Wenn die Wohnung krank macht

Durch Gifte in Innenräumen kommt es immer öfter zu gesundheitlichen Beschwerden, deren Ursache nicht leicht herauszufinden ist. Experten gehen davon aus, dass etwa jeder Fünfte vom so genannten Sick Building Syndrom betroffen ist.

 

Unwohlsein, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Konzentrationsschwierigkeiten, Magen- und Darmstörungen, Herzklopfen, Erkältung, Dauerschnupfen, Hautreizungen, Juckreiz, Augenrötungen, Augen- und Halsreizungen können Ursachen haben, die nur schwer zu finden sind. Oft hängen sie mit krankmachenden Faktoren in Büros, Wohnungen oder dem eigenen Haus zusammen. Die Ursachen sind vielfältig: Ausdünstungen aus Möbeln, Farben und Fußböden; Bakterien, Staubmilben und Schimmelpilze, Lärm, Beleuchtung, Staub und Strahlung. Besonders flüchtige organische Verbindungen bergen hohes Belastungspotenzial für die Innenraumluft.

Das steirische Human Research Institut für Gesundheitstechnologie und Präventionsforschung hat dazu einen Test mit Möbeln gemacht und einen Raum in gleicher Optik aber zwei Versionen gebaut. Einmal mit Billigholz und Fichtenfurnier überklebt und einmal mit Fichtenvollholz. Für diese Studie wurde Holz von 180 Jahre alten Bergfichten aus Südtirol oberhalb von 1600 Metern Meereshöhe verwendet. Die Fichte aus höheren Berglagen wird sonst als Klangholz für Geigen und auch als hochwertiges Holz für Innenausstattungen verwendet. Ätherische Öle und die klimatisch ausgleichenden Eigenschaften des Holzes führen zu einem bauphysiologischen Wert.

Die Studienteilnehmer zeigten durchgängig physiologisch günstigere Reaktionen während mentaler Belastungen im Fichtenraum und erholten sich auch signifikant schneller. „So war die Herzfrequenz im Fichtenraum bereits nach wenigen Minuten geringer, der Vagustonus und die Variabilität des Herzschlags größer“, sagt Professor Maximilian Moser. Zahlreiche physiologische Parameter zeigten im Naturholzbüro günstigere Werte. In einer zweiten Studie wurde ein möglicher Einfluss des Bettmaterials auf die Schlafqualität geprüft. Die Probanden verbrachten ihre Nachtruhe für einen längeren Zeitraum (mehr als drei Wochen) einmal in einem Zirbenbett, im eigenen Bett bzw. in einem Holzdekor-Bett.  Moser: „Im Schlaf zeigte sich eine deutlich bessere Schlafqualität im Zirbenholzbett im Vergleich zu einem Holzdekorbett. Die bessere Nachterholung geht mit einer reduzierten Herzfrequenz und einer erhöhten Schwingung des Organismus im Tagesverlauf einher.“

Schimmel kann zu Erschöpfung führen

Wer längere Zeit in einer Wohnung mit Schimmelbefall lebt, kann - wenn seine Immunabwehr nachlässt - mit allergischen Symptomen reagieren. Die Sporen der Schimmelpilze gehören zu den wichtigsten Innenraumallergenen. Sie verbreiten sich im Raum und binden sich an Feinstaub, die als Schwebstaub in der Innenraumluft vorhanden sind. So werden sie eingeatmet und gelangen über die Atemwege in den menschlichen Organismus. Hier schwächen sie auf Dauer das Immunsystem, allergische Symptome wie Husten, Asthmaanfälle, Erschöpfung und Hautausschläge sind häufig die Folge.

„Mithilfe der Homöopathie lassen sich die allergischen Symptome gut behandeln“, sagt Katrin Strauch, Homöopathieärztin in Wien. Vor allem das Konstitutionsmittel leistet gute Dienste. „Diese individuelle, typenabhängige Arznei deckt die Summe an auffallenden körperlichen und psychischen Eigenheiten des Patienten. Nach einer ausführlichen Anamnese kann ein homöopathisch ausgebildeter Arzt diese individuell passende Arznei auswählen und in der geeigneten Form verabreichen.“ Mithilfe dieses Konstitutionsmittels sei es möglich, das Immunsystem so zu aktivieren, dass die beeinträchtigenden Symptome abklingen.

Das Immunsystem wird durch Akupunktur günstig beeinflusst, sagt Leopold Dorfer, Akupunkturarzt in Graz und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für kontrollierte Akupunktur und TCM. Bei Allergien habe man mit Dauernadeln gute Erfahrungen gemacht. Beeinflusst werden der sogenannte Histaminpunkt, der Interferonpunkt sowie der „Meisterpunkt der Atemwege“, der ein Hauptpunkt zur Stärkung des Immunsystems ist. Dorfer: „Wir können so das Immunsystem eigentlich nach oben oder unten regulieren.“ Im Winter kämen etwa viele Menschen zu ihm in die Praxis, deren Immunsystem gestärkt werden müsse gegen Erkältungskrankheiten, im Frühjahr mit dem Start der Pollensaison müsse bei vielen das Immunsystem eher „heruntergefahren“ werden. Der Erfolg sei von Person zu Person unterschiedlich, Akupunktur helfe aber in jedem Fall, Medikamente leichter zu vertragen oder die Dosis zu reduzieren.

Problematisch sei es bei Menschen, die auf Staubmilben, giftige Substanzen im Haushalt oder Schimmel reagieren, weil diese Belastung das ganze Jahr über bestünde und nicht wie bei Pollenallergien nach ein paar Wochen vorbei ist. Hier kann man zwar die Symptome lindern, „die Beseitigung der Ursache ist jedoch die Grundvoraussetzung, um die Beschwerden zu heilen“, sind sich Dorfer und die Homöopathin Strauch einig.

Einen möglichen Weg dazu bietet das oberösterreichische Öko-Unternehmen Multikraft. Das Familienunternehmen hat sich auf die Herstellung von sogenannten Effektiven Mikroorganismen spezialisiert. Die Wurzel dafür liegt in Japan, wie Firmenchef Lukas Hader erzählt. „Vor etwa 30 Jahren wurde auf Okinawa eine Mischung von Mikroorganismen entwickelt, die sich als großartige Hilfe in vielen Bereichen unseres Lebens erwiesen hat. Diese Mischung wird als EM bezeichnet und besteht aus den verschiedenen Arten von Mikroorganismen, die in der Natur gesammelt und in spezifischer Weise gezüchtet wurden.“ Etliche dieser Mikroorganismen seien schon lange in der Medizin- und Lebensmittelindustrie bekannt und für Mensch, Tier, Pflanze, Boden und Wasser nützlich.  

Das Öko-Unternehmen hat EM ursprünglich für die Landwirtschaft konzipiert – unter anderem zur natürlichen Regeneration von Böden. Später kamen über Abwasserreinigung auch Reinigungsmittel für den Haushalt dazu. Hader: „Die Basis unserer Reinigungsprodukte bilden die effektiven Mikroorganismen, deren Wirkung durch natürliche Rohstoffe verstärkt wird. Zusätzlich beinhalten eMC-Reiniger spezielle Mikroorganismenkulturen, die der besseren Aufspaltung von Kohlenwasserstoffen und Cellulose (etwa WC-Papier) dienen.“ Eingesetzt werden die Produkte auch gegen Schimmel. Durch Verwendung von EM würden negative Auswirkungen schädlicher Substanzen reduziert oder sogar vollkommen verhindert.

„Aufgrund der Dominanz der regenerativen Mikroorganismen können mithilfe der effektiven Mikroorganismen Schimmelbildungen minimiert bzw. beseitigt werden. EM verstoffwechseln die organische Substanz, auf der die Schimmelpilze leben, und entziehen ihnen dadurch die Lebensgrundlage“, erklärt Hader.Seine Organismen empfiehlt er auch gegen Schadstoffe bei Renovierungen: „Frische Farbe enthält oft schädliche Stoffe, die vor allem unsere Atemwege angreifen. Mischt man EM-Keramikpulver unter die Farbe, verlieren diese Stoffe ihre Aggressivität.“