Auf den Hautzellen gibt es einen Riechrezeptor für Sandelholz. Wenn man den stimuliert, wird das Wachstum der Hautzellen verstärkt – das wirkt sozusagen wie eine Wundheilung...

 

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