Der Trauer Raum geben

Foto: Photoxpress.com
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Trauer ist ein Gefühl, das nicht mehr in unsere Zeit zu passen scheint. Denn wer trauert, ist meist auch antriebslos und erschöpft, kommt mit dem Tempo der Umwelt nicht mehr mit. Um in der Arbeit und im sozialen Leben so schnell wie möglich wieder zu funktionieren, verdrängen deshalb viele dieses als hinderlich empfundene Gefühl. Dabei ist es gerade das Zulassen der Trauer, das den Schmerz lindert.

Trauer ist, wie Freude, Wut oder Angst, eine elementare menschliche Emotion. Sie ist die natürliche Reaktion auf den Verlust von jemanden oder etwas, den/das man liebt. Viele Menschen haben es schon erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man vom Partner oder der Partnerin verlassen wird. Schock, Verzweiflung, Ohnmachtsgefühle. Die schlimmste Form der Trauer ist aber sicherlich die um den Verlust eines verstorbenen, nahestehenden Menschen.

 

Betroffene werden dadurch oft völlig aus der Bahn geworfen, ihr Leben ist nicht mehr so, wie es einmal war. „Die Menschen sind verzweifelt, in Not, kennen sich mit sich und der Umwelt nicht mehr aus, sind unter Druck, angespannt, verunsichert, leer, der Lebensalltag ist eine enorme Belastung“, so die Wiener Psychotherapeutin Susanne Mühlbacher-Thauss. Und die Trauerbegleiterin Ines Pfundner fügt hinzu: „Gefühle der Trauer haben Auswirkungen auf den gesamten Organismus. Die Menschen, die zu mir kommen, leiden an den unterschiedlichsten Beschwerden. Das kann gehen von Schlaflosigkeit und hoher Infektanfälligkeit über Gliederschmerzen und Magen-Darm-Problemen bis hin zu Panikattacken, Herz-Rhythmusstörungen und Depressionen“.

 

Trauer ist ein Prozess, der sich in unterschiedliche Phasen einteilen lässt – nach dem Modell der deutschen Trauerbegleitungsforscherin Ruth-Marijke Smeding sind es vier: die Schleusenzeit, die Januszeit, die Labyrinthzeit und die Regenbogenzeit. Die Schleusenzeit bezeichnet die ersten Stunden und Tage zwischen dem Eintritt des Todes und der Bestattung und die ersten Wochen danach. Die Januszeit (benannt nach Janus, dem römischen Gott der Tore und Durchgänge sowie des Anfangs) ist gekennzeichnet durch ein Gefühl der Zerrissenheit bei den Angehörigen. Sie wollen den Tod ihres geliebten Partners oder Kindes nicht wahrhaben, klammern sich an die Vergangenheit, und wissen gleichzeitig, dass das Leben weitergehen muss. Es folgt die Labyrinthzeit...

 

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