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Der Frühjahrsmüdigkeit natürlich begegnen

Drei Fachleute, drei Behandlungsstrategien

Ganzheitliche Behandlungsmethoden haben unterschiedliche Ansätze. Für Patienten ist es oft schwer, sich zu orientieren. Die Lebensweise stellt verschiedene Therapiekonzepte vor – und nicht selten finden sich überraschende Berührungspunkte.


Homöopathie

Stoffwechsel und Hormonhaushalt werden entsprechend den äußeren Bedingungen nach Licht und Temperatur reguliert. Im Winter senkt der Körper seine Temperatur um ein paar Zehntelgrad ab, erhöht den Blutdruck bei Bedarf und bildet mehr vom Schlafhormon Melatonin. Gemeinsam mit Serotonin, das für die Aktivierung des Körpers und gute Stimmung zuständig ist, halten die beiden körpereigenen Hormone die Balance. Die auffälligsten Beschwerden der Frühjahrsmüdigkeit sind Schwindel und Kreislaufprobleme. Dazu drei wichtige homöopathische Arzneien:

Gelsemium, Gelber Jasmin, ist bei einem Schwindel angezeigt, der vom Nacken her aufsteigt, Schwindel bei schnellen Kopfbewegungen, Benommenheitsgefühl, Gefühl zu fallen.

Gelsemium ist ein Mittel für Schwächezustände mit langer Rekonvaleszenz. Auffallend für Gelsemiumpatienten ist ein rotes, aber kaltes Gesicht bei allgemeinem Hitzegefühl. Folgen auf Wintertemperaturen rasch einige sonnige warme Tage, setzt ein unangenehmer Kopfschmerz ein – so, als ob ein festes Band um den Kopf gebunden ist; Sehstörungen vor migräneartigen Kopfschmerzen. Die Kopfschmerzen beginnen meist nachts am Hinterkopf und breiten sich zu den Augen hin aus; die Lider werden schwer. Aufregungen werden in der Herzgegend empfunden, unregelmäßiges Herzklopfen, Ohnmachts-neigung, niedriger Blutdruck.

Denjenigen Patienten, die Lachesis, Buschmeister, für ihre Beschwerden brauchen, ist es in der Regel zu warm. Bei Wetterumschwung auf Frühlings-temperaturen kann es zu linksseitigen pochenden Kopfschmerzen mit Übelkeit, Schläfrigkeit, Druck und/oder Brennen am Scheitel kommen. Schwindel mit Fallneigung nach links. Kühle Luft oder kalte Umschläge bessern die Beschwerden schnell. 

Wetterwechsel, starke geistige Anstrengung oder schnelles Wachstum bei Kindern und Jugendlichen charakterisieren die Verschlechterung bei Calcium-phosphoricum-Patienten. Im Frühjahr leiden sie vermehrt unter den typischen Schulkopfschmerzen, unter Lernschwierigkeiten durch mangelnde Konzentration. Sie haben meist ein blasses Gesicht, sind erschöpft und energielos; sie gähnen den ganzen Tag. Schwindel mit Übelkeit, wird im Freien aber schlechter! Brennende Kopfschmerzen, begleitet häufig von Durchfall. Hat sich das warme, trockene Frühlingswetter durchgesetzt, geht es den Patienten besser.

Was hilft sonst noch gegen Frühjahrs-müdigkeit? Bewegen Sie sich viel im Freien, und essen Sie ausreichend Obst und Gemüse!

 

Dr. med. Gloria Kozel

 

Tibetische Medizin

In dem bedeutendsten Werk der tibetischen Medizin „rgyud bzhi“ („Die vier Tantra der tibetischen Medizin“) ist ein Kapitel, nämlich das vierzehnte des zweiten Abschnittes, dem Thema „Verhalten gemäß den Jahreszeiten“ gewidmet. Ein Teil dieses Kapitels widmet sich der „Frühjahrsmüdigkeit“.

Als Ursache dieser Frühjahrsmüdigkeit wird eine Schwäche der Hitze des Verdauungstraktes mit daraus resultierendem Überschuss von „bad kan“ (Schleim) genannt. 

Anbei ein Auszug der Übersetzung des entsprechenden Kapitels, der dies veranschaulicht: „Während des Winters sammelt sich bad kan im Bereich des Brustkorbes an und wird schließlich im Frühling, aufgrund der Wärme dieser Jahreszeit, abgebaut. Dadurch wird die Hitze des Verdauungstraktes behindert, und es kommt zur Manifestation einer Bad-kan-Krankheit. Zur Beruhigung von bad kan sollte man Nahrung der letzten drei Geschmacksrichtungen (bitter, scharf und zusammenziehend) zu sich nehmen. Empfehlenswert sind abgelagerte Gerste, das Fleisch von Tieren aus wasserarmen Gegenden, Honig, abgekochtes Wasser, ein Dekokt aus Ingwer und Speisen mit rauen Eigenschaften. Regelmäßiges Betreiben von Sport und eine trockene Massage mit gemahlenen Körnern werden zur Beruhigung von Bad-kan-Krankheiten empfohlen. Man sollte es sich in schattigen Gärten, die süße Düfte verbreiten, gemütlich machen.“

Wie immer gelten auch bei Frühjahrsmüdigkeit in der tibetischen Medizin ausgehend von einer präzisen Diagnostik, welche die Analyse des Pulses, die Betrachtung des Urins sowie die Befragung des Patienten beinhaltet, die individuell an den Patienten angepassten Ernährungs- und Verhaltensempfehlungen des Arztes. Darüber hinaus kommen so genannte äußere Therapien wie beispielsweise Moxibustion, Massage und die Goldene-Nadel-Akupunktur zur Anwendung. Am effizientesten werden individuell an die Befindlichkeit des Patienten angepasste tibetische Pillen angesehen. Diese Pillen werden zwei- bis dreimal täglich mit heißem Wasser eingenommen. 

 

Dr. med. Florian Ploberger

Anthroposophie

Noch etwas verschlafen aus der Winterzeit entsteht das Bedürfnis, die Sonnenstrahlen und das zunehmende Licht im Frühjahr wieder aktiv in Taten umzusetzen. Irgendwie kommen Körper und Geist jedoch nicht ganz in Schwung, und die Müdigkeit lähmt uns. Unsere innere Uhr wird vom Tages- wie auch vom Jahresrhythmus angelegt. 

Während der 365 Tage verändert sich nicht nur der Stand der Sonne, sondern durch den circannualen Rhythmus auch das Leben des Menschen. Das Licht ist der wichtigste Zeitgeber der inneren Uhr, der Sonnenstand bestimmt auch die Jahreszeiten. Die komplexen Umstellungen des Organismus im Jahresrhythmus bewirken Veränderungen von Hormonhaushalt, Stoffwechsel, Kreislauf, Blutbildung sowie den Rhythmus der Wach- und Schlafphasen.

Im Herbst verlieren die Bäume ihre Blätter, der Säftestrom zieht sich komplett zurück und wird im Inneren gehalten. Ähnliches passiert auch mit dem Körper in der lichtärmeren Zeit. Es wird mehr Flüssigkeit gespeichert, körperliche Aktivität nimmt ab – mein Wille wird träger, der Stoffwechsel verlangsamt sich; meist ist dies verstärkt durch wenig Frischluft. Es ist die Zeit des Aufbaus und der Ruhe. Man kann das auch vergleichen mit dem Tagesrhythmus. Tagsüber ist der Mensch aktiv, in Bewegung, im Bewusstsein und bewirkt auch durch die geistige Tätigkeit körperlichen Abbau. Nachts, ein guter Schlaf ist Voraussetzung, regeneriert der Mensch wieder, seelisch-geistige Tätigkeit zieht sich beinahe völlig zurück, und die Lebensströme mit dem Immunsystem kommen wieder zu Kräften.

Was kann ich nun aktiv tun, um diese Herausforderungen im Frühjahr zu überwinden, wie kann ich mich unterstützen, damit sich die körpereigenen Botenstoffe Melatonin und Serotonin leichter einpendeln?

Wildkräuter auf der Wiese wachsen bei uns beinahe das ganze Jahr, und diese sollten in der Ernährung auf keinen Fall fehlen. Roh im Salat, als Suppe – Brennnessel, Löwenzahnblätter, Schafgarbe, Gänseblümchen, Erdbeerblätter, Säfte von Wildfrüchten wie Sanddorn und Schlehe sind besonders vitalisierend. Petersilie, Liebstöckel und Suppengemüse lange gekocht sind besonders reich an Eisen, Magnesium und Kalium und wirken stärkend. 

Wir benötigen auch unsere Leber, unser Willens- und Entgiftungsorgan, um den „chronobiologischen Stress“ zu überwinden und die Lebensqualität zu verbessern (bereits der Spaziergang mit dem Pflücken der Kräuter stärkt meinen Willen und mein Ich).

Anthroposophische Therapie:

Hepatodoron Kautabletten Weleda aktivieren die Lebertätigkeit und helfen bei Müdigkeit und Willensschwäche.

Meteoreisen Globuli Wala stärkt den Gesamtorganismus, beugt Infekten vor und hilft bei Erschöpfung.

Bäder mit Prunus-Essenz, Schlehenfrüchte als Badezusatz gegen Erschöpfungszustände und Müdigkeit. Die Schlehe blüht als eine der Ersten im Frühjahr, und ihre Früchte sind erst nach den ersten Frösten im Spätherbst genießbar. Die Prunus-Essenz vermittelt uns sozusagen die Energie eines gesamten Vegetationsjahres.

 

Dr. med. Christine Saahs