Sanfte Hilfe gegen Wechselbeschwerden

Ganzheitliche Behandlungsmethoden haben unterschiedliche Ansätze. Für Patienten ist es oft schwer, sich zu orientieren. Die Lebensweise stellt verschiedene Therapiekonzepte vor – und nicht selten finden sich überraschende Berührungspunkte.

Homöopathie

Allgemein ist die Homöopathie als Regulationstherapie bei Wechselbeschwerden sehr gut geeignet. In der klassischen Schulmedizin gewinnt zunehmend die Psychoneuroimmunologie (PNI) als interdisziplinäres Forschungsgebiet, das sich mit der Wechselwirkung der Psyche, des Nervensystems und des Immunsystems beschäftigt, an Bedeutung. Man sieht, dass es Zusammenhänge zwischen Körper und Geist gibt. Gerade hier kann die Homöopathie sehr hilfreich sein, weil sie genau hier eingreift.

So gibt es etwa Arzneien, die bei psychischen wie auch bei hormonellen Problemen helfen und zudem auch das Immunsystem stärken. Sicherlich gibt es auch gute Komplexmittel, die von Fall zu Fall hilfreich sein können, empfehlenswert ist aber eine genaue Anamnese, um zu ergründen, was jemand genau benötigt.

Im Wechsel und in der Menopause besonders bewährt haben sich Lachesis muta, Sulfur, Cimicifuga racemosa, Lilium lancifolium, Sepia officinalis und Sanguinaria canadensis.

Lachesis muta: Die Betroffenen sind sehr berührungsempfindlich, ertragen keinerlei Engegefühl, wie beispielsweise eng anliegende Kleidung, und leiden an Hitzewallungen und starker Neigung zu Schweißausbrüchen.

Pulsatilla pratensis schafft Abhilfe bei starken Unterleibskrämpfen, Verdauungsbeschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Unverträglichkeit fettreicher Nahrungsmittel) bis hin zu gestauten Venen und Krampfadern sowohl bei PMS als auch in der Menopause. Weitere typische Symptome sind schnell wechselnde körperliche und psychische Symptome wie Stimmungsschwankungen mit Weinerlichkeit.

Sepia officinalis kann bei vielen Beschwerden im Zusammenhang mit Störungen des hormonellen Gleichgewichts Abhilfe schaffen. Typische Symptome sind Hautprobleme, Müdigkeit, Lustlosigkeit, stechende Kopfschmerzen und Schwindel. Die Betroffenen sind oftmals gereizt, fühlen sich überfordert und ziehen sich zurück. Weitere wichtige Leitsymptome sind Hitzewallungen mit Schweißausbrüchen und anschließendes Frösteln und starkes Schwitzen trotz kalter Hände und Füße.

Es gibt viele Frauen, die in dieser Zeit auch von einem Karzinom betroffen sind. Umgekehrt gibt es auch Tumorpatientinnen, wo die Therapien zu Wechselbeschwerden führen. Hier kann man homöopathisch gut Symptome lindern und gut auch verschiedene unterstützende Methoden kombinieren.

Dr. med. Michaela Zorzi

TCM

Die Wechseljahre sind aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin durch abnehmende „Nierenenergie“ und allgemeinen Mangel an „Flüssigkeiten und Blute“ gekennzeichnet. „Typische für Wechselbeschwerden sind Schwindel, Hitzewallungen, starkes Schwitzen, Unruhe und unregelmäßige Menstruation“, schreibt die TCM-Ärztin Sonja Laciny in einer Analyse zum Thema.

Vor allem gelte es das Nieren-Qi zu stärken, da die Hauptursache der Wechselbeschwerden eine Nieren Yin- und Yang-Schwäche ist. Auch ein Leber- und Milz-Qi-Mangel, bedingt durch den natürlichen Verbrauch, durch Menstruation und Geburten sowie durch beruflichen und/oder familiären Stress ist typisch für diesen Lebensabschnitt. Je größer die Disharmonie zwischen Yin und Yang, desto heftiger und länger können die Beschwerden sein.

Im Wesentlichen unterscheidet Laciny in der TCM zwischen Nieren- und Leber-Yin Schwäche, einer Nieren- und Milz-Yang / Qi Schwäche und einer Mischform von beidem.

Zeichen für ersteres seien: Schwindel, Ohrensausen, Hitzewallungen, verschwommenes Sehen, Unruhe, Nervosität, nächtliches Schwitzen, Schlafstörungen, trockene Haut, Verstopfung, hoher Blutdruck, eventuell eine verstärkte Regelblutung, feine Haare, Haarverlust, brüchige Nägel.

Zeichen für eine Nieren- und Milz-Yang / Qi Schwäche sind wiederum: Erschöpfung, intensives Kältegefühl, kalte Extremitäten, Blähungen, Appetitlosigkeit, Ödeme, Harninkontinenz, unregelmäßige Blutungen, Zwischen- und Schmierblutungen, Myome, Rückenschmerzen, Gewichtszunahme. Es könne aber auch eine Mischform dieser beiden Bilder auftreten, schreibt Laciny und oft seien die Beschwerden noch durch eine Qi-Stagnation verstärkt, die sich in Stimmungsschwankungen, Weinerlichkeit, Verspannungen, Reizbarkeit, Gewichtszunahme und Durchschlafstörungen äußern kann.

Die Ärztin empfiehlt bereits spätestens ab dem 35. Lebensjahr darauf zu achten, ausreichend zu schlafen (7-8 Stunden), Belastungspausen sowohl unter Tags und am Wochenende einzulegen, wenig Kaffee, schwarzen Tee, Alkohol und Nikotin zu konsumieren, täglich viel frisches (aber nicht rohes) Gemüse zu essen und eine allgemeine Ernährungsumstellung im Sinne der 5 Elemente Ernährung, da

sich ab Mitte 30 besonders bei Frauen der Stoffwechsel ändert. Weiters rät sie zwei bis drei Mal pro Woche zu Ausdauertraining: Walken, Joggen, Wandern, Tanzen, Radfahren. „Wichtig ist dabei auch der Spaßfaktor zum Stressabbau.“


Ayurveda

Der Wechsel, wie man ihn im Westen bezeichnet, ist eigentlich ein natürlicher Übergang vom „Lebens-Sommer“ zum „Lebens-Herbst“. Laut ayurvedischen Konzepten reichert sich das Hitze-, Stoffwechsel-, Transformations- oder Energieprinzip (Pitta) im Laufe des mittleren Lebensabschnittes an und erreicht gegen Ende dieses Abschnittes – also im Alter zwischen 45 und 60 Jahren - einen Höhepunkt. Dieser ist im Grunde unabhängig von der individuellen Konstitution. Diese Zusammenhänge bedeuten, dass in diesem Lebensabschnitt körperliche und geistig-seelische „Hitzphänomene“ wie eben die oft beschriebenen Wallungen aber auch emotionale Instabilität verstärkt auftreten können.

Ayurveda Medizin empfiehlt hier unter anderem Anpassungen des Lebensstils - einschließlich des Überdenkens der Lebens-Orientierung und Zielsetzung. Im Bereich der Ernährung sind Pitta-beruhigende Tees, Pitta-beruhigende Nahrungsmittel sowie eine Reduzierung „Hitze-anregender“ Getränke und Nahrungsmittel zu empfehlen. Weiters Selbstmassagen mit speziellen Kräuterölen oder Kokosöl, Nahrungsmittelzusätze auf Kräuterbasis, individuell abgestimmte Entschlackungsbehandlungen (Panchakarma), eventuell ein sanfter Aderlass (speziell im Spätherbst) und spezielle Yoga- und Meditationsformen.

Dr. med. Lothar Krenner

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