Zeit der Rituale und Rhythmen

Rituale im Winter und speziell rund um Weihnachten haben nicht nur lange Tradition, sondern auch viel Kraft. Die Sonne spielt dabei eine zentrale Rolle.

 

 

 

Weihnachten ist mit Ostern und Pfingsten eines der drei Hauptfeste des christlichen Kirchenjahres. Der Tag hat allerdings nicht nur in anderen Religionen eine zentrale Bedeutung für bestimmte Feste, sondern wurde auch in frühen Kulturen mit Ritualen begangen.

 

Die Verehrung der Sonne und des wiederkehrenden Lichtes geht bereits auf Traditionen in prähistorischer Zeit zurück. Die Sonne hatte essenzielle Bedeutung für das Überleben der Menschen. Trug die Sommersonnenwende einen Aspekt des Todes und der Vergänglichkeit in sich, weil ab da das Jahr kürzer wird, standen dem gegenüber die länger werdenden Tage nach der Wintersonnenwende, die Leben und Auferstehung verkörperten.

Diese Wendepunkte schlugen sich entsprechend in zum Teil sehr starken und bedeutsamen Ritualen und Mythen nieder. Da ab 21./22. Dezember die Tage wieder länger werden, war die Wintersonnenwende in vielen antiken und frühmittelalterlichen Kulturen ein wichtiges Fest, das oft ein paar Tage vor und nach dem Datum der tatsächlichen Sonnenwende gefeiert wurde. Zur Zeit der Einführung des Julianischen Kalenders lag die Wintersonnenwende auf dem 25. Dezember.

 

Umstritten ist heute unter Forschern, ob die nördlichen Germanen um die Wintersonnenwende das Julfest feierten. Dieses wäre dann mit Feuer- und Lichtsymbolik zur Wintersonnenwende praktiziert worden. Historisch belegbare schriftliche Zeugnisse sind nur sehr wenige bekannt.

 

Als christlicher Feiertag ist der 25. Dezember seit 336 in Rom belegt. Wie es zu diesem Datum kam, ist umstritten. Diskutiert wird eine Beeinflussung durch den römischen Sonnenkult: Kaiser Aurelian hatte den 25. Dezember im Jahr 274 als reichsweiten Festtag für Sol Invictus festgelegt; zwischen diesem Sonnengott und „Christus, der wahren Sonne“ zogen die Christen früh Parallelen. Heute geht man allerdings nicht von einer Beeinflussung, sondern einer parallelen Entwicklung aus. Dabei spielte die Tag- und Nachtgleiche am 21. März eine besondere Rolle. Für dieses Datum nahm man den ersten Schöpfungstag und den Tag des Kreuztodes Christi an. Der vor 221 schreibende christliche Gelehrte Julius Africanus bezeichnete den damals am 25. März gefeierten Frühlingsbeginn als Datum sowohl der Passion Jesu als auch seiner Empfängnis, woraus sich bei einer exakt neunmonatigen Schwangerschaft Marias der Tag der Geburt am 25. Dezember ableiten ließ.

 

Zwar finden sowohl das Weihnachtsfest als auch das jüdische Chanukka-Fest in zeitlicher Nähe zur Wintersonnenwende statt, und bei beiden Festen spielt traditionell die Entzündung von Kerzen eine wichtige Rolle. Gemeinsamkeiten hinsichtlich des Festanlasses gibt es jedoch nicht: Das Chanukka-Fest erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr.

 

Der Brauch des sich gegenseitigen Beschenkens wurde 1535 von Martin Luther als Alternative zur bisherigen Geschenksitte am Nikolaustag propagiert, um so das Interesse der Kinder auf Christus anstelle der Heiligenverehrung zu lenken. Die Weihnachtszeit unterteilt sich in eine vorweihnachtliche Buß- und Fastenzeit (Adventszeit) sowie eine weihnachtliche Freudenzeit. Nach dem letzten Sonntag des Kirchenjahres beginnt mit dem ersten Adventssonntag das neue Kirchenjahr.

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