Das Vermächtnis des Christiaan Barnard

Von Mag. Norbert Fuchs (beschäftigts sich mit ernährungsmedizinischer Forschung, ist im wissenschaftlichen Beirat der Nährstoff-Akademie Salzburg und Fachbuchautor)

 

Eine meiner nachhaltigsten Begegnungen war wohl jene mit Christiaan Barnard. Für jüngere Leser zur Erinnerung: Barnard war jener südafrikanische Herzchirurg, der 1967 am Groote Schuur Hospital in Kapstadt zum weltweit ersten Mal erfolgreich ein menschliches Herz transplantierte. Im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojektes hatte ich mehrere Jahre mit Barnard zu tun. Er war eine facettenreiche, starke Persönlichkeit, im Hinblick auf seine chirurgische Pionierleistung völlig uneitel, geradezu selbstironisch. Er betrachtete das Herz als mechanische Pumpe, bezeichnete seine Transplantationsleistung als Klempnerei. Dennoch widmete er sein letztes Lebensjahrzehnt vorwiegend der Vorsorge von Schlaganfall und Herzinfarkt. Dieses Präventions-Projekt gab mir auch die Gelegenheit, viel über Herz und Kreislauf zu lernen. „Würden wir unseren Herzen nur annähernd so viel Aufmerksamkeit widmen, wie den Motoren unserer Autos, würden wir alle nicht nur länger leben, sondern auch unsere Lebensqualität länger erhalten“, war sozusagen Barnards Vermächtnis.

 

Etwa 33.000 von uns sterben in Österreich jährlich an Schlaganfall oder Herzinfarkt. Damit stehen Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle mit etwa 43 Prozent an der Spitze der Todesstatistik. Dazu aber kommt noch eine viel größere Zahl jener Menschen, deren Lebensqualität durch HKL-bedingte Erkrankungen eingeschränkt ist: motorische Einschränkungen, Sprachlähmungen bis hin zu langjähriger Bettlägerigkeit. Die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind allgemein bekannt: Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen, Bewegungsmangel, erhöhte Zucker- und Blutfett-Werte. Irgendwie paradox, dass wir dennoch so leben, als wären all diese Risiko-Faktoren quasi „von oben“ vorgegeben.

 

In einem Fall aber hat diese Schuldzuweisung sogar Berechtigung. Nämlich an jenem Hebel, wo es um unsere Ernährung geht. Unser Ernährungsalltag wird zunehmend dominiert von Fertig- und Halbfertig-Gerichten aller Art. Egal, ob in der Betriebskantine, im Restaurant, auf der Autobahn-Raststätte oder sogar im Krankenhaus, wir bekommen Gerichte serviert, die von Lebensmittelkonzernen so aufbereitet wurden, dass die Zubereitung rasch und ökonomisch abläuft. Im Falle unserer „Pumpe“ geht es dabei vor allem um zwei lebensnotwendige Elektrolyte, die unseren Lebensmotor antreiben, ähnlich wie dies Öl und Benzin im KFZ-Motor tun. Magnesium und Kalium heißen die beiden Elektrolyte, ohne die in unserem Herz-Kreislauf-System gar nichts geht. Ein Großteil unserer Herz-Kreislauf-Beschwerden wird - auch heute noch - durch relative Magnesium- und Kalium-Defizite verursacht. Woher stammen denn unsere Elektrolyt-Defizite, drängt sich somit die Frage auf, wo doch unser Lebensmittel-Angebot noch nie so reichhaltig war, wie heute? Die Frage ist einfach zu beantworten: Diese Elektrolyte landen im Zuge der lebensmitteltechnologischen Aufbereitung für die „schnelle Küche“ nicht auf unseren Tellern, sondern in den Abfluss-Kanälen der Lebensmittelindustrie.

 

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