Holunder: verteufelt und verehrt

Fotocredit: Pixabay
Fotocredit: Pixabay

Der Schwarze Holunder ist einer der häufigsten Straucharten in Mitteleuropa, hat heilkräftige Wirkung und beflügelt schon seit Jahrtausenden die Fantasie der Menschen.

 

Katrin Waldner

Teufelsgewächs oder Wohnsitz der Götter: Der Holunderbusch ist Aus- gangspunkt vieler Vorstellungen. Die germanische Gottheit Freya, die Beschützerin von Haus und Hof, soll in ihm gewohnt haben, und Holla, die Göttin der Quellen und Brunnen, wurde unter ihm um fruchtbare Felder gebeten. Die guten Geister würden im Holunder hausen, glaubte man, und gleichzeitig bot die Pflanze auch Projektionsfläche für negative Zuschreibun- gen: Nach dem Verrat an Jesus soll sich Judas Iskariot an einem Holunder erhängt haben, und ein bei einem Haus stehender, verdorrender Busch soll den Tod eines Familienangehörigen ankündigen.


Die Blüten und Früchte des Strauches, der bis zu elf Meter hoch werden kann, werden als Heilmittel, Lebensmittel und Farbstoff verwendet. Die Blätter, die Rinde, die unreifen Beeren und die Samen enthalten das zya- nogene Glycosid Sambunigrin. Bei Kindern und sensiblen Personen kann das zu Erbrechen, leichten Krämpfen oder starken Durchfall führen; für Vögel ist das Gift in großen Mengen tödlich. Erhitzt man die Beeren, zer- fällt der Giftstoff.


Holundersaft und -beeren, aber auch Tee aus Rinde oder Blütenständen werden als Hausmittel bei Nieren- oder Blasenerkrankungen und zur Stär- kung von Herz und Kreislauf verwendet. Der Holunder soll eine entzün- dungs- und schmerzhemmende sowie fiebersenkende Wirkung haben. In Studien konnte gezeigt werden, dass Polyphenole, die in den schwarzen Beeren vorkommen, zell- und gewebsschützende Effekte haben. Sie können Gefäßschäden verringern, die durch oxidativen Stress bei diabetischer Stoff- wechsellage entstanden sind. Holunder kommt außerdem gegen Grippe zum Einsatz, weil er schweißtreibend und schleimlösend wirkt. Bei Magen- schmerzen wird Holundertee empfohlen. Die Pflanze wurde in der Volks- medizin verwendet, um Diabetes mellitus zu kurieren: In vitro wurde in Studien eine insulinähnliche und die Sekretion von Insulin stimulierende Wirkung nachgewiesen – Studiendaten zum Menschen liegen allerdings nicht vor. Holunderfrüchte wirken leicht abführend.


Nicht nur in der Heilkunde und Medizin wird Holunder verwendet, auch zum Färben: Die Beeren enthalten den violetten Farbstoff Sambicyanin. Er befindet sich in den Schalen der Beeren und soll als Radikalfänger das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs senken. Mit den Beeren des Strauches wurden früher Haare und Leder gefärbt. Nachdem natürliche Farbstoffe wieder im Aufschwung sind, hat der Holunder auch als Färbemittel ein Comeback...

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe (03/2016) der Lebensweise

 

Bestellen Sie für nur € 23,-- ein Jahresabo und sichern Sie sich zusätzlich ein wohltuendes Abogeschenk gratis dazu >>>>

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Ravel Bernadette (Montag, 11 September 2017 15:08)

    Ich bin umgezogen! Bitte ab jetzt die Hefte zur folgenden Adresse schicken: Schönauerstraße 25, 3730 Eggenburg.
    Vielen Dank.
    MfG. Bernadette Ravel