Mit offenen Kanälen

Bild: Photoxpress.com
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Tango ist Kommunikation. Tanz ist Kommunikation. So wie alles Kommunikation ist, sobald zwei oder mehr Individuen einander wahrnehmen. Das wissen wir, seit wir Paul Watzlawicks Kommunikationstheorie in unser Allgemeinwissen aufgenommen haben: „Man kann nicht nicht kommunizieren“, sagte er.

Ulrike Moschen

Wenn Sie auf youtube.com ‚Tango Argentino‘ eingeben, erscheint als eines der ersten vorgeschlagenen Videos „Santiago‘s Dream“. Ein junger Mann tritt aus einem dunklen Raum in den Lichtkegel eines einzelnen Scheinwerfers, hebt erst den Kopf, dann die Arme, als ob er eine Tanzpartnerin in den Armen halten würde, und beginnt allein im Halbdunkeln zu den getragenen Klängen von Carlos Libedinskys „Otra Luna“ zu tanzen. Seine Körperhaltung ist aufrecht, seine Bewegungen sind klar, kontrolliert und gleichzeitig fließend. Nach einer halben Minute vollendet er eine Drehung im Raum. Als er seinen Arm, der die Drehung initiiert hat, wieder einholt, hält er eine Frau im Arm, die ihren Tanz mit seinem teilt. Die beiden Tänzer Santiago Hernandez und Isabelle Rune entfalten ein großartiges Duett feinsten Tangos - bis kurz vor Schluss, als sie wieder aus seinen Armen verschwindet.


Im Tango ist wie bei den meisten Paartänzen vieles festgelegt. Die Körperhaltung ist weitgehend aufrecht, die Bewegungen orientieren sich am Rhythmus der Musik, und die Tänzer improvisieren mit einem Repertoire von Figuren. Die Rollen sind klar verteilt, er führt, sie lässt sich führen und setzt mit ihrem Bewegungsrepertoire die Impulse um, die er mit seinen Händen und der Ausrichtung seines Körpers gibt, er wiederum hält den Raum für ihren Tanz. Momente der Bewegung durch den Raum, Figuren im Stand und Momente des Innehaltens wechseln einander ab; gerade in Letzteren wird die dem Tango so eigene Spannung greifbar, diese delikate Mischung aus Körperspannung und ganz auf Wahrnehmung eingestellte Körper. Das Initiieren, Wahrnehmen und Reagieren geschieht so selbstverständlich und fein, dass wir von außen nur ein harmonisches, fließendes Ganzes sehen, dem man im besten Fall eine Handvoll an Versatzstücken von Substantiva zuordnen kann, wie Berührung, Erotik...


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