Gemeinsame Reinigung von Körper und Geist

Foto: Fotolia.de
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In Kürze beginnt die Fastenzeit. Zwar zielen die meisten Fastenkuren auf eine physiologische Wirkung ab, doch sind sich Fachleute darüber einig, dass auch eine Reinigung des Geistes eine gesundheitsfördernde Wirkung hat. Zahlreiche Fastenhotels und auch Klöster bieten entsprechende Kombinationsangebote. Was jedoch immer zu hinterfragen ist, sind sogenannte Crash-Diäten und andere Heilsversprechen.

Andreas Feiertag

Schon bald, am Aschermittwoch, 18. Februar, beginnt die Fastenzeit. Und mit ihr auch wieder die Diskussion über die Sinnhaftigkeit des Fastens. Was für die einen zumindest aus physiologischer Sicht Nonsens ist, lässt die anderen in Euphorie ausbrechen. Was also ist dran am traditionellen Fasten?

Trotz unterschiedlicher Ansichten sind sich Fachleute zumindest in einem Punkt einig: Angebote mit überzogenen Heilsversprechen sind zu hinterfragen, Crash-Diäten abzulehnen. Auch Detox-Kuren, die eine Entgiftung des Organismus versprechen, sollte man genau ansehen: „Den Begriff der Entgiftung sollte man nicht überstrapazieren“, erklärt dazu Wolfgang Marktl, Doyen der österreichischen Kurmediziner und Präsident der Akademie für Ganzheitsmedizin. Der Körper brauche eigentlich nichts zur Entgiftung, denn diese sei letztlich eine normale Leistung des Körpers, die er in gesundem Zustand auch gut alleine erledige. Die Hauptarbeit läuft dabei über Niere und Leber.


Der oberösterreichische Ernährungswissenschafter Christian Butscher geht einen Schritt weiter und stellt nicht nur die Entgiftungsangebote infrage: „Im Grund genommen braucht der Mensch überhaupt nicht zu fasten. Im Gegenteil kann man damit sogar enormen Schaden anrichten.“ So würden beispielsweise schädliche Stoffwechselprodukte und andere mit der Ernährung aufgenommene Gifte über die Leber neutralisiert und dann im Fettgewebe gespeichert. Beim Fasten, also bei einer Nahrungskarenz, verliere der Körper zunächst vor allem Wasser und Eiweiß, dann baue er schließlich Fettreserven ab. „Und dabei werden auch die gespeicherte Toxine, die sonst keine Probleme verursacht hätten, frei und gelangen wieder in den Organismus“, konstatiert Butscher. Auch mit der von etlichen Fastenmethoden angepriesenen Reinigung des Darms kann der Ernährungswissenschafter nicht viel anfangen: „Unser Dickdarm erneuert sich selbst komplett alle paar Tage. Wozu brauche ich also einmal im Jahr zusätzlich eine teure Darmkur in einem Fastenhotel?“


Waltraud Bittner, Gründerin der Österreichischen Gesellschaft für Gesundheitsförderung (GGF) und Fastentrainerin, sieht das naturgemäß anders: „Fasten ist Gesundheitsvorsorge. Wir nehmen heute mehr denn je Schadstoffe über die Ernährung auf, die dann im Körper gespeichert werden – nicht nur im Fettgewebe.“ Eiweißspeichererkrankungen, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Kreislauferkrankungen und Verdauungsstörungen seien primär ernährungsbedingt, daher sollte man den Organismus wenigstens einmal im Jahr einer Reinigung unterziehen. Bittner bezeichnet die im Körper gespeicherten Giftstoffe analog zum Dreck in Hochöfen als „Schlacken“, die weggeputzt gehörten.

Doch geht es der Fastentrainerin nicht nur um Physiologisches: „Fasten hat auch eine psychische...



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